Berlin

Ryanair sponsert FDP-Plakate für Tegel-Abstimmung

Die SPD kritisierte das Sponsoring scharf: die FDP suche sich Partner aus der Wirtschaft, die ureigene Interessen verfolgten.

Ryanair Ceo Michael O'Leary während einer Pressekonferenz in Rom

Ryanair Ceo Michael O'Leary während einer Pressekonferenz in Rom

Foto: SIPA PRESS / action press

Für die Berliner FDP ist der Volksentscheid zur Zukunft des Flughafens Tegel am 24. September mindestens ebenso wichtig wie die am selben Tag stattfindende Bundestagswahl. Das wird schon an dem einzigen Wahlplakatmotiv deutlich, das ihren Spitzenkandidaten Christoph Meyer zeigt. Es trägt die Botschaft „Tegelretter“. Auch von den 450 Großplakaten, die die FDP im Rahmen ihrer Kampagne aufstellen will, widmen sich rund 100 der Flughafenfrage. Das Besondere: Sie werden von der irischen Fluggesellschaft Ryanair gesponsert.

Die Airline unterstützt finanziell den Wahlkampf der Befürworter eines Weiterbetriebs des Flughafens. „Ryanair ist ein Partner aus der Wirtschaft, der sich hier einbringt“, sagte FDP-Generalsekretär Sebastian Czaja am Dienstagabend bei einer Veranstaltung seiner Partei. „Es wird weitere Partner geben, die sich auf andere Weise engagieren“, ergänzte er. Auf diesen Plakaten werde nicht das Logo der FDP, sondern lediglich das des Bündnisses „Berlin braucht Tegel“ erscheinen, erläuterte Czaja. Allerdings ist die liberale Partei der wesentliche Akteur des Bündnisses, was etwa bei einem Blick auf die Webseite des Bündnisses schnell klar wird.

SPD wirft den Liberalen „Profilierungswahn“ vor

Die SPD kritisierte das Sponsoring scharf. „Die FDP sucht sich Partner aus der Wirtschaft, die ureigene finanzielle Interessen verfolgen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Jörg Stroedter. „Die FDP lässt in ihrem Profilierungswahn keinen Skandal aus, um das Ergebnis des Volksentscheids Tegel zu beeinflussen. Nach der unrühmlichen Werbeaktion eines Autovermieters will nun gezielt eine Billigfluglinie ins Sponsoring einsteigen, die von einem möglichen positiven Ergebnis des Volksentscheids profitieren würde“, so Stroedter.

Die Berliner FDP hofft, am 24. September von einer zusätzlichen Wählermobilisierung durch den Volksentscheid zu profitieren. Es werde im Wahlkampf aber „ganz klar rechtlich getrennt“ zwischen der Wahlwerbung für den Bundestag und dem Volksentscheid, betonte Christoph Meyer. Bei den Plakatmotiven für die Parlamentswahl setzt die Partei fast ausschließlich auf ihren Spitzenmann im Bund, Christian Lindner. Themen sind unter anderem Digitalisierung und Bildung. Meyer gab die Parole aus, das Berliner Wahlergebnis solle nicht unter dem Bundestrend liegen. Er hofft auf zwei bis drei Sitze im Bundestag für den Landesverband. In der Vergangenheit schnitt die FDP in der Hauptstadt etwas schlechter ab als insgesamt in der Republik. Den Liberalen wird in Umfragen zugetraut, sieben bis acht Prozent der Wählerstimmen zu holen.

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