Neue Studie

In Berlin gibt es zu wenige Erzieher für die Kleinsten

In den Berliner Krippen fehlt Personal. Bildungssenatorin Scheeres (SPD) verspricht Verbesserungen bis zum Jahr 2019.

Kinder in einer Kita

Kinder in einer Kita

Foto: A3833 Bodo Marks / dpa

Berlin. Die Kitagruppen für Kinder unter drei Jahren sind in Berlin immer noch deutlich zu groß. Das geht aus dem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann-Stiftung hervor, das am Montag veröffentlicht wurde. Jedes Jahr vergleichen die Forscher im Auftrag der Stiftung die Personalausstattung der Kitas in den Bundesländern auf Grundlage der Daten des Statistischen Bundesamtes. Dabei lag Berlin besonders weit von dem durch die Forscher definierten Idealwert entfernt.

Laut Studie kamen in Berlin im März 2016 rechnerisch 5,9 ganztags betreute Krippenkinder auf eine Erzieherin. Im Bundesdurchschnitt waren es 4,3 Kinder pro Fachkraft. Die Gruppen sind tatsächlich aber größer, da in dem Schlüssel auch Urlaub oder Vorbereitungszeiten mitberücksichtigt sind. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt bei Mädchen und Jungen unter drei Jahren einen Betreuungsschlüssel von drei Kindern pro Erzieher. Nur Baden-Württemberg erreichte diesen Wert.

Bei den Kitakindern, die älter als drei Jahre sind, sah dagegen Berlin 2016 im Vergleich zu den anderen Bundesländern ganz gut aus: Hier kamen 8,9 Kinder auf eine Fachkraft, bundesweit waren es nach Angaben der Studie 9,2 Kinder. Fast jede vierte Kitagruppe erreichte sogar die von der Stiftung empfohlene optimale Größe von sieben Kindern pro Erzieher.

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Besser als in vielen anderen Bundesländern war in Berlin auch die Betreuungsquote. Insgesamt 46 Prozent der Kinder unter drei Jahren besuchten eine Krippe. In den westlichen Bundesländern lag diese Quote mit 28 Prozent deutlich darunter, in den östlichen Ländern war der Anteil dagegen mit 53 Prozent etwas höher. Bei den Kindern ab dem dritten Lebensjahr sind bundesweit fast alle Kinder in einer Betreuung.

Würde Berlin in allen Kitagruppen den Empfehlungen der Stiftung folgen, müssten 12.100 zusätzliche Erzieher rekrutiert werden. Angesichts des derzeitigen Fachkräftemangels in allen Bundesländern wäre ein solcher Schritt jedoch nicht zu stemmen. Der Senat hatte deshalb beschlossen, die Gruppengröße für die Krippen stufenweise bis 2019 um insgesamt 1,5 Kinder abzusenken. Die erste Stufe wurde bereits 2016 umgesetzt, in diesem Kitajahr folgte die zweite Stufe. Da die Kinder unter drei Jahren häufig auch in altersgemischten Gruppen betreut werden, profitieren letztlich auch die älteren davon. Schrittweise wird zudem das Wahlversprechen der kostenlosen Kita bis 2018 umgesetzt. Und auch die Kitaleitung soll bis 2019 weiter gestärkt werden.

Der Senat setzt auch auf Quereinsteiger in den Kitas

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte, dass die Studie in diesen Punkten veraltet sei: "Kitaausbau, Qualitätsverbesserungen und Beitragsfreiheit sind für uns drei wesentliche Aufgaben. Am meisten Geld bringen wir für den massiven Ausbau der Kitaplätze auf, gefolgt von Mitteln für die Qualitätsverbesserungen. Berlin ist weiter – und wird die nächsten Verbesserungen in Angriff nehmen", sagte Scheeres.

Allein in dieser Legislaturperiode müssten 30.000 zusätzliche Kitaplätze in Berlin bereitgestellt werden, um den Rechtsanspruch auf einen Platz zu gewährleisten. Bis zum Jahr 2019/2020 müssten zusätzlich rund 4800 Vollzeitstellen für die Kitas neu hinzukommen. Dabei haben die Kitaträger schon jetzt Probleme, ihre freien Stellen zu besetzen. In einer gemeinsamen Petition hatten sich Vertreter von bezirklichen Kitabetrieben und freien Trägern mit einem Forderungskatalog an die Öffentlichkeit gewandt. "Eine erhebliche Anzahl von Plätzen ist nicht mehr belegbar, weil Fachkräfte fehlen", heißt es in der Petition, die bereits mehr als 4000 Menschen unterzeichnet haben. Sie fordern unter anderem, den Erzieherberuf attraktiver zu machen. Die Senatsverwaltung setzt vorübergehend auf mehr Quereinsteiger an Kitas, um den Mangel zu beheben.

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