Berlin

Auch das war "Lolla": Glitzer, Blumen und schöne Musik

Nach einem entschleuningenden Auftritt des britischen Trios London Grammar und einer mitreißenden Performance des Hip-Hoppers Cro, schmerzen einem plötzlich die Ohren. Verzehrte Gitarren, lauter als alle zuvor. Die Blicke gehen auf die Hauptbühne. Die Foo Fighters sind da — und wie. Dass sie sich an Lautstärkegrenzen halten, kann man sich nicht vorstellen, als sie mit "What Did I Do / God As My Witness" ihr Konzert eröffnen. Die Menge tobt — ein Drittel mit Ohrstöpseln. Auch nach 23 Jahren, das Rocken haben die Foo Fighters nicht verlernt.

Am Nachmittag sorgte das gute Wetter dafür, dass viele das Chaos der letzten Nacht vergessen zu haben schienen. Mit Glitzer, bunt geschmückten Hüten und Blümchen in Haar genossen sie den Festivalsonntag. Es waren schon am Mittag deutlich mehr Besucher als am Vortag. Spätestens als die vier Londoner DJs und Produzenten, die avantgardistisch Dubstep-Beats, Bläser und reichlich Beats miteinander kombinieren, auf die Hauptbühne kamen, war es brechend voll. Es gab eine herausragende Stimme nach der anderen. Das war das Rezept der britischen Band Rudimental. Deswegen durfte auch gleich zu Beginn Anne-Marie, die eben noch auf der ersten Hauptbühne gespielt hatte, zu Rudimental herüberkommen und den Song "Rumour Mill" performen. Nach dem gestrigen Organisations-Desaster schienen die Zeilen "The bad things be spreading 'round. No, no, let it go, just turn it down" passend.

Auch Annenmaykantereit begeisterten: "Das nächste Lied ist für 'ne Frau und das hat ihr nicht so gut gefallen", sagte Frontmann Christopher Annen und stimmte "Mir wär' lieber, du weinst" an. Das Publikum hob die Arme und tanzte, erstaunlich voll war es vor dieser Hauptbühne, gehören diese vier Kölner doch erst seit geraumer Zeit zu den Mainstream-geläufigen Bands. Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und Live-Bassist Malte Huck schickten ihr Publikum in ein Emotionskarussel. Mal fröhlich, naiv, todunglücklich und dann wieder bitter ernst. Besser könnte kaum eine Band zum diesjährigen Lollapalooza-Festival passen.

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