Luftverkehr

Air Berlin: Zypries für Stärkung der Lufthansa

| Lesedauer: 2 Minuten
Lorenz Vossen

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Gespräche über Zukunft der Gesellschaft laufen. Ein Gläubiger will versuchen, die Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern.

Mit widersprüchlichen Äußerungen zur Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin hat das Bundeswirtschaftsministerium für Verwirrung gesorgt. Die Ministerin Brigitte Zypries plädierte für eine Stärkung des deutschen Marktführers Lufthansa. „Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt“, sagte die SPD-Politikerin dem „Handelsblatt“. Die Lufthansa sei „ein Champion im Luftverkehr“, sagte Zypries und verwendete damit denselben Begriff wie zuvor Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Montag vor Journalisten in Berlin, entscheidend sei, dass am Ende der Verhandlungen eine wettbewerblich abgesicherte Lösung im Interesse der Air-Berlin-Beschäftigten herauskomme: „Wir sind weder für noch gegen einen bestimmten Interessenten.“ Zum Stand der Verkaufsverhandlungen für Air Berlin gab es zunächst keine neuen Erkenntnisse. Seit Freitag laufen Gespräche zwischen Air Berlin und Lufthansa. Inwieweit andere Interessenten darin bereits eingebunden waren, blieb ungeklärt. Außer der Lufthansa gelten die britische Billiglinie Easyjet, Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor als aussichtsreichste Kandidaten.

Falscher Grund für die Gewährung des Überbrückungskredits

Ein Air-Berlin-Gläubiger will versuchen, die Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern. Sein Anwalt wirft dem Bundeswirtschaftsministerium in einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, „vorsätzliche Falschmeldung“ vor. Das Bundeswirtschafts- als auch das Bundesverkehrsministerium hätten einen falschen Grund für die Gewährung des Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro an die insolvente Fluglinie gegeben.

Darin hieß es: „Auf Grund der damit verbundenen insolvenzrechtlichen Regelungen wäre Air Berlin verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb unmittelbar nach Einreichung des Insolvenzantrages einzustellen.“ Um diesen aufrechtzuerhalten, habe man den Kredit gewährt. Diese Begründung sei falsch, heißt es in dem Brief einer Anwaltskanzlei, die den Air-Berlin-Gläubiger vertritt. Denn diese Einschätzung widerspreche dem insolvenzrechtlichen Gedanken. Danach müsse ein Geschäftsbetrieb bis zur tatsächlichen Eröffnung einer Insolvenz fortgeführt werden. Die Vergabe des Übergangskredits sei auch unzulässig, weil die EU-Kommission nicht rechtzeitig davon unterrichtet worden sei.

Unterdessen ist Zukunft des Air-Berlin-Vielfliegerprogramms Topbonus weiterhin unklar. Seit Sonnabend können Kunden keine Meilen mehr sammeln, sie bereits seit einer Woche nicht mehr einlösen. Eine Etihad-Sprecherin sagte auf Morgenpost-Anfrage, man müsse weiter warten, bis Klarheit über die Situation bei Air Berlin herrsche. (mit dpa)