Berlin

Ein goldener Riss für die Opfer

Wettbewerb entschieden: Jury wählt Entwurf für Mahnmal am Breitscheidplatz aus

Am 19. Dezember, dem ersten Jahrestag des Terroranschlags auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, soll ein Mahnmal für die Opfer enthüllt werden. Am Dienstag hat sich die Jury für einen der sieben eingereichten Vorschläge entschieden, wie die Senatskanzlei am Abend mitteilte. Ausgewählt wurde der Entwurf des Büros Merz Merz GmbH & Co. KG. Er sieht vor, dass ein Teil des Bodens auf dem Breitscheidplatz einen Riss erhält und dieser durch eine goldfarbene Legierung aufgefüllt wird. Die Namen der Todesopfer und ihre Herkunftsländer sollen auf der Vorderseite der Stufen vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche stehen.

Der tunesische Islamist Anis Amri war mit einem geraubten Lastwagen am 19. Dezember 2016 in den Weihnachtsmarkt gefahren. Dabei wurden elf Menschen getötet und 56 verletzt, teilweise sehr schwer. Zuvor hatte Amri den polnischen Fahrer des Lkw erschossen. Direkt an der Gedächtniskirche hatte sich nach dem Anschlag ein Gedenkort gebildet, wo bis heute Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet werden. Dort wird nun das Mahnmal angelegt und sich damit zum Teil auf dem Kirchengrundstück befinden. Der Bau des Mahnmals soll in Kürze beginnen.

Die Inschrift steht schon länger fest: "Zur Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags auf dem Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016. Für ein friedliches Miteinander aller Menschen. In dieser Nacht starben: …" Dann folgen die Namen und Herkunftsländer der Opfer. Das Mahnmal soll inklusive des Künstlerhonorars und der Herstellung höchstens 100.000 Euro kosten. Die Jury bestand aus sechs Experten aus den Bereichen Architektur, Design und Gestaltung sowie fünf Vertretern der Politik und der Gedächtniskirche. Als Berater fungierten Sachverständige, zu denen auch drei Hinterbliebene von Opfern gehörten.

Die Jury vergab auch einen zweiten Preis, ausgezeichnet wurde der Entwurf von Braun Engels Gestaltung aus Ulm. Er sieht ein Blatt aus Edelstahl vor, das auf die Stufen vor der Kirche fällt. Die Namen und Herkunftsländer der Opfer würden aus ähnlichem Material auf das Blatt aufgebracht.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) begrüßte die Entscheidung des Preisgerichts, das von einer Projektgruppe eingesetzt wurde: "Der Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz hat uns tief getroffen. Bis heute ist die Anteilnahme überwältigend. Menschen aus aller Welt legen Blumen nieder oder zünden Kerzen an, um an die Opfer zu erinnern. Wir wollen diesem Gedenken dauerhaft einen Ort geben." Dem Senat sei wichtig gewesen, dass dieser Ort ein würdiges Gedenken ermöglicht, bei dem die Opfer im Zentrum stehen, so Müller. Das leiste der zur Realisierung empfohlene Entwurf des Büros Merz Merz. Zugleich weise die Botschaft des Gedenkorts mit dem Appell an das Miteinander der Menschen in die Zukunft. Der Regierende Bürgermeister dankte besonders der Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Sie stellte die Fläche für das Mahnmal zur Verfügung habe und den Prozess "intensiv und mit großer emotionaler Kompetenz begleitet".

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