Terrorismus

Terror in Barcelona: Trauer, Mitgefühl und Blumen in Berlin

Das Vorgehen bei dem Terroranschlag in Spanien ähnelte dem des Berliner Terroristen Amri frappierend. Die Zahl der Toten war ähnlich hoch. Auch Berliner Politiker fühlten sich an den Anschlag kurz vor Weihnachten erinnert.

Blumen stecken in Berlin am Zaun vor der Spanischen Botschaft.

Blumen stecken in Berlin am Zaun vor der Spanischen Botschaft.

Foto: dpa

Berlin. Am Tag nach dem islamistischen Terroranschlag in Barcelona waren auch in Berlin erste Trauerbekundungen zu sehen. Auf dem Reichstagsgebäude und an Bundesbehörden wehten die Fahnen auf halbmast. Auch vor allen Gebäuden, die von Dienststellen und Einrichtungen des Landes Berlin benutzt werden, wurden Flaggen auf halbmast gesetzt. Das ordnete Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag an. Er erklärte: "Wir sind zutiefst bestürzt über den Anschlag in Barcelona. Ich spreche allen Angehörigen der Opfer mein tiefes Beileid aus. Berlin trauert mit Barcelona."

Trauerbekundungen gab es auch an der spanischen Botschaft am Rande des Tiergartens. Ein Besucher hatte weiße Blumen und ein silbernes Kreuz in den Zaun vor der Botschaft gesteckt. An der Gedächtniskirche, wo vor fast genau neun Monaten der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem Laster zahlreiche Menschen getötet hatte, hing zwischen Kerzen und Kreuzen eine Flagge der spanischen Region Katalonien, deren Hauptstadt Barcelona ist.

Das Brandenburger Tor wurde allerdings nicht in den spanischen Farben beleuchtet. Der Senat hatte beschlossen, diese symbolische Beleuchtung nur noch bei Unglücken oder Anschlägen in Partnerstädten Berlins anzuschalten.

Nach Einschätzung der Berliner Polizei sind die Sicherheitsvorkehrungen gegen Terrorismus auch nach dem Terroranschlag in Barcelona ausreichend hoch. Ein Polizeisprecher sagte: "Selbstverständlich wird nach den Vorgängen in Barcelona bei der Bewertung der Sicherheitslage in Berlin die neue Situation berücksichtigt. Derzeit liegen aber keine Hinweise auf konkrete Gefahren vor. Wir werden dementsprechend die Sicherheitsvorkehrungen auf hohem Niveau halten."

In dieser Form hatten sich die Polizei und auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) im laufenden Jahr immer wieder geäußert. Gerade nach dem Terroranschlag im Dezember auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche war immer wieder die Frage nach dem Schutz öffentlicher Straßen und Plätze gestellt worden. Zum Teil wurden Betonpoller aufgestellt.

Die Grünen forderten verstärkte Maßnahmen zum Schutz der europäischen Großstädte vor Terroristen. Dazu sollten die Städte zusammenarbeiten, erklärten die beiden Fraktionsvorsitzenden Antje Kapek und Silke Gebel. "Wir brauchen eine Debatte der europäischen Großstädte über eine effektive Terrorabwehr, denn keine Stadt steht damit allein da - das haben Nizza, Berlin und London bereits gezeigt." Gleichzeitig betonten sie: "Das sollte aber nicht zum sinnlosen Beschneiden von Bürger- und Freiheitsrechten führen."

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja betonte: "Dieser Akt des Terrors trifft nicht nur diese stolze Stadt, sondern ganz Europa. Vor allem bei uns in Berlin droht er alte Narben aufzureißen. Doch ob Berlin oder Barcelona, Brüssel oder Paris: unsere Gesellschaft ist stärker als dieser menschenverachtende und freiheitshassende Terrorismus."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte den Opfern des Terroranschlags bereits am Donnerstagabend sein Beileid und Mitgefühl ausgesprochen. "Hier in Berlin leben viele Spanierinnen und Spanier, die mit den Berlinerinnen und Berlinern zusammen um die Opfer trauern", erklärte Müller. "Aber wir lassen uns gemeinsam, ob in Barcelona oder London, Paris oder Berlin und in ganz Europa nicht die Freiheit unserer Lebensart nehmen."

Vor fast genau acht Monaten war Berlin Schauplatz eines ähnlichen Terroranschlags. Damals hatte der 24-jährige Tunesier Anis Amri einen entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert. 12 Menschen starben, fast 70 wurden verletzt.

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