Neubau

Vivantes setzt am Klinikum Spandau auf Komfort

Der Neubau am Klinikum Spandau kostet fast 24 Millionen Euro. Die Zahl der besser ausgestatteten Zimmer wird höher.

Die Klinik errichtet im Garten einen dreigeschossigen Neubau, um die wachsende Nachfrage nach medizinischer Versorgung zu befriedigen

Die Klinik errichtet im Garten einen dreigeschossigen Neubau, um die wachsende Nachfrage nach medizinischer Versorgung zu befriedigen

Foto: imago stock / imago/Schöning

Der frühere Hubschrauberlandeplatz ist verlegt, die Baugrube ausgehoben, ein Teil der Fundamente, auf die jetzt die Stahlbetonplatte kommt, gegossen: Das Vivantes Klinikum Spandau an der Neuen Bergstraße hat am Donnerstag den Grundstein für einen Erweiterungsbau gelegt. „Wir ernten heute die Früchte, die auch in ökonomischen Zahlen messbar sein werden“, sagte Andreas Schmitt, der geschäftsführende Direktor der Klinik. Das Klinikum liefere ohnehin bereits jetzt und „hoffentlich dann auch in Zukunft die besten Zahlen“. 23,7 Millionen Euro lässt sich der landeseigene Klinikkonzern den Ausbau am Standort Spandau kosten.

Zur Grundsteinlegung trafen sich Ärzte, Politiker und andere Gäste. Auch Margaretha Sudhof, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Finanzen, begrüßte das Vorhaben. Die Stadt sei lange geschrumpft, jetzt wachse sie stark. Das Land Berlin habe 55 Beteiligungsunternehmen. Und der Klinikkonzern Vivantes sei nicht nur der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands und mit 15.000 Mitarbeitern der drittgrößte Arbeitgeber Berlins (nach der Deutschen Bahn mit 21.000 Beschäftigten und der Charité mit 17.000), sondern mit 900 Plätzen auch der größte Ausbilder. Und jedes dritte Baby werde in einem Vivantes-Krankenhaus geboren.

Der Neubau entsteht im Garten des Krankenhausareals, parallel zum funktionalen Haupthaus, das um 2000 entstand. Ende des kommenden Jahres soll das neue Gebäude fertig sein, damit Mitte 2019 dann die ersten Patienten dort versorgt werden können.

Mit dem Neubau will das Klinikum die Angebote des gesamten Spektrums ausweiten und auch mehr Komfortzimmer anbieten können. Die Nachfrage nach einer komfortablen Unterbringung sei steigend, sagte Andreas Schmitt.

Die Komfortklinik können nicht nur privat versicherte, beihilfeberechtigte oder internationale Patienten in Anspruch nehmen, sondern auch gesetzlich Versicherte, die dann den erhöhten Betrag selbst zahlen, wenn sie keine Zusatzversicherung haben. „Vielen ist die angenehme Umgebung solch eines Zimmers auf der Komfortstation das Geld wert“, sagte Andreas Schmitt auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. Das Bett im Zweibett-Komfortzimmer koste rund 75 Euro Zuzahlung, die durchschnittliche Verweildauer im Vivantes Krankenhaus betrage vier Tage.

110 neue Komfortbetten sind geplant

Als größtes Krankenhaus des Bezirkes verfügt das Vivantes Klinikum Spandau nach eigenen Angaben über mehr als 580 Betten. Mit dem neuen, dreigeschossigen Haus werden es dann insgesamt 708 sein. Aktuell gibt es im Klinikum Spandau bereits zwei Stationen, die einen besonderen Komfort bieten: die Station 21 mit 32 Betten und die Station 61 mit 33 Betten. Mit dem Neubau kommen drei weitere Komfortbereiche hinzu mit 110 Betten. Praktischerweise wird von den Zimmer aus der Therapiebereich, dessen Größe verdoppelt wird, mit dem Aufzug leicht zu erreichen sein.

Zum Klinikum gehören unter anderem eine Stroke-Unit, das Zentrum für Minimal Invasive Chirurgie (MIC), das Tumorzentrum Nord, das Zentrum für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte sowie Schwerpunkte für Gefäßchirurgie, Orthopädie und Männergesundheit. Das Vivantes Klinikum Spandau stellt außerdem als sogenannter Vollversorger die gesamte stationäre psychiatrische Versorgung im Bezirk sicher.

Rund 44.000 Menschen werden jedes Jahr im Klinikum Spandau behandelt und versorgt. Knapp 200 Ärztinnen und Ärzte sowie rund 480 Pflegekräfte kümmern sich um sie. Weil auch in Spandau die Bevölkerung zunimmt und gleichzeitig das Durchschnittsalter der Bürger steigt, sollen für geriatrisch- und demenzerkrankte Patienten Spezialangebote geschaffen werden. Auch in den Bereich der Psychiatrie und Frührehabilitation soll investiert werden.

Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) sagte anlässlich der Grundsteinