Holocaust-Überlebende

Michael Müller würdigt Inge Deutschkron als Vorbild

Ihre Lebensaufgabe sei die Erzählung ihrer Lebensgeschichte in verschiedenen Medien und in persönlichen Begegnungen.

Foto: Anna Weise / picture alliance / ROPI

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat die jüdische Autorin und Journalistin Inge Deutschkron als Vorbild für Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus gewürdigt. "Für alle Zukunft wird unsere Gesellschaft auf das Lebenswerk von Menschen wie Inge Deutschkron zählen, um unser Zusammenleben in Demokratie, Freiheit und Toleranz zu verteidigen gegen die immer wiederkehrenden Herausforderungen von Antisemitismus, Rassismus, Hass, Gewalt und der vielfältigen Formen des alten und neuen Rechtsradikalismus", betonte Müller am Montag in Berlin. Anlass für die Würdigung ist der 95. Geburtstag der Schriftstellerin am Mittwoch.

Deutschkrons Lebensaufgabe sei die Erzählung ihrer Lebensgeschichte in Büchern, Gesprächen, Interviews, persönlichen Begegnungen und in den Medien, betonte Müller: "Sie hat in ihrer Jugend im nationalsozialistischen Berlin Verfolgung erlitten, sie hat die Menschenverachtung und den mörderischen Terror dieses Regimes in unserer Stadt mit Leib und Seele gespürt."

Lebendige Erinnerung an diese Epoche deutscher Geschichte sei unverzichtbar, um die Rückkehr des Unrechts immer wieder zu verhindern, sagte Müller weiter. Berlin verdanke Deutschkron zudem das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt und die Gedenkstätte Stille Helden.

Die Autorin wurde 1922 als Tochter jüdischer Eltern im brandenburgischen Finsterwalde geboren. Ihr Vater, ein sozialdemokratischer Gymnasiallehrer, konnte 1939 nach England fliehen, während seine Frau und seine Tochter zurückbleiben mussten. Beide waren in der Blindenwerkstatt Otto Weidt in Berlin-Mitte tätig und lebten später bis Kriegsende im Untergrund. Seit 1992 lebt Deutschkron als Schriftstellerin in Tel Aviv und Berlin. Sie wurde bereits häufig geehrt. Das Bundesverdienstkreuz hat sie allerdings mehrfach abgelehnt, weil in den 50er-Jahren viele Altnazis damit ausgezeichnet worden seien.

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