Tierisches Vergnügen

Zwölf Stunden im Berliner Zoo: Was die Mitarbeiter erleben

Im Zoologischen Garten kümmern sich 500 Mitarbeiter nicht nur um die beiden Panda-Stars, sondern auch um die 19.440 anderen Bewohner.

Immer wieder ein begehrtes Schauspiel für die Besucher. Tierüflegerin Monique Scholz füttert die Robben

Immer wieder ein begehrtes Schauspiel für die Besucher. Tierüflegerin Monique Scholz füttert die Robben

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

07:12: Tierpfleger Marcus Röpke kümmert sich um die neuen Stars im Zoo: die Pandabären Meng Meng und Jiao Qing. „Man schleppt dabei vor allem sehr viel Bambus von A nach B“, scherzt Röpke. 40 Kilo futtern die Pandabären jeweils pro Tag. Danach halten sie ein ausgiebiges Verdauungsschläfchen. „Anfangs hatten wir eine Tonne Bambus aus China. Die Pandas haben aber das Bambus aus Holland bevorzugt“, erklärt Röpke. Einmal in der Woche wird eine Fuhre geliefert, die im Kühlraum bei fünf Grad und hoher Luftfeuchtigkeit gelagert wird.

08:56: Tierarzt Dr. André Schüle war heute schon bei einer Löwin und einem Rentierbock auf Visite. „Der Bock rubbelt sich gerade die Basthaut vom Geweih und stellt sich dabei nicht gerade geschickt an. Dadurch entstehen Defekte, die ein idealer Brutplatz für Fliegenmaden sind“, seufzt der Veterinär. Viele seiner Patienten würden in freier Wildbahn allerdings lange nicht so alt wie im Zoo. „Hier gibt es keine Nahrungsmittelknappheit, keine Futterkonkurrenten und Tierärzte“, sagt er und hebt im Terrarium vorsichtig eine seltene Brückenechse zum Gesundheits-Check-up hoch. Von den Maori Tuatara genannt, gab es die neuseeländischen Echsen schon vor den Dinosauriern. Sie können über 100 Jahre alt werden.

10:34: Fütterung bei den Robben. Kaum im Gehege, wird Tierpflegerin Monique Scholz von den Seehunden umringt. Nur die kleine Johanna ist im Wasser geblieben und klatscht um Aufmerksamkeit heischend mit ihren Flossen. Jeder Fisch, der in ihre Richtung fliegt, ist ihr einen akrobatischen Hechtsprung wert. Das aufgeregte Treiben lockt binnen Sekunden viele Besucher an, die ihre Kameras zücken. Was die wenigsten wissen: Seehunddame Molly ist eine Künstlerin. Dafür grundiert Monique Scholz eine Leinwand, dann schwingt Molly mit ihrer Schnauze den Pinsel.

11:28: Antje Brose beobachtet, wie es sich Elefantenbulle Viktor vor ihrem Bürofenster in seiner Kuhle gemütlich macht. Zuständig für Spenden und Patenschaft, erklärt sie: „Einen Elefanten kann sich nicht jeder leisten. Die Patenschaft liegt bei 5000 Euro.“ Favoriten für Patenschaften sind Erdmännchen, Pinguine, aber auch Eulen als Symbol für Klugheit, die vor allem zur Einschulung verschenkt werden. Patenschaften für die großen Tiere werden meist von Firmen übernommen. Heute will Antje Brose einen Paten für Giraffe Max suchen. Für 2500 Euro kein Schnäppchen, aber definitiv prestigeträchtig. Die bis zu 5,60 Meter großen Paarhufer gehören eindeutig zu den Lieblingen der bunten Tierschar.

12:43: In ihrer Mittagspause ist Pressefrau Katharina Marie Sperling in der antarktischen Biosphäre der Königspinguine. Sie hält sich über alles auf dem Laufenden, das in Zoo, Tierpark und Aquarium geschieht, hält Kontakt zu Pflegern und Kuratoren. So kann sie der Presse, aber auch den Besuchern über soziale Medien immer die neuesten Tier-Geschichten anbieten. Nachwuchs und Jungtiere sind besonders gefragt. „Seit anderthalb Jahren arbeiten wir auch daran, die Beschilderung an den Gehegen zu modernisieren, um die Faszination der Tiere noch deutlicher zu machen“, verrät die studierte Biologin.

