Peter Steudtner

Berliner Menschenrechtsaktivist in türkischer U-Haft

Ein Gericht in Istanbul hat am Dienstagmorgen Untersuchungshaft gegen ihn und fünf weitere seiner Kollegen verhängt.

Der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner

Der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner

Foto: Privat / dpa

Die türkischen Behörden haben gegen den Berliner IT- und Menschenrechtsexperten Peter Steudtner Untersuchungshaft angeordnet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und weiteren Menschenrechtsaktivisten Terrorunterstützung vor. Die Vernehmung des 45-jährigen Steudtner habe am Montag mehrere Stunden gedauert.

Ein Gericht in Istanbul hat am Dienstagmorgen Untersuchungshaft gegen ihn und fünf weitere seiner Kollegen verhängt, vier kamen vorübergehend frei. Warum in den einen Fällen so und in den anderen so entschieden wurde, war unklar. In der Türkei können Beschuldigte bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft festgehalten werden.

Peter Steudtner, der auch als Foto- und Videojournalist arbeitet, ist der zehnte deutsche Staatsbürger, der seit dem Putschversuch in der Türkei festgenommen wurde. Er war gemeinsam mit neun weiteren Personen aus dem In- und Ausland am 5. Juli bei einem Menschenrechtsseminar auf der Insel Büyükada im Marmarameer vor Istanbul von der türkischen Polizei verhaftet worden.

Unter den Verhafteten waren auch die Amnesty-Direktorin in der Türkei, Idil Eser, sowie Vertreter der türkischen Helsinki Gruppe, Frauenrechtlerinnen sowie Menschenrechtsanwälte. Steudtner und der Däne Ali Garawi sollten auf dem Seminar über "Digitale Kommunikation und IT-Sicherheit" referieren.

Seit einem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 sind in der Türkei Zehntausende Menschen ins Gefängnis gekommen. 150.000 Staatsbedienstete wurden wegen mutmaßlicher Unterstützung der Putschisten entlassen oder suspendiert.

Lebensgefährtin Steudtners: Terrorvorwürfe sind "total absurd"

Die Lebensgefährtin Steudters hat die gegen ihn erhobenen Terrorvorwürfe scharf zurückgewiesen. "Diese Unterstellungen sind total absurd", sagte Magdalena Freudenschuss am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul. "Sie sind fast das Gegenteil dessen, wofür Peter und Ali und die anderen Menschenrechtsverteidiger mit ihrer Arbeit stehen: Für Gewaltfreiheit, für den Einsatz von Menschenrechten."

Freudenschuss sagte: "Peter und sein Kollege machen natürlich vor Trainings immer auch eine Risikoanalyse. Aber die war in diesem Fall so, dass sie das so eingeschätzt haben, dass es in Ordnung ist zu fahren und dieses Seminar zu geben. Zumal die Inhalte ja in keiner Weise politisch waren." Bei dem Workshop sei es um IT-Management und Datensicherheit gegangen. "Sie haben außerdem in diesem Training Einheiten zu Stress und Trauma gemacht." Dabei seien zum Beispiel Entspannungsübungen in Belastungssituationen behandelt worden.

Freudenschuss sagte, sie hoffe, dass es der Bundesregierung gelinge, "auf diplomatischem Weg die Freilassung dieser Menschenrechtsverteidiger und -verteidigerinnen und auch Peters zu erreichen". Die Inhaftierung sei eine schwere Belastung für die Familie, der auch zwei Kinder angehören. "Es fehlt jemand. Es fehlt ein Vater, der vorliest, es fehlt jemand, der zum Reden da ist, der zuhört, der mit uns lacht. Es fehlt jemand, der den Alltag mitträgt."

Der Fall Deniz Yücel - Eine Chronik

Seit dem 14. Februar sitzt der Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft. Doch was wird ihm vorgeworfen und welche Reaktionen gab es auf seine Inhaftierung? Eine Chronik zum Fall Yücel.
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