Historische Sportanlagen

Die Sanierung des Maifelds wird deutlich teurer als geplant

Kostenexplosion im Olympiapark: Allein für die Reparatur der Tribünengebäude sind statt 8,8 mehr als 20 Millionen Euro nötig.

Foto: BM

Berlin.  Die Sanierung der historischen Gebäude und Sportanlagen rund um das Olympiastadion wird deutlich teurer als geplant. Bisher hatte der Senat mit 83 Millionen Euro kalkuliert, um den denkmalgeschützten Olympiapark zu modernisieren. Darin noch nicht enthalten sind die mehr als 20 Millionen Euro für eine Erneuerung der eigentlich nicht mehr benötigten Tribünen des Olympia-Freibades. Allein die Reparatur des Tribünengebäudes am Maifeld wird erheblich teurer als bisher kalkuliert. Anstatt ursprünglich 8,8 Millionen Euro sind nun 20,7 Millionen Euro nötig. Noch im Oktober 2016 war der Senat von 15 Millionen ausgegangen.

Der Kostensprung steckt im Haushaltstitel für den Aufbau des Sportmuseums Berlin. 2009 hatte der Senat beschlossen, die umfangreichen Sammlungen unter den Maifeld-Tribünen zu Füßen des Glockenturms der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2014 gab es die ersten Planungen und Kostenschätzungen, die nun obsolet sind.

Grund sind jedoch nicht die Räume des Sportmuseums. Das Dach des gesamten Gebäudes ist undicht, vom benachbarten Erdwall sickert Wasser ein. „Um die Standsicherheit und dauerhafte Nutzung des Gebäudes zu gewährleisten, ist die Herstellung einer funktionsfähigen Dach- und Bauwerksabdichtung unabdingbar“, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Sport. Beobachter wundern sich, dass diese Probleme nicht schon bei früheren Planungsphasen aufgefallen waren, denn auch im bereits genutzten Teil des Tribünengebäudes seien die Türen wegen der Feuchtigkeit in der Luft verzogen. Das Gebäude war bis 2006 parallel zum Umbau des Olympiastadions instand gesetzt worden.

Für die Initiatoren des zum Ressort von Innen- und Sportsenator An­dreas Geisel (SPD) gehörenden Sportmuseums bedeuten die neuen Bau-schwierigkeiten noch längeres Warten. Zunächst sollte das Museum mit dem Deutschen Turnfest im Sommer 2017 eröffnen. Vor einem Jahr stellte der damalige Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) das Frühjahr 2019 in Aussicht. Auch dieser Termin werde sich verzögern, so Museumsleiterin Martina Behrendt.

SPD-Sportexperte: "Das schockt mich ein bisschen"

Für das Sportmuseum ist das ärgerlich. „Es ist ja nicht nur unser Dach“, so die Leiterin. Denn der 1936 errichtete Tribünenbau des Maifeldes westlich des Olympiastadions beherbergt neben den 1000 Quadratmetern für das Museum auch noch Umkleiden und Sanitärräume, eine Druckerhöhungsanlage sowie den Kassenbereich für den Glockenturm. Zudem ist geplant, dort ein Hertha-Museum unterzubringen. Das hätte eigentlich zum 125. Jubiläum in diesem Juli eröffnet werden sollen.

Seit zehn Jahren informiert zudem eine Sonderausstellung des Deutschen Historischen Museums über die Geschichte des Olympiageländes von 1936. Diese Schau soll ohnehin schließen, muss aber sicher abgebaut werden, wenn das Dach abgedichtet wird. Noch ist die genaue Kooperation nicht abschließend verabredet. Es wird aber daran gedacht, die Historie des Geländes in die ständige Ausstellung des Museums zu integrieren und die so freigezogenen Flächen für Sonderpräsentationen zu nutzen.

Für die Sportpolitiker im Berliner Abgeordnetenhaus bedeutet die Kostensteigerung am Maifeld eine schlechte Nachricht. „Das schockt mich ein bisschen“, sagte der Sport-Experte der SPD-Fraktion, Dennis Buchner. Und weitet den Blick über den Einzelfall der Maifest-Tribünen hinaus. „Das ist ein Kernproblem“, so der Politiker, „alles am Olympiapark wird teurer“. Solche Überraschungen werde den Senat auch an anderen Orten des Geländes einholen. Zumal auch nach einer Sanierung des Daches weitere Arbeiten am Tribünengebäude ausstehen. Seit anderthalb Jahren wird zudem diskutiert, wie es mit dem Olympiastadion, dessen möglichen Umbau zum Fußballstadion oder aber einem Neubau im Olympiapark weitergehen soll.

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