Immobilien

Berlin setzt auf Konzepte statt auf Höchstpreis

Bei den sogenannte Konzeptverfahren kommt derjenige Bieter zum Zuge, der die sinnvollste Idee für ein Gebäude oder eine Fläche hat.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher

Foto: Reto Klar

Der Ort war passend gewählt für den Liegenschaftskongress, bei dem die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) am Montag die Verständigung der Stadt über den Umgang mit landeseigenen Gebäuden und Grundstücken vorantreiben wollte. Die Alte Münze am Molkenmarkt ist eines der letzten landeseigenen Gewerbeobjekte im Zentrum, das einer dauerhaften Nutzung harrt. Das Gebäude war schon an einen Investor verkauft, der dort teure Wohnungen plante. Dann stoppte die Stadt das Vorhaben. Seitdem wird diskutiert, was dort geschehen soll. Von Kultur und Kreativwirtschaft ist die Rede.

Berlin ist jedenfalls weg davon, seine Liegenschaften zum Höchstpreis zu verkaufen. Das Gebot der Stunde sind sogenannte Konzeptverfahren, bei denen derjenige Bieter zum Zuge kommt, der die sinnvollste Idee für ein Gebäude oder eine Fläche hat. Drei solcher Verfahren laufen am Südkreuz, drei weitere starten demnächst in Tempelhof-Schöneberg und Spandau. Zudem will die Stadt Flächen sichern für Schulen, Kitas und Verwaltung. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher formulierte die Gretchenfrage: "Haben wir Platz für alles, was dort so wächst?"

Wie weit der Senat beziehungsweise die von ihm beauftragte BIM mit seiner neuen Liegenschaftspolitik aber gehen sollte, ist in der Koalition umstritten. Die linke Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher will gar keine Grundstücke mehr verkaufen, sondern nur noch in Erbpacht vergeben. Im Gegenteil: Sie geht davon aus, dass Berlin künftig häufiger wieder Flächen ankauft. Um schnell handlungsfähig zu sein, müsste die Zusammenarbeit zwischen Senat, Bezirken und landeseigenen Unternehmen verbessert werden.

Die vom SPD-geführten Finanzressort beaufsichtigte BIM will aber auch weiterhin Flächen veräußern. Soziale Belange möchte BIM-Chefin Birgit Möhring über Verträge absichern, in denen Investoren Verpflichtungen eingehen. Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) sprach von Altlasten der früheren Verkaufspolitik. So werde in Kreuzberg das vor zehn Jahren vom Land für 2,8 Millionen Euro verkaufte Grundstück Lausitzer Straße 10–11 nun für 20 Millionen weitergereicht. Und auf dem Mauerstreifen an der Spree werde wohl ein neungeschossiger Neubau der Firma Trockland entstehen, auch wenn den niemand mehr wolle. "Sie haben eine Baugenehmigung, wenn sie bauen wollen, bauen sie", so Lompscher: "Das war ein Fehler."

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