Trebnitz

Brandenburgs erstes Bildhauermuseum

Das Gustav-Seitz-Museum öffnet in Trebnitz und zeigt Arbeiten des Künstlers, der die Skulptur von Käthe Kollwitz schuf

Trebnitz.  Sein Käthe-Kollwitz-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz in Prenzlauer Berg ist das bekannteste Werk des Bildhauers Gustav Seitz. Eine kleinere Version der Bronzefigur, ein Gipsmodell und eine überdimensionale Kopfstudie von Kollwitz stehen jetzt in Trebnitz (Märkisch-Oderland). Auf dem Gelände des Bildungs- und Begegnungszentrums Schloss Trebnitz hat Brandenburg ein neues Museum bekommen, das am 11. September zum 111. Geburtstag des Künstlers offiziell eröffnet wird.

Der komplette Nachlassdes Künstlers mit Mobiliar

Im einstigen Wasch- und Schlachthaus des Schlossensembles, einem für 600.000 Euro sanierten, zweistöckigen Ziegelgebäude, findet sich der komplette künstlerische Nachlass des gebürtigen Mannheimers, der 1969 in Hamburg starb: etwa 150 Skulpturen, mehr als 4000 Zeichnungen und Grafiken, eine umfangreiche Bibliothek sowie Mobiliar – Schreibtisch des Künstlers inklusive.

Seine Witwe hatte Wohn- und Atelierhaus samt Inventar einst einer Stiftung vermacht, die aus zwei Kunsthistorikern besteht. „Inzwischen ist das Gebäude marode. Die beiden betagten Herren hofften zunächst, Seitz’ Erbe in einem Bildhauermuseum wie dem Berliner Kolbe-Haus oder dem Barlach-Haus in Wismar unterzubringen. Doch da wären seine Werke nur im Depot gelandet“, erzählt Dariusz Müller, Leiter des Bildungs- und Begegnungszentrums in Trebnitz.

Zum Konzept seiner Einrichtung gehört es, sämtliche einst das Schlossensemble bildende Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen: Die frühere Remise ist heute Dorfladen und Treffpunkt für den Gemeinderat, die alte Schmiede wurde zum Seminarzentrum und Veranstaltungsort für Familienfeiern. „Wir sind eine deutsch-polnische Bildungsstätte für Kinder und Jugendliche. Dazu gehört auch Kulturpädagogik“, sagt Müller und glaubt, dass dies auch im Sinne des Bildhauers sei.

„Seitz, in den 50er-Jahren Professor an der Akademie der Künste, waren seine Studenten immer sehr wichtig“, sagt er. Angedacht sind Bildhauer-Workshops, in denen Jugendliche Skulpturen aus Lehm schaffen oder lernen, wie eine Bronzeskulptur entsteht – von der Zeichnung über das Gipsmodell bis hin zum Guss.

„Kinder sind heute motorisch vielfach unterentwickelt. Dagegen müssen wir etwas tun“, ist der Politologe überzeugt. Seitz war bekannt für seine realistischen Plastiken, die nunmehr als Anschauungsobjekte für Nachwuchs-künstler dienen könnten, sagt er. Doch auch politische Bildung sei anhand dieses Bildhauers zwischen Ost und West anschaulich möglich. „Sein Leben ist ein Beispiel für den Kalten Krieg zwischen beiden deutschen Staaten noch vor dem Mauerbau. Argwohn begleitete Seitz in Ost und West“, sagt Müller.

Als Seitz den Nationalpreis der DDR 1949 entgegennahm und Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin (Ost) wurde, suspendierte man ihn von der Lehrtätigkeit an der Hochschule für bildende Künste in Charlottenburg und erteilte ihm mit sofortiger Wirkung Hausverbot. 1953 scheiterten seine Pläne einer Lehrtätigkeit an der Werk­akademie Kassel, weil sich der Künstler weigerte, die DDR und seine Meisterschüler an der Akademie der Künste zu verlassen.

Und als sein Käthe-Kollwitz-Denkmal 1960 in Berlin aufgestellt wurde, lebte er bereits zwei Jahre in Hamburg, lehrte dort an der Hochschule für bildende Künste und kehrte nie mehr in den Osten Deutschlands zurück.

Dariusz Müller hält das erste Bildhauermuseum Brandenburgs für durchaus angebracht. So sei der Künstler Gustav Seitz unter anderem doch auch eng mit dem Dichter Bertolt Brecht befreundet gewesen , der seinen Sommersitz im nur gerade einmal etwa 40 Kilometer entfernten Buckow (Märkisch-Oderland) hatte. In Seitz’ Nachlass finden sich denn auch mehrere Porträt-Köpfe, die er von dem Dichter angefertigt hat.

„Für Februar bereiten wir eine Brecht-Ausstellung vor, wollen dafür eng mit dem Brecht-Weigel-Haus in Buckow zusammenarbeiten“, sagt Müller.

Auf noch mehr Kulturtouristen freut sich Ellen Russig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. „Ostbrandenburg erhält mit dem neuen Museum einen weiteren sehr hochwertigen kulturellen Reise­anlass. Das gesamte Schlossareal wird dadurch aufgewertet“, sagt sie.

In der Region gebe es viele Anknüpfungspunkte, sagt Gernot Schmidt (SPD), Landrat von Märkisch-Oderland. „Ich selbst stamme aus Altlangsow (Märkisch-Oderland), wo der Bildhauer Werner Stötzer lebte, ein Schüler von Seitz.“ Ein Ziel sei es beispielsweise auch, in den nächsten Jahren auch einen Gedächtnisort für die Schüler des Bildhauers Gustav Seitz zu entwickeln, zu denen unter anderem auch der weltbekannte Fotomontagekünstler John Heartfield (1891–1968) gehörte, der in Waldsieversdorf (Märkisch Oderland) ein Sommerhaus besaß.

Werke des Bildhauers Gustav Seitz finden sich auch im Kunstarchiv Beeskow (Oder-Spree), das die einstige DDR-Auftragskunst der heutigen Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bewahrt.

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