Gesundheit

Neue Betten braucht Neukölln

Dem Vivantes Klinikum in Buckow stehen massive Bauarbeiten bevor. Dafür muss der Senat einspringen.

Das Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln zu geplanten Sanierungsarbeiten mit Christian Dreißigacker, Geschäftsführender Direktor Vivantes Klinikum Neukölln, Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) und Fritz Felgentreu MdB Neukölln SPD

Das Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln zu geplanten Sanierungsarbeiten mit Christian Dreißigacker, Geschäftsführender Direktor Vivantes Klinikum Neukölln, Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) und Fritz Felgentreu MdB Neukölln SPD

Foto: Maurizio Gambarini

Wenn es so heftig regnet wie Ende letzten Monats, steht fast jedes Zimmer unter Wasser. Undichte Decke. Das ist fast so unangenehm wie das Asbest-Problem, dessentwegen Räume auch öfter mal gesperrt werden müssen. Platz fehlt schon lange, und egal, ob Fassaden, Haustechnik oder Brandschutz – alles ist marode. Kurzum: Das 1986 eröffnete Vivantes Klinikum in Neukölln ist ein totaler Sanierungsfall.

Das ist keine Neuigkeit, doch erst jetzt kommen die Arbeiten so langsam in Gang. "Wir hatten über die Jahre einen immensen Investitionsstau", sagt Vivantes-Chefin Andrea Grebe. Der Sparkurs der Vorjahre ging auch an Berlins kommunalem Krankenhauskonzern nicht vorbei. Womöglich noch in diesem Jahr soll mit dem Bau einer neuen Rettungsstelle am nördlichen Kopf des Haupthauses ein zentrales Projekt starten.

Die aktuelle Notaufnahme, ursprünglich für 25.000 Patienten pro Jahr ausgelegt, kommt inzwischen auf das Vierfache. Geplant ist ein Neubau mit 240 Betten, 15 OP-Sälen und Hubschrauberlandeplatz. Voraussichtliche Fertigstellung: 2022. Rund 160 Millionen Euro Kosten sind veranschlagt, den Löwenanteil soll mit 115 Millionen Euro das Land Berlin übernehmen.

Ein Neubau mit 40 Betten soll Abhilfe schaffen

Die Mittel sind im Entwurf für den Doppelhaushalt 2018/19 veranschlagt, als "Statement an Neukölln" bezeichnet Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) das Engagement des Senats. Beschlossen wird der Haushalt zwar erst in ein paar Monaten, dennoch gilt die Finanzierung als gesichert. Das restliche Geld will Vivantes aus Eigenmitteln aufbringen, unter anderem durch den Verkauf von Grundstücken.

Erst mit Inbetriebnahme der neuen Rettungsstelle kann Vivantes sich seinem Masterprojekt widmen, der Sanierung des Haupthauses, die mindestens zehn Jahre dauern wird. Denn die Rettungsstelle schafft die nötigen Kapazitäten, wenn einzelne Teile des riesigen Komplexes nicht nutzbar sein werden.

Neu sind die Pläne, schneller mehr Raum in den psychiatrischen Abteilungen zu schaffen. Die Lage hier ist offenbar besonders prekär. Vier-Bett-Zimmer und Patienten, die zum Teil auf den Fluren untergebracht sind, führen auch zu einer gestiegenen Zahl von Übergriffen auf das Krankenhauspersonal. Im Januar wurde im Treppenhaus des Gebäudes Feuer gelegt, das glücklicherweise schnell gelöscht werden konnte. Ein Neubau mit 40 Betten, möglicherweise in modularer Form, soll Abhilfe schaffen. Man müsse definitiv davon wegkommen, Zimmer vierfach zu belegen, heißt es bei Vivantes.

Investitionsstau von zwei Milliarden Euro

Das Neuköllner Klinikum steht sinnbildlich für die Versäumnisse der Berliner Krankenhauspolitik. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Thomas Isenberg, beziffert den Investitionsstau bei allen Häusern auf zwei Milliarden Euro. Seine Forderung: Die jährlichen Investitionspauschalen sollen den Bundesdurchschnitt von 150 Millionen Euro "deutlich" übersteigen. Im Haushaltsentwurf sind für die nächsten beiden Jahre jedoch nur 120 Millionen beziehungsweise 142 Millionen Euro vorgesehen.

Dazu solle der Senat beschließen, zehn Prozent der Haushaltsüberschüsse in die Gesundheit zu stecken. Auch müsse die Situation der Beschäftigten verbessert werden. Dem Vernehmen nach ist etwa in Neukölln die Stimmung unter einem Teil der Belegschaft wegen der schwierigen Bedingungen eher angespannt.

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