Parade in Berlin

Alle Fragen und Antworten zum Christopher Street Day 2017

Am Sonnabend wird es bunt in der Stadt. 58 Wagen nehmen am Umzug der LGBTI-Community teil.

Am Sonnabend findet in Berlin der 39. Christopher Street Day statt

Am Sonnabend findet in Berlin der 39. Christopher Street Day statt

Foto: dpa Picture-Alliance / Ben Kriemann/Geisler-Fotopress / picture alliance / Geisler-Fotop

Am Sonnabend fährt die CSD-Parade wieder durch die Stadt. Der 39. Christopher Street Day steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Mehr von uns – jede Stimme gegen Rechts!“

Warum wird der Christopher Street Day gefeiert ?

Die Abkürzung „CSD“ steht für Christopher Street Day, der weltweit unter diesem Namen an die Vorfälle rund um den 28. Juni 1969 erinnert. Damals kam es in der Bar „Stonewall Inn“ an der New Yorker Christopher Street zu einer Polizeirazzia. Die Bar im Stadtteil Greenwich Village war unter anderem Treffpunkt für Schwule und transidente Menschen. Im Anschluss an die Razzia demonstrierten Schwule, Lesben, Transgender und Drag Queens gegen Polizeiwillkür. Im Folgejahr fanden in New York und anderen US-amerikanischen Städten die ersten Protestdemos als „Gay Pride“ in Gedenken an die Unruhen statt.

Wann und wo geht es am Sonnabend los?

Los geht es um 12 Uhr in der City West, auf dem Kurfürstendamm Höhe Joachimsthaler Straße. Eine halbe Stunde später startet der traditionelle Zug – über den Wittenberg-, Nollendorf- und Lützowplatz, an der Siegessäule vorbei zum Brandenburger Tor. Dort findet zwischen 15 und 18 Uhr das Finale an der großen Hauptbühne statt. Danach folgt eine Party bis Mitternacht und auch in der Stadt gibt es zahlreiche Clubs und Partys, die sich dem CSD widmen.

Worauf müssen sich Verkehrsteilnehmer einstellen?

Entlang der Strecke kommt es zu umfangreichen Straßensperrungen und Verkehrsbehinderungen. Erste Einschränkungen gibt es laut BVG ab Sonnabend 10 Uhr. Gegen 16 Uhr passiert die Parade die Straße des 17. Juni, anschließend findet das Finale rund um das Brandenburger Tor statt. Empfohlen wird, in der westlichen Innenstadt auf S- und U-Bahn auszuweichen, da viele Buslinien wegen des Umzugs umgeleitet, verkürzt oder unterbrochen sein werden. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der BVG unter www.bvg.de.

Worum geht es beim CSD eigentlich?

Der CSD feiert die Vielfalt. Die Parade ist jedes Jahr ein Höhepunkt der Forderungen nach Akzeptanz und Toleranz gegenüber schwulen, lesbischen, queeren und transidenten Menschen. Unter dem Motto „Mehr von uns – jede Stimme gegen Rechts!“ sprechen im Wahljahr 2017 gleich zu Demo-Beginn Aktivisten über ihr Engagement im Kampf für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen und Queers (kurz: LSBTTIQ). Zusätzlich wird es Redebeiträge von weiteren Mitgliedern der LSBTTIQ-Community und den „Soul of Stonewall“-Preisträgern geben. Der Preis geht dieses Jahr an den Mitbegründer des CSD Berlin, Bernd Gaiser, die Publizistin Carolin Emcke, den amerikanischen Historiker Robert Beachy, den kenianischen Widerstandsaktivisten Emmanuel Odhiambo Nyambwa sowie die ehemalige Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, Selmin Çalışkan.

Wie viele Wagen sind an dem Umzug beteiligt?

Angemeldet sind zum diesjährigen CSD 48 Teilnehmergruppen mit 58 Fahrzeugen. Der Umzug wird in zwei Blöcken stattfinden – einer für Fußgänger und leise Fahrzeuge, einer für Trucks mit ordentlicher Musikanlage. Im Block „leise“ sind neun Trucks unterwegs, allesamt mit politischen Initiativen besetzt. Danach folgt der Block „laut“ mit 39 Wagen verschiedener Berliner und internationaler Unternehmen sowie angemeldete „Fußgruppen“.

Wird der CSD barrierefrei sein?

Auf dem CSD gibt es in diesem Jahr wieder ein Podest für Rollstuhlfahrer an der Hauptbühne, jedoch nicht direkt an der Strecke. Das Geschehen auf der Hauptbühne wird durch Gebärdendolmetscher simultan übersetzt.

Wer steht auf der Gästeliste?

Erwartet werden laut Veranstalter 750.000 Besucher. Zur Eröffnungszeremonie hatte auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zugesagt, er kann jedoch aufgrund anderer Termine nicht dabei sein. Ihn vertritt der Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Dirk Behrendt (Bündnis 90/ Die Grünen).

Was für ein Programm wird auf der Bühne geboten?

Beim Finale vor dem Brandenburger Tor gibt es ein abwechslungsreiches Programm. Rund um die Reden und die Verleihung der „Soul of Stonewall Awards“ spannt das Programm einen musikalischen Bogen von Schlager über Rock bis Techno. Angekündigt sind Auftritte von Maite Kelly, Squeezebox, London Gay Big Band mit der Eurovision-Gewinnerin 2014, Conchita Wurst, sowie DJ Hell und Boys Noize.

Und wer räumt nach dem CSD auf?

Gleich nachdem sich der letzte Truck am Kurfürstendamm in Bewegung gesetzt hat, folgt ihm die Berliner Stadtreinigung (BSR) mit Kehrwagen und Besen. Entlang der Demonstrationsroute werden rund 130 Beschäftigte im Einsatz sein, um die Straßen vom Party-Müll bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags zu säubern. Gereinigte Straßenabschnitte kann die Polizei dann für den Individualverkehr wieder freigeben. Wie auch in den Jahren zuvor will die BSR ein humorvolles Zeichen setzen für Toleranz und Vielfalt mit einem ihrer Motto-Shirts. Das diesjährige Motto allerdings bleibt noch bis Freitag geheim.

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