13:39: Ruben Gralki balanciert gekonnt am Rande des Schimpansengeheges. Vor ihm hinter dem Zaun sitzen die fünf Affen aufgereiht, schnappen nach Äpfeln und Erdnüssen. Dabei halten sie sich streng an die Rangordnung. Kalle, der Chef-Schimpanse, krallt sich die meisten Früchte. „Die Schimpansen bekommen vier Hauptmahlzeiten und zwei Nebenmahlzeiten pro Tag. Einmal am Tag sind wir dabei nah am Tier zur Kontrolle“, erklärt der Tierpfleger für Menschenaffen. Aus Sicherheitsgründen ist bei der Kontaktaufnahme immer ein Gitter zwischen Tier und Mensch. Zudem möchte der Zoo keine Bilder mehr von Kuschel- und Streicheltieren vermitteln, sondern die Tiere in einer möglichst natürlichen Umgebung zeigen.

15:05: In der „Berliner Zooschule“ nutzt Leiterin Ulrike Barnett die Ferienzeit, um neue Strategien zu entwickeln. „Wir sind die pädagogische Einrichtung des Zoos und geben Wissen an die Besucher weiter, informieren über Artenschutz und vieles mehr. Das wollen wir möglichst spannend und kreativ gestalten, wie auch unsere Führungen“, erzählt sie. Im Klassenraum erhalten bald wieder Schulklassen Einführungen vor dem Zoo-Rundgang. „Viele Stadtkinder haben keinen Zugang zur Natur“, weiß Ulrike Barnett. Mit lustigen Folgen. Als eine Fünfjährige die Elefanten beim Begatten sah, rief sieh: „Schaut mal! Die bauen einen Turm!“

17:13: Klaus Marquardt, Revierleiter bei den Reptilien im Aquarium, ist sichtlich zufrieden. Heute wurde die Krokodilhalle gesäubert. „Wasser ablassen, reinigen, abspritzen“, bringt Marquardt das Prozedere auf den Punkt. Und er räumt mit einem alten Vorurteil auf: „Krokodile fressen keine Unmengen. Unsere Ganges-Gaviale etwa werden Dienstag und Freitag mit ein paar Fischen gefüttert.“ Zu erleben bei den kommentierten Fütterungen um 11 Uhr. Jetzt kümmert sich Marquardt erst einmal um das Terrarium mit den streng geschützten, seltenen Strahlenschildkröten. Eine aus Madagaskar stammende Schildkrötenart, die über 100 Jahre alt werden kann.

18:49: Zoodirektor Andreas Knieriem ist eigentlich Tierarzt und würde gern mehr Zeit mit den Tieren verbringen. Doch momentan gibt es viele Projekte und Bauvorhaben, die den Zoodirektor ans Büro binden. Der Direktor will den Zoo stärker in die Forschung einbinden, vernetzt ihn daher mit Instituten und Universitäten. Zudem ist Andreas Knieriem zuständig für Zoo, Tierpark und Aquarium und damit Chef von etwa 500 Mitarbeitern. Der 33 Hektar große Zoo ist der älteste Tierpark Deutschlands und zudem auch der artenreichste der Welt. Aktuell locken an 365 Tagen 1363 Tierarten und insgesamt 19.442 Tieren pro Jahr 3,2 Millionen Besucher in den Zoo. Der Direktor möchte, dass sie den Bezug zur Natur nicht verlieren und sich auf die Tiere konzentrieren. Daran arbeitet er. Nur gut, dass sein Heimweg nach einem langen Arbeitstag recht kurz ist. Andreas Knieriem lebt mit Frau und Tochter über dem Aquarium.

Zoologischer Garten, Hardenbergplatz 8, Charlottenburg, Tel. 25 40 10, Öffnungszeiten bis 24.9. 9–18.30 Uhr, 25.9. bis 29.10. 9–18 Uhr, 30.10. bis 31.12. 9–16.30 Uhr, 24.12. 9–14 Uhr, Infos unter www.zoo-berlin.de

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