Kommentar

Berliner Festival: Warum die BDS-Kampagne Arabern schadet

Künstler werden unter Druck gesetzt, um Hetze zu betreiben. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr, meint Martin Niewendick.

BDS-Aktivisten in Aktion

BDS-Aktivisten in Aktion

Foto: Maxine Bacanji

Es kommt eher selten vor, dass sich Politiker von Linken bis CDU einig sind. Im Falle des Boykott-Aufrufs gegen das Berliner Pop-Kultur-Festival, das am Mittwoch startete, war es mal wieder soweit. Sowohl Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) fanden deutliche Worte gegenüber der von Experten als antisemitisch eingestuften „BDS“-Organisation, die die teilnehmenden Bands zur Absage aufgerufen hatte. „Widerlich“, sagt Lederer, „unerträglich“, findet Grütters. Zur Erinnerung: Es geht um einen Reisekostenzuschuss von 500 Euro, den die israelische Botschaft einer Künstlerin gewährt.

Die BDS-Kampagne hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren. In Berlin sieht das dann häufig so aus, dass ein versprengtes Grüppchen vor der Kaufhof-Filiale am Alex herumsteht und mit Schildern gegen den Kauf von Sodastream-Geräten agitiert. Dabei handele es sich um ein „ethisch nicht vertretbares Produkt, denn es profitiert vom Landraub, der Ausbeutung von Ressourcen und den Menschen – und Völkerrechtsverletzungen der israelischen Besatzung“, lässt „BDS Berlin“ wissen. Der Grund: Die Sprudelmaschine wurde jahrelang im Westjordanland hergestellt.

Dass 500 der 1300 Mitarbeiter Palästinenser waren, die dort Löhne und Arbeitsbedingungen vorfanden, von denen sie in den Palästinensergebieten nur träumen können, stört die Aktivisten nicht. Womit wir beim Thema sind.

"Wären sie nach Berlin gereist, wäre ihre Karriere erledigt"

Der BDS-Organisation geht es nicht um den Kampf für die Palästinenser, sondern um den Kampf gegen Israel. Palästinenser und Araber sind dabei lediglich propagandistische Manövriermasse. Die angeblich propalästinensische Bewegung handelt gegen die Interessen der Palästinenser.

Das wird auch im Falle des Pop-Kultur-Festivals in Prenzlauer Berg deutlich. In dankenswerter Offenheit hat dies der Manager einer ägyptischen Band, die ihre Teilnahme zurückgezogen hat, dargelegt. Die „taz“ zitiert: „Sie haben ihre Teilnahme abgesagt, weil die Band ‚95 Prozent ihrer Einnahmen in Kairo‘ erziele und sie dadurch ‚massivem Druck durch die einheimischen Medien und über soziale Netzwerke ausgesetzt‘ sei. Wären sie nach Berlin gereist, wäre ‚ihre Karriere in Ägypten und anderen Ländern der Region wahrscheinlich bis auf weiteres erledigt‘.“

Hier wird eine perfide Strategie der BDSler deutlich. Die Aktivisten lancieren eine öffentlichkeitswirksame Kampagne mit der nicht etwa die Organisatoren einer Veranstaltung unter Druck gesetzt werden, sondern diejenigen, in deren Namen man angeblich handelt. Frei nach dem Motto: Wenn du dich unserem Druck nicht beugst, ist deine Karriere vorbei. Dass vor allem arabische Bands von den BDS-Leuten zu einer Absage gedrängt wurden, passt dabei nur allzu gut ins Bild. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Bei den vermeintlich „Guten“, bleibt oft das linke Auge blind

Klar folgen viele dem Boykott-Aufruf aus völlig freien Stücken. Die Organisation arbeitet durch ihre undifferenzierte Hetze, die Kultursenator Klaus Lederer in seinem Statement zum Pop-Kultur-Festival völlig zurecht als "Fake News" bezeichnet, allerdings kräftig daran mit, dass das Bild Israels ein negatives bleibt.

Auf der Straße, etwa vor Kaufhof, mag es sich bei BDS um ein kleines Grüppchen handeln. Auch im Falle der Pöbelei während eines Vortrages einer israelischen Politikerin und einer Holocaust-Überlebenden waren es nur drei Aktivisten. Ihr Propaganda-Effekt ist allerdings enorm. Denn Israel-Feindschaft und ein latenter Antisemitismus fällt in Deutschland leider immer noch auf fruchtbaren Boden, übrigens sowohl bei Biografiedeutschen, als auch bei Menschen mit muslimisch-arabischem Hintergrund.

Die Zivilgesellschaft ist recht schnell zu mobilisieren, wenn rechte Judenhasser aufmarschieren. Bei den vermeintlich „Guten“, bleibt das linke Auge oft blind. Die Entschiedenheit, mit der Politiker von CDU bis Linke nun Front gegen den BDS in Berlin machen, könnte ein Anfang sein, diesen Umstand zu ändern. Auch im Sinne der Araber und Palästinenser.

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