Nahverkehr in Berlin

Bauarbeiten am Ostkreuz gehen in den Endspurt

Der Umbau von Berlins wichtigstem Nahverkehrsknoten steht vor dem Abschluss. Ab 21. August fährt die S-Bahn wieder.

An dem Verkehrsknotenpunkt mussten auch neue Schienen verlegt werden

An dem Verkehrsknotenpunkt mussten auch neue Schienen verlegt werden

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Seit 2006 schon wird am Ostkreuz gebaut – und damit ziemlich genau so lange wie am BER in Schönefeld. Doch anders als am neuen Hauptstadtairport gibt es für den wohl wichtigsten Bahnhof im Berliner Nahverkehrsnetz ein konkretes Startdatum. Am 9. Dezember soll die Station, die bei laufendem Betrieb fast komplett erneuert und umgebaut wurde, ihren vollen Betrieb aufnehmen. Zumindest fast: Der Bahnsteig für Verbindungen auf der sogenannten Ostbahn (Richtung Strausberg und Küstrin), mit dessen Bau gerade erst begonnen wird, steht erst ein Jahr später zur Verfügung. Am Ende des Umbaus werden Züge von je acht S-Bahn- sowie Regionalbahnlinien am Ostkreuz halten. Mit mehr als 1500 Zugstopps am Tag gilt es schon heute als der am meisten frequentierte Bahnhof Deutschlands. Mehr als 100.000 Fahrgäste steigen hier ein, aus oder um.

Zurzeit herrscht am Ostkreuz noch Chaos

Derzeit gleicht der Kreuzungsbahnhof allerdings noch einer wuseligen Mega-Baustelle. Fast überall stehen Hinweisschilder mit teils kryptischen Umleitungsempfehlungen. Dazu kommen im Minutentakt Lautsprecherdurchsagen, in denen die Reisenden auf Einschränkungen "aufgrund von Bauarbeiten" sowie die Abfahrt von Bussen im Schienenersatzverkehr (etwa in Richtung Lichtenberg) oder den S-Bahn-Pendelverkehr (zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof) hingewiesen werden. "Wir sind in der heißen Phase unseres Endspurts", erklärte Projektleiter Christian Welzel die vielen aktuellen Unannehmlichkeiten. Doch er konnte am Mittwoch bei einem Baustellenrundgang auch eine optimistisch stimmende Botschaft verkünden: "Ich will das gute Gefühl vermitteln, dass wir alle geplanten Arbeiten bis zum 21. August abschließen können." Nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Denn der Starkregen der vergangenen Wochen hatte auch die Arbeiten am Ostkreuz massiv behindert. Ablaufpläne mussten kurzfristig umgestellt werden. "Inzwischen liegen wir wieder taggenau im Plan", verkündete Projektchef Welzel.

Wechsel vom Linienbetrieb auf den Richtungsverkehr

Der 21. August ist für die Deutsche Bahn eine weitere Zäsur beim rund eine halbe Milliarde Euro teuren Umbau des Ostkreuzes. An diesem Tag soll, so heißt es im Eisenbahnerdeutsch, die Umstellung vom Linien- auf den Richtungsbetrieb vollzogen werden. Konkret heißt das: Halten bislang die Züge der S3 an dem einen Bahnsteig und die der Linien S5, S7 und S75 an dem anderen, so werden ab 21. August alle stadteinwärts fahrenden Züge am Bahnsteig D und alle stadtauswärts verkehrenden Züge am alten Erkner-Bahnsteig E stoppen. Der große Vorteil für die Fahrgäste: Das Umsteigen wird für sie einfacher, weil der nächste Zug zur Weiterfahrt in den allermeisten Fällen am selben Bahnsteig einfährt.

Freuen können sich dann auch die Nutzer der S3. Nach fast sechs Jahren Inselbetrieb enden die S-Bahn-Fahrten aus Erkner oder Friedrichshagen nicht mehr am Ostkreuz. Die Züge können wieder in die Innenstadt durchfahren. Ab 21. August bis Westkreuz, zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember wird die Linie dann bis Spandau verlängert.

Am 21. August wird auch der Bahnsteig A und das neue Empfangsgebäude am S-Bahnhof Warschauer Straße in Betrieb genommen. Das Gebäude mit dem markanten Stahlträgerdach indes nur als Provisorium. Ob die Fahrtreppe dann schon in Betrieb geht, ist fraglich. Der Aufzug wird frühestens im Dezember fahren. Auch die Geschäfte sind noch nicht geöffnet. "Wir bleiben noch längere Zeit eine Baustelle", sagte Projektleiter Jo Draheim. Zerschlagen hat sich die Hoffnung vieler Fahrgäste, dass die Station eine Toilette haben wird. Den Bahnhof nutzen täglich bis zu 85.000 Reisende, darunter viele Besucher der Party-Locations im Umfeld. Anwohner klagen nicht nur über den florierenden Drogenhandel und häufige Taschendiebstähle, sondern eben auch über den stechenden Uringeruch in vielen Hauseingängen.

Anfangs war im Bahnhof auch eine offen zugängliche Toilette vorgesehen, denn an der Giebelseite wollte eine Fastfood-Kette ein Filiale einrichten. Doch daraus wurde nichts, nun zieht dort ein Lebensmittelmarkt ein. Und der benötigt nur Toiletten für seine Mitarbeiter. Der Bahnsteig B am S-Bahnhof wird nun auch erneuert, in Betrieb genommen wird er aber erst im Dezember 2018.

Vorher will die Bahn aber schon mal das neue Ostkreuz feiern: Mit einem Bahnhofstag am 7. Oktober.

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