Tödlicher Unfall

LKW-Fahrer überrollt Seniorin - 2700 Euro Strafe

Ein LKW-Fahrer verletzte in Neukölln beim Abbiegen eine Radfahrerin tödlich. Der Richter spricht von „einer menschlichen Tragödie.“

Der LKW-Fahrer muss nach dem Unfall eine Geldstrafe von 2700 Euro bezahlen

Der LKW-Fahrer muss nach dem Unfall eine Geldstrafe von 2700 Euro bezahlen

Foto: imago/ McPHOTO

Der 82-jährige Gerhard M. wird nach dem Prozess wieder allein in seiner Wohnung sitzen und mit dem Schicksal hadern. Der Prozess vor einem Moabiter Verkehrsrichter hat ihm nicht geholfen. Er weint, als am Mittwoch das Urteil gesprochen wird: 2700 Euro für den 57 Jahre alten Kraftfahrer Ralf F. wegen fahrlässiger Tötung.

Getötet wurde Gerhard M.s Frau Bärbel, mit der er 36 Jahre verheiratet war. Die 76-Jährige fuhr am 28. November vergangenen Jahres mit ihrem Fahrrad auf der im Ortsteil Britz auf dem Buckower Damm. Von rechts, aus der Gutschmidtstraße, kam Ralf F. mit seinem LKW. Vor Gericht beteuert er, dass er die Radfahrerin nicht gesehen habe. Der LKW touchierte beim Rechtsabbiegen das Fahrrad. Bärbel F. stürzte, wurde von einem hinteren Reifen überrollt und war sofort tot.

Eine Zeugin berichtet vor Gericht, dass "beide ganz normal gefahren" seien. "Ich habe noch gedacht: einer von den beiden müsste jetzt mal anhalten", erinnert sich die 42-Jährige. Als sie kurz darauf Bärbel M. auf der Straße liegen sah, stand sie unter Schock. Auch jetzt ist sie noch sichtlich beeindruckt von dem, was sie erlebte.

Seit 32 Jahren Berufskraftfahrer

Ralf F. hat Gerhard M. nach dem Unfall einen Brief geschrieben und beteuert, wie sehr ihm das alle leid tue. Er ist seit 32 Jahren Berufskraftfahrer, hat keine Vorstrafe und auch keinen Eintrag in der Flensburger Punktekartei.

Ralf F.s Verteidiger sieht - wie zuvor der Staatsanwalt - eine Fahrlässigkeit bei seinem Mandanten. F. hätte sich, bevor er losfuhr, vergewissern müssen, ob die Straße wirklich frei ist. Aber es sei auch bekannt, wie begrenzt das Sichtfeld für LKW-Fahrer sei. Hier sei auch die Politik gefragt, so der Anwalt. Über Feinstaubplaketten und Ausländermaut würde trefflich diskutiert. Thema könnten genauso auch verpflichtende Assistenzsysteme sein, wie sie in PKW oft schon üblich sind.

"Menschliche Tragödie"

Verkehrsrichter André Muhmood spricht in seiner Urteilsbegründung von einer "menschlichen Tragödie" und einer "minimalen Unachtsamkeit". Letztlich handele es sich natürlich um Fahrlässigkeit, die den Tod eines anderen Menschen verursachte. Aber niemand könne ausschließen, dass ihm nicht auch so etwas passiere. "Der Angeklagte ist kein schlechter Mensch und auch kein gewissenloser Kraftfahrer", so der Richter. Jeder, der sich im Straßenverkehr bewegt, habe schon einmal einen anderen Verkehrsteilnehmer übersehen. Muhmood richtet sich dann auch direkt an Gerhard M.: "Es wäre sicher der Wunsch Ihrer Frau, dass Sie jetzt nicht verzweifeln. Den Gefallen sollten sie ihr tun."

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