Berlin

Hostelbetreiber von "Happy Go Lucky" sucht Unterstützer

Bezirksamt ordnet an, dass die bunte Fassade übermalt wird

Der Rechtsstreit um die grelle, mit Smileys bestückte Fassade des "Happy Go Lucky"-Hostels in Charlottenburg geht in die nächste Runde. Nachdem das Bezirksamt Charlottenburg- Wilmersdorf den Eigentümer Alexander Skora aufforderte, die bunte Fassade in den kommenden Tagen zu beseitigen, wendet der sich nun an die Öffentlichkeit.

Auf seiner Hotelwebsite hat er am vergangenen Freitag eine Abstimmung über den Erhalt der Fassade angelegt, die bereits mehr als 1000 Unterstützer hat. Das entspricht 98 Prozent der Abstimmungsteilnehmer, deren grundsätzlicher Tenor, Kunst statt Bürokratie, auch in den mehr als 80 Kommentaren deutlich wird. Skora erwartet sich von der Umfrage noch viel: "Ich rechne in den nächsten Wochen mit Millionen Unterstützern."

Dabei hätte es gar nicht soweit kommen müssen. Vor einigen Monaten standen Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) und Skora mündlich vor einer Einigung, welche dann aber doch an den unterschiedlichen Vorstellungen zur Pflege der Fassade scheiterte. Das Bezirksamt habe alle paar Jahre Gutachter kommen lassen wollen, Skora wollte diese nicht bezahlen und forderte finanzielle Unterstützung vom Amt. Weiterhin wollte er sich die Möglichkeit offenhalten, die Außenfassade zu verändern. An diesen beiden Punkten scheiterte die Übereinkunft laut der schriftlichen Stellungnahme des Bezirksamtes.

Die Streitigkeiten sind nichts Neues. Schon 2012 kam es mit dem damaligen Baustadtrat Marc Schulte (SPD) zur gerichtlichen Auseinandersetzung, die Skora verlor. Er musste die Letter, die den Hotelnamen ergaben, oben an der Fassade des damals noch orangefarbenen Gebäudes wieder abnehmen. Jetzt geht es um mehr, eine von dem irischen Künstler Dom Brown aufwendig mit vielen Smileys, Herzen und anderen Zeichnungen verzierte Fassade.

Den Hostelbetreiber regt das auf: "Das Bezirksamt führt sich auf wie eine Zensurbehörde eines totalitären Staates und erinnert an Repressalien gegen Künstler in Staaten wie Nordkorea, China oder Russland."

Das Bezirksamt hingegen argumentiert mit anmeldungspflichtiger Werbung, die auch für Skora gelte. Wie schon 2012 hat das Amt nun wieder ein Klageverfahren eingeleitet, welches dieses Mal auf vollständige Beseitigung der bunten Fassade abzielt. Zehn Tage hat Skora Zeit, Einspruch einzulegen. Er kündigte an, das unverzüglich zu tun. Anders als im letzten Verfahren schätzt Skora seine Chancen deutlich höher ein: "Wir haben mit den vielen Unterstützern eine ganz andere Grundlage als letztes Mal."

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