Air Berlin

Viele Air-Berlin-Crews wieder zurück - Dennoch Flugausfälle

Das Chaos geht weiter: In Tegel wurden mindestens elf Flüge der insolventen Fluglinie Air Berlin gestrichen.

Air-Berlin-Maschinen am Flughafen Tegel

Air-Berlin-Maschinen am Flughafen Tegel

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Das Chaos bei der insolventen Fluglinie Air Berlin setzt sich auch am Mittwoch fort. Wie der Abfertigungsübersicht am Flughafen Tegel zu entnehmen ist, kommt es dort am Vormittag zu einigen Flugausfällen. Gestrichen wurde unter anderem der Air-Berlin-Flug von Tegel nach Düsseldorf um 6.40 Uhr. Ebenso gecancelled wurde die Maschine nach Zürich um 6.45 Uhr. Auch die Maschinen nach Köln/Bonn (8.10 Uhr) und Stuttgart (8.20 Uhr) blieben am Boden.

Die Liste der Streichungen setzt sich im weiteren Verlauf des Vormittags fort. Mindestens elf Flüge werden am Mittwoch laut Online-Übersicht ausfallen. Eine Sprecherin des Unternehmens sprach am Mittwochmorgen zunächst von sieben Ausfällen am TXL. Deutschlandweit würden insgesamt 32 Flüge ausfallen.

Dabei ist die für die Flugausfälle verantwortliche vermeintliche Krankheitswelle unter Air-Berlin-Crews am Mittwoch wieder abgeebbt. Etliche Crews hätten sich am Mittwoch wieder gesund gemeldet und für Flüge zur Verfügung gestellt, teilte die Fluggesellschaft Eurowings mit, die ebenfalls von den Ausfällen betroffen war. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schilderte, dass einzelne Crews trotz vorhandener Maschinen nicht fliegen konnten, weil die Fluggesellschaften vorsorglich Verbindungen aus dem Flugplan gestrichen hatten. Hinter der Krankheitswelle wird ein illegaler Bummelstreik der Piloten vermutet. Die VC hatte nach eigenen Angaben nicht dazu aufgerufen.

Am Donnerstag erwartet das Unternehmen wieder Normalbetrieb. Die Zahl der Krankmeldungen flaue ab, Gesundmeldungen von Piloten träfen ein, hieß es am Mittwoch in einem Offenen Brief des Vorstands an die Cockpit-Crews. "Die Piloten kommen zurück", sagte ein Sprecher.

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Ausfälle auch bei Lufthansa-Tochter Eurowings

Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings musste am Mittwoch zahlreiche Flüge absagen. Bis zum Mittag wurden 35 Verbindungen aus dem Flugplan gestrichen, wie die Fluggesellschaft über ihre Homepage mitteilte. Sie hat 33 Flugzeuge samt Besatzungen bei der insolventen Air Berlin angemietet. Ein Sprecher in Köln rechnete mit einer stabileren Situation im Laufe des Tages. Üblicherweise bietet Eurowings 650 Flüge am Tag an. Bereits am Dienstag habe man Dutzende Flüge retten können, indem man Verstärkung aus der Lufthansa-Gruppe eingesetzt habe. Allerdings sei die Planung wegen teils auch sehr kurzfristiger Krankmeldungen von Air-Berlin-Piloten extrem anspruchsvoll.

Hintergrund der Flugausfälle: Bereits am Dienstag war es bei der Airline zu zahlreichen Krankmeldungen von Piloten gekommen. Es "liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor", schrieben Vorstandschef Thomas Winkelmann und seine Kollegen Oliver Iffert und Martina Niemann am Dienstag in einem internen Brief an die Piloten. Die Zahl der Krankmeldungen sei auch am Mittwoch nicht zurückgegangen, so eine Air-Berlin-Sprecherin. Recherchen der "B.Z." zufolge hatten sich die Piloten zuvor in einem Telegram-Chat verabredet: "Heute sind wir alle krank."

Entspannte Lage in Tegel

Die Lage am TXL ist am Morgen deutlich entspannter als am Tag zuvor. Am Schalter warten nur wenige Passagiere, teils, weil ihre Flüge gestrichen wurden, teils, weil sie sichergehen wollen, dass ihr gebuchter Flug stattfinden wird.

Edit Litauski aus Ungarn ist in der Nacht aus dem Urlaub in New York zurückgeflogen. Eigentlich sollte es am Nachmittag weiter nach Budapest gehen. Nach dem langen Flug aus den USA ist sie müde, will so schnell wie möglich nach Hause. Jetzt fliegt sie erst einmal nach München, "keine Ahnung, wie es dann weitergeht", sagt sie.

Paul Nagel steht ebenfalls am Air-Berlin-Schalter. Der Flug des Außendienstlers nach Stuttgart um 12.55 Uhr wurde gestrichen. "Jetzt hoffe ich, dass ich den früheren Flug bekomme", sagt er. Weil er schon vier Stunden vor dem geplanten Abflug am Schalter steht, klappt das tatsächlich. Paul Nagel wird auf die Maschine um 10.30 Uhr umgebucht. Dass er so früh am Flughafen war, verdanke er dem Regen, bei schönem Wetter hätte er sich noch Berlin angesehen. "Man muss immer positiv bleiben", sagt er. Deshalb ärgert er sich auch nicht über die Krankmeldungen der Piloten. "Irgendeine Reaktion musste ja kommen", findet er. "Ich kann die Jungs verstehen.

Schäden durch Krankmeldungen in Millionenhöhe

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Kollegen zumeist kurzfristig krank gemeldet. Mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Die Kosten für die Airline beliefen sich nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer.

Der Vorstand, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Betriebsrat rief die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung betonte: "Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen." Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es "entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren".

Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf. An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen eingestellt hatte.

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