Rattenbekämpfung

Rattenplage in Berlin: Gefahr auf dem Spielplatz

Immer mehr öffentliche Plätze in Berlin sind von Ratten befallen. Das führt zu wochenlangen Sperrungen zur Schädlingsbekämpfung.

Der Spielplatz im Grünzug an der Panke in Wedding bleibt wegen Rattenbefalls für einige Wochen geschlossen

Der Spielplatz im Grünzug an der Panke in Wedding bleibt wegen Rattenbefalls für einige Wochen geschlossen

Foto: Jörg Krauthöfer

Sie fiepsen, fauchen und fressen sich durch ganz Berlin. Immer wieder sind Spielplätze, Gebäude oder Parks von Ratten befallen. Bereits im vergangenen Jahr mussten mehrere Spielplätze vorübergehend geschlossen werden, weil Giftköder ausgelegt oder Fallen aufgestellt wurden.

Besonders häufig traf es Mitte, beispielsweise an der Drontheimer Straße in Gesundbrunnen oder am Leopoldplatz in Wedding. Zuletzt informierte das Bezirksamt über die temporäre Schließung des Spielplatzes im Grünzug an der Panke an der Gerichtstraße. Seit Montag ist er nun gesperrt, voraussichtlich für vier bis sechs Wochen.

Auch der Bezirk Neukölln hat immer wieder mit Rattenbefall zu kämpfen. So musste in diesem Jahr bereits der Spielplatz an der Anzengruber Straße von Kammerjägern aufgesucht werden. Eine Sperrung war aber nicht notwendig. Voriges Jahr brachten die Tiere am Rudower Dorfteich gar einen ganzen Gehweg zum Absacken. Susanne Wein, Pressesprecherin des Bezirksamts Neukölln, bestätigt: "Insbesondere in den Grünanlagen im Norden gehört die Rattenbekämpfung zu den regelmäßigen Aufgaben. Im Süden gibt es vereinzelt Vorkommnisse, die ebenfalls sofort bekämpft werden."

Stadtweit ist die Zahl der Rattenbekämpfungsmaßnahmen in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Wurden 2014 noch rund 7500 Aktionen durchgeführt, waren es ein Jahr später mehr als 8500. 2016 registrierte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sogar rund 9100 Fälle.

Ein Rattenbefall muss gemeldet werden

Gibt es also immer mehr Ratten in der Hauptstadt? Silvia Kostner, Pressesprecherin des Lageso, verneint. Aus dem Anstieg der Zahlen zu Bekämpfungsmaßnahmen lasse sich nicht schließen, dass über die Jahre auch mehr Nager in der Stadt unterwegs seien. Vielmehr wird vermutet, dass die höheren Zahlen mit dem Inkrafttreten der Berliner Schädlingsbekämpfungsverordnung im Jahr 2011 zusammenhingen.

Seitdem müssen Verantwortliche wie Hauseigentümer, Hausverwalter und Grundstücksbesitzer einen Rattenbefall dem zuständigen Gesundheitsamt melden und eine Fachkraft mit der Beseitigung der Tiere beauftragen. Bei öffentlichen Grünflächen empfiehlt Silvia Kostner: "Die Bürger müssen nicht, aber sollten Ratten bei dem zuständigen Gesundheitsamt melden, wenn sie sie sehen."

Wasserbetriebe schätzen Zahl der Ratten auf 2,2 Millionen

Während das Lageso keine Angaben zur Gesamtzahl der Ratten in Berlin machen kann, vermuten die Berliner Wasserbetriebe, dass es in der Stadt rund 2,2 Millionen Nager gibt. Die Kanalisation benutzen die Tiere vor allem als Transportweg. "Ratten leben in Brachen, wo es sandig ist, deshalb sind beispielsweise auch Spielplätze Rückzugsorte für sie", sagt Astrid Hackenesch-Rump, Pressesprecherin der Berliner Wasserbetriebe.

Wo Baustellen sind, gebe es daher in der Regel auch einen Anstieg an Rattensichtungen. Vermutet man auch in der Kanalisation Tiere, werden die Berliner Wasserbetriebe eingeschaltet. Ebenso wie an der Oberfläche rücken professionelle Schädlingsbekämpfer dann mit Giftködern und sensorgestützten Fallen an.

Schließlich können Ratten ernsthafte gesundheitliche Schäden hervorrufen. So heißt es aus dem Gesundheitsamt Neukölln: "Ratten übertragen durch Ausscheiden von Kot, Urin und Speichel Krankheitserreger auf Gegenstände und Lebensmittel, die dann durch Haut- beziehungsweise Schleimhautkontakt oder durch die direkte Aufnahme von Lebensmitteln auf den Menschen übertragen werden können." Die Tiere würden auch Parasiten wie Flöhe, Milben, Läuse oder Zecken auf den Menschen oder in dessen Wohnungen übertragen. Hinzu kommt: Durch Nageschäden können Ratten große materielle Schäden anrichten und Lebensmittelbestände vernichten.

So lassen sich die Nager fernhalten

Aber wie lassen sich die Tiere fernhalten? Yasin Sahin, Geschäftsführer der Adler Hygieneservice GmbH, die berlinweit Schädlingsbekämpfungen vornimmt, rät: "In öffentlichen Parks sollte man den Müll ordentlich entsorgen und Lebensmittel nicht wahllos in den Grünanlagen liegen lassen. Das gleiche gilt für Papierreste und Kartons, die die Ratten für ihre Nester verwenden."

Hauseigentümern empfiehlt er Rückstauklappen oder Rattentrichter zu installieren, die verhindern, dass Tiere durch die Kanalisation in Gebäude gelangen. Ob auch die Berliner Polizei sich diese Tipps immer zu Herzen nimmt? Immerhin gab es den wohl kuriosesten Fall von Rattenbefall Anfang 2016 im Polizeigebäude am Platz der Luftbrücke. Damals legten die Tiere kurzzeitig den Betrieb des Arbeitsraumes der Auskunfts- und Fahndungsstelle lahm.

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