Musikfestival

Senat kritisiert schlechte Verkehrsplanung bei Lollapalooza

Die Abreise vom Lollapalooza-Gelände wurde für viele Besucher zur Chaos-Fahrt. Senat kritisiert Veranstalter und Genehmigungsbehörde.

Zahlreiche Besucher des Lollapalooza-Festivals stauen sich in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag am S-Bahnhof Hoppegarten (Brandenburg), als sie nach dem Ende der Veranstaltung abreisen wollen

Zahlreiche Besucher des Lollapalooza-Festivals stauen sich in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag am S-Bahnhof Hoppegarten (Brandenburg), als sie nach dem Ende der Veranstaltung abreisen wollen

Foto: Martha Richards/dpa

Nach dem Abreisechaos beim Lollapalooza-Festival in Hoppegarten (Landkreis Märkisch-Oderland) hat die Berliner Senatsverkehrsverwaltung den Veranstaltern und der Genehmigungsbehörde eine nachlässige Planung vorgeworfen. „Die Veranstalter und der Landkreis hätten rechtzeitig Vorsorge für eine sichere Heimreise der vielen tausend Besucherinnen und Besucher treffen und entsprechende Verträge mit den Verkehrsunternehmen schließen müssen“, heißt es in einer Mitteilung vom Montag.

Aufgabe sei es nun, die Ursachen für die „chaotischen Zustände“ zu ermitteln und die An- und Abreise für Festivalbesucher zukünftig sicher zu organisieren. Die Senatsverwaltung wolle dazu das Gespräch mit den Beteiligten suchen und bot an, sich bei künftigen Großveranstaltungen an der Verkehrsplanung und Koordinierung zu beteiligen.

In der Nacht zum Sonntag mussten Tausende Besucher des zweitägigen Musikfestivals auf der Galopprennbahn Hoppegarten vor den Toren Berlins bei der Abreise am dortigen S-Bahnhof stundenlang auf Züge und Shuttlebusse warten. Rund 3000 Menschen hatten mehrere Stunden vor der Station ausgeharrt, um nach Berlin fahren zu können. Etwa 40 Menschen erlitten Kreislaufzusammenbrüche und mussten von Rettungskräften behandelt werden. Manche Anwohner berichteten, dass Besucher über Privatgrundstücke liefen und gegen Häuserwände urinierten.

Veranstalter entschuldigten sich via Twitter

85.000 Menschen waren erwartet worden, ähnlich viele wie beim Konzert der Rolling Stones in Hamburg am selben Tag. Via Twitter entschuldigten sich die Veranstalter am Sonntag bei den Besuchern, gelobten Besserung und legten den Musikfans nahe, nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften zu bilden und genau auf die Durchsagen während der Veranstaltung zu achten.

Panik gab es nach Angaben des Veranstalters zu keinem Zeitpunkt. Anders sahen das die Einsatzleiter der Polizei, die sich dazu entschieden hatten, den S-Bahnhof Hoppegarten zu sperren. Sie befürchteten, dass Besucher in dem Gedränge auf die Gleise stürzen oder auf der schmalen Zugängen zum Bahnsteig erdrückt würden. Zur Unterstützung hatte die Bundespolizei auch Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert. Ihren Angaben zufolge waren rund 60.000 Festivalbesucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Zur Verschärfung der Lage trug bei, dass in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) ein Oktoberfest stattfand. Viele Bahnen, auf die die Festivalbesucher nachts warteten, waren schon bei Ankunft in Hoppegarten überfüllt. Einige Festivalbesucher boten Anwohnern Geld, um sie nach Hause zu fahren.

Am Sonntag kündigte die S-Bahn auf Anfrage der Berliner Morgenpost an, über den gesamten Tag Vollzüge mit einer Kapazität von jeweils 1000 Fahrgästen einzusetzen. Bis 0.39 Uhr sollten die Bahnen im Zehnminutentakt verkehren. Laut dem Veranstalter sollte die Bahn dann noch bis 2.30 Uhr fahren. Das stieß bei der S-Bahn auf Nachfrage allerdings auf Skepsis, es war bis zum Abend unklar, ob man das organisiert bekomme, hieß es.

Dennoch teilte der Veranstalter über Twitter mit:

Die Bundespolizei verwies ebenfalls über Twitter auf diesen Tweet mit der Bitte um Beachtung. Zusätzlich, so die Bundepsolizei stünden auch Bus-Shuttles zur Verfügung. Dafür solle man den Ausgang C nutzen.

Die S-Bahn reagierte ebenfalls auf Twitter:

Auch am Sonntag großer Andrang auf S-Bahnhof Hoppegarten

Auch am Sonntagabend herrschte auf dem S-Bahnhof Hoppegarten nach 22 Uhr großer Andrang. Allerdings lief der Zustrom Beobachtern zufolge zunächst geordneter ab. Es sei viel Polizei vor Ort gewesen, hieß es.

Am Sonntagabend lief die Abreise nach Angaben der Bundespolizei deutlich besser ab als am Vortag. Wie die Bundespolizei mitteilte, sei der S-Bahnhof Hoppegarten (Mark) immer nur kurz gesperrt worden, um eine Überfüllung des Bahnhofs zu verhindern. Die Bahnen fuhren demnach in einem engen Takt. Auch nach Angaben des Veranstalters Tommy Nick verlief die An- und Abreise am Sonntag wesentlich entspannter. „Es hat deutlich besser geklappt als am Samstag,“ sagte er.

Mehrere Zuschauer teilten über Twitter mit, dass die Abreise mit Shuttlebussen und S-Bahnen am Sonntag besser funktionierte, und sie schnell zu Hause angekommen seien. Viele Besucher hatten bereits nach Ende des Konzerts der Foo Fighters gegen 23 Uhr den Heimweg angetreten. Die Band The xx spielte anschließend.

Das Musikfestival Lollapalooza findet im kommenden Jahr im Berliner Olympiapark statt. Das teilten die Veranstalter am Montag mit. Als Grund gaben sie die Infrastruktur sowie Probleme bei der An- und Abreise am diesjährigen Standort, der Galopprennbahn Hoppegarten vor den Toren Berlins, an. Auch „behördliche Auflagen“ hätten zu der Entscheidung geführt. Der Termin für das nächste Festival ist der 8. und 9. September 2018.

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