Kompromiss

Großteil der Altglastonnen in Berlins Höfen darf bleiben

Die Tonnen bleiben in den Höfen, aber nicht alle - etwa 30.000 von 90.000 sollen verschwinden, so der Kompromiss.

Ein Haufen Altglasflaschen (Archivbild)

Ein Haufen Altglasflaschen (Archivbild)

Foto: picture-alliance/ ZB / picture-alliance/ ZB/dpa-Zentralbild

Die Altglastonnen in Berlins Höfen bleiben. Darauf haben sich das Land Berlin und die Entsorgungsfirma Duales System (DS) jetzt geeinigt. Bereits 2014 war zwischen beiden Seiten ein Streit ausgebrochen: In einem Alleingang hatte das Duale System damals im Ostteil der Stadt die Glastonnen aus den Höfen verbannt, von einem auf den anderen Tag, an Silvester. "Das hat einen Aufschrei nach sich gezogen, der Wiederhall im Abgeordnetenhaus gefunden hat", sagt Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, der sich am Freitag nach "sehr langen Gesprächen" erleichtert zeigte ob des getroffenen Kompromisses. Doch dieser wird nicht jeden glücklich machen.

Etwa 90.000 Glastonnen stehen in Berliner Höfen, komfortabel für Anwohner, aber häufig nicht sehr umweltfreundlich. "Die Glasqualität in den Tonnen war schlecht", gibt Michael Thielke, Abteilungsleiter für Abfallwirtschaft in der Berliner Senatsverwaltung, zu.

Zum einen liege das daran, dass in den Tonnen nur zwischen Bunt- und Weißglas - statt in Iglu-Containern zwischen Weiß-, Grün- und Braunglas - unterschieden werde, zum anderen schmissen die Menschen allerlei anderen Müll in die Tonnen – von Windeln bis Porzellan. Eine bessere Qualität böten daher die Container. Doch das in Berlin historisch gewachsene Altglassystem ist beliebt, vor allem bei älteren Menschen, die keine langen Strecken mit Altglas zurücklegen können.

Das Duale System zahlt künftig mehr Geld ans Land Berlin

Das Duale System hatte jedoch schon 2012 signalisiert, auf Container umstellen zu wollen - so wie im Rest der Bundesrepublik üblich. Einerseits wegen der besseren Qualität des Glases, andererseits aus Kostengründen. Um die Ausgaben zu drücken, senkte das Duale System 2015 eigenmächtig die Entgelte an das Land Berlin von 1,79 Euro auf 52 Cent pro Einwohner. Zu wenig, um damit die Container-Plätze mit Hilfe der Berliner Stadtreinigungsbetriebe sauber halten zu können, meint Tidow. Er sagt aber auch: "Wir haben rechtlich keine Grundlage die Höhe der Entgelte festzusetzen." Auch deshalb nennt er die getroffene Vereinbarung "einen echten Erfolg". Denn das Duale System zahlt künftig wieder deutlich mehr an das Land Berlin: 1,17 Euro pro Einwohner. Die dadurch eingenommenen 4,1 Millionen Euro seien nach Ansicht des Staatssekretärs "auskömmlich".

Und auch die Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick können sich verhalten freuen. Denn seinen ursprünglichen Standpunkt, im Ostteil der Stadt nicht mehr zu einem Mischsystem zurückzukehren, hat das Duale System auf den politischen Druck hin aufgegeben. Die Hof-Tonnen sollen zurückkehren können, wenn auch nicht so viele und auf freiwilliger Basis.

Den 90.000 Tonnen stehen in Berlin 1500 Glascontainer-Stellplätze gegenüber. Diese sollen auf 1900 ausgeweitet werden, die Tonnen um ein Drittel auf 62.000 reduziert werden. "Wir bleiben bei der Berliner Mischung, es findet kein Systemwechsel statt", erklärt Tidow, "aber wir haben akzeptiert, dass bis zu einer bestimmten Obergrenze auf Iglus umgestellt werden kann, mit Zustimmung der Eigentümer". Konkret bedeutet das: Je mehr Tonnen im Westen verschwinden, desto mehr können im Osten zurückkehren. Mehr als 62.000 werden es auf das Stadtgebiet verteilt jedoch nicht mehr werden. Vor allem in den äußeren Stadtgebieten sollen sie fast gänzlich verschwinden.

"Prozess, der sich bis Anfang 2020 ziehen wird"

Die vereinbarten Umstellungen sollen so schnell es geht umgesetzt werden, beginnend noch in diesem Jahr. Dennoch sei es "ein Prozess, der sich bis Anfang 2020 ziehen wird", sagt Andreas Thürmer, Leiter des Vorstandsbüros der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR). Zurzeit wird das Altglas zu zwei Dritteln in Tonnen und zu einem Drittel in Containern entsorgt. In den kommenden Jahren soll sich die Entsorgung zu gleich großen Teilen auf Tonne und Container verteilen. Damit das gelingt, beteiligt sich auch das Duale System mit einer Zahlung über 1,36 Millionen Euro an das Land Berlin an den Umrüstungskosten.

Tidow hofft damit das Altglassystem zum Wohle aller optimieren zu können, vor allem aber die "konfliktbeladene Situation" ad acta legen zu können. Zumindest für fünf Jahre, denn dann läuft die Vereinbarung aus. Für die Zukunft müssen sich die Berliner wohl darauf einstellen, dass die Müllsammler, sofern sie das wollen, mehr und mehr auf Container umstellen werden. Denn wie bei den Entgelten hat das Land Berlin dem Dualen System gegenüber rechtlich das Nachsehen. "Wir können die Systembetreiber nicht anweisen", sagt Tidow. Es sei ein privatisierter Markt, daher seien "die Einflussmöglichkeiten des Landes leider ausgesprochen gering. Wir haben aber ein gutes Verhandlungsergebnis erzielt".

Dennoch hofft der Staatssekretär, dass der gemeinsame Konsens 2022 als Vorbild dient, um die Vereinbarung auch darüber hinaus aufrecht zu erhalten. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass das Thema in fünf Jahren wieder hitzig diskutiert werde.

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