Regierungsterminal

Am Flughafen BER wird auch mal was fertig

Das Regierungsterminal in Schönefeld steht im Rohbau. Über die Dauer der Nutzung gibt es aber noch Streit.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (l.) will das Interimsregierungsterminal möglichst lange nutzen

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (l.) will das Interimsregierungsterminal möglichst lange nutzen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Ein Richtfest am unfertigen Hauptstadtflughafen BER ist ja an sich schon ein positives Ereignis. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup sprach von einem „guten Tag“, ehe die Bauleute am Donnerstagmittag den Kranz über dem Rohbau des neuen Regierungsterminals am Rande des Flughafengeländes in Schönefeld hochzogen.

Für knapp 80 Millionen Euro – davon 30 Millionen Euro für das Gebäude und 23 Millionen Euro für das neue erweiterte Rollfeld davor – leistet sich die Bundesregierung hier ein Terminal, das sie aber nur vorübergehend nutzen will. Und so mischte sich auch in die Gespräche auf den Bierbänken beim Richtfest immer wieder die unklare Zukunft des Gesamtprojektes.

Eigentlich soll der 13 Meter hohe, langgestreckte Betonbau der Flugbereitschaft der Bundeswehr, dem Auswärtigem Amt und dem Kanzleramt nur fünf Jahre als Interimsdomizil dienen, wenn der BER wie geplant im Sommer 2018 eröffnet. Danach wünscht die Bundesregierung ein richtiges Regierungsterminal in etwa dort, wo heute Teile des weiterhin genutzten alten Schönefelder Terminals SXF stehen, auf dem Gelände der sogenannten Ramp 2. Das große Projekt würde dann mehr als 200 Millionen Euro kosten, auch weil eine komplette Kaserne für die Soldaten der Flugbereitschaft entstehen soll.

„Wir bauen das nicht, um es in fünf Jahren wieder abzureißen“

Das nun präsentierte Interimsgebäude mit Raum für Pressekonferenzen, Regierungskonsultationen und Kanzler-Besprechungen könnte dann anderen Zwecken dienen. „Wir bauen das nicht, um es in fünf Jahren wieder abzureißen“, sagte Rainer Bretschneider, der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft. Es sei daran gedacht, hier später die Geschäftsflieger der General Aviation unterzubringen.

Dazu müsste die Bundesregierung aber erst ihr großes Terminal fertig haben. Über die Frage, wann der Bau beginnen kann und wie sich das auf die ohnehin knappen Abfertigungskapazitäten des BER auswirkt, darüber verhandeln die Flughafengesellschaft und die Bundesregierung aber noch. Man könne erst starten, wenn die Erweiterung des BER-Nordpiers durch das Terminal T1E fertig sei, sagte Flughafenchef Lütke Daldrup der Morgenpost am Rande des Richtfestes. Das wäre 2020 oder 2021.

Das Bundesbauministerium ließ jedoch wissen, dass es mehr Tempo erwarte. Man gehe davon aus, dass die Flughafengesellschaft schon während der Bauarbeiten am Regierungsflughafen den Flugbetrieb anstatt auf Ramp 2 auf anderen Vorfeldern des BER abfertige, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Derzeit werde geprüft, in welchem Umfang während der Bauarbeiten das östlichste Terminalgebäude D in Schönefeld-Alt weiter betrieben werden könne.

Für Lütke Daldrup sind solche Gedankenspiele über die Aufgabe von Kapazitäten gefährlich, denn er muss nachweisen, dass er am BER auch nach einer Schließung des Berliner Flughafens Tegel genügend Fluggäste abfertigen kann. Dazu braucht er möglichst viele Check-ins, aber auch Rollfeldflächen, wo die Passagiere von Bussen aus in die Flugzeuge steigen können.

Die komplette Flugbereitschaft bräuchte Platz für 25 Maschinen

Vor dem neuen Interimsterminal werden die fünf Jets parken, die die Flugbereitschaft in der Übergangszeit am BER stationieren will. Sollte die komplette Flugbereitschaft umziehen und ihre Maschinen am BER abstellen, bräuchte man schon Platz für insgesamt 25 Maschinen. Lütke Daldrup ging auch in seiner Richtfest-Rede auf die unterschiedlichen Interessen von Flughafen und Bund ein. Er selbst habe noch als Staatssekretär des Landes Berlin mitgeholfen, zwischen beiden Positionen zu vermitteln, sagte Lütke Daldrup. Aber jetzt gehe es eben auch darum, die große Nachfrage der Luftfahrt an Berlin nicht abweisen zu müssen, sandte Lütke Daldrup ein Signal an die anwesenden Bundesvertreter.

Jens Quade vom Baukonzern Züblin, der gemeinsam mit Habau das Interimsterminal hochzieht, wunderte sich, dass kein Politiker beim Richtfest am BER anwesend sei. „Die machen wohl einen Bogen um dieses Projekt“, mutmaßte der Firmenvertreter. Obwohl man mit dem Bau im Plan liege, habe es einige Schwierigkeiten gegeben, berichtete er. So sei der Kran den Radarwellen vom nahe gelegenen Tower in die Quere gekommen. Aber solche Fragen seien lösbar, wenn alle zusammenarbeiten, sagte Quade, und es klang fast wie ein Appell an die Verantwortlichen für die große BER-Baustelle jenseits des Rollfeldes.