Zuschuss pro Jahr

Bund fördert Berlins Wissenschaft mit 1,4 Milliarden Euro

Die Zuschüsse sind fast so hoch wie der Forschungsetat des Landes. Berliner Experten sind in Wettbewerben oft erfolgreich.

Berlins Wissenschaftler können sich in Wettbewerben meist durchsetzen

Berlins Wissenschaftler können sich in Wettbewerben meist durchsetzen

Foto: picture-alliance

Die Berliner Wissenschaft wird massiv von der Bundesregierung und auch von der Europäischen Union unterstützt. Allein vom Bund erhält Berlin aus verschiedenen Programmen 2017 fast 1,4 Milliarden Euro. Das ist fast so viel wie der gesamte Wissenschaftshaushalt des Landes, der 2017 bei 1,8 Milliarden Euro lag.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz hat sich erstmals die verschiedenen Fördertöpfe und Empfänger zusammentragen lassen. "Ohne die Unterstützung des Bundes könnte Berlins Wissenschaft, salopp gesagt, einpacken", so der Experte für Bildungs- und Wissenschaftspolitik im Haushaltsausschuss des Bundestages.

Auch bei der Europäischen Union werben Berliner Forscher zunehmend mit Erfolg Geld ein. Seit 2014 flossen mehr als 320 Millionen Euro aus Brüsseler Kassen direkt an Berliner Wissenschaftler. Am Mittwoch wurde bekannt, dass allein fünf Berliner vom Europäischen Forschungsrat einen sogenannten Starting Grant von bis zu 1,5 Millionen Euro erhalten, um ihre Forschungsarbeit fortzusetzen und zu erweitern. "Wir wollen die Fördermöglichkeiten in Brüssel noch stärker nutzen", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der am Dienstag mit EU-Forschungskommissar Carlos Moedas in Brüssel gesprochen hatte.

Noch wichtiger als die Beiträge aus Europa ist aber das Geld aus dem Bundesministerium für Wissenschaft sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). "Der Bund spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung Berlins zu einem internationalen Standort für Spitzenforschung", sagte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach.

Der Bund bezahlt inzwischen über den Hochschulpakt, der unter anderem die Zahl zusätzlicher Studienplätze belohnt, auch rund zehn Prozent des laufenden Budgets der Berliner Hochschulen. Wegen jährlicher Verrechnungen und Vorschüsse schwanken die Zahlen – aber im Durchschnitt fließen pro Jahr 144 Millionen Euro direkt an Universitäten und Fachhochschulen. Die Exzellenzinitiative bringt dieses Jahr 67 Millionen. 2018 sinkt dieser Betrag, weil die zweite Phase der Initiative ausläuft. Die Skizzen für die neuen Anträge, bei denen die Berliner im Verbund vorgehen, werden am 28. September präsentiert.

Hochschulen sind gut im Einwerben

Stark zeigen sich die Berliner Hochschulen auch darin, von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und der DFG Mittel für Projekte einzuwerben. Fast 300 Millionen Euro akquirierten sie allein aus diesen beiden Quellen, 2018 dürfte die Summe etwa gleich hoch liegen. Zudem sponsert der Bund die Forschung in Berliner Unternehmen mit 53 Millionen Euro pro Jahr.

Ein großes Pfund für die Hauptstadt sind auch die maßgeblich vom Bund finanzierten Institute der großen Forschungsgesellschaften – Max-Planck, Fraunhofer, Leibniz und Helmholtz. Sie bringen mehr als 456 Millionen Euro an festen Zuschüssen in die Stadt. Die Bundes-Institute sind international konkurrenzfähig: Allein sieben Millionen pro Jahr investiert die Max-Planck-Gesellschaft, um die international umworbene Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier in der Stadt zu halten. Zudem bezahlt der Bund mit 63 Millionen Euro den Löwenanteil am neuen Berliner Institut für Gesundheitsforschung, fördert die Charité mit 32 und das Wissenschaftskolleg mit 3,6 Millionen Euro. Dazu kommen erhebliche Mittel für Forschungsprojekte.

Erfolgreiche Berliner Wissenschaftler

Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Krach verweist darauf, dass – außer beim politisch protegierten Institut für Gesundheitsforschung von Charité und Max Delbrück Centrum für molekulare Medizin – sich Berlins Wissenschaftler meist in Wettbewerben durchsetzen. So gewann ein Berlin-Brandenburger Konsortium das Ringen um das Deutsche Internet Institut gegen harte Konkurrenz aus Bayern. Auch bei dem von Ministerin Wanka geförderten Programm "Forschungsfabrik Mikroelektronik" geht von 350 Millionen Euro Gesamtbudget ein Drittel nach Berlin und Brandenburg.

Der Bundestagsabgeordnete Swen Schulz warnte die Bundesregierung angesichts der Bedeutung der Bundesförderung davor, die Ausgaben für die Forschung, wie in der Finanzplanung vorgesehen, zu senken.

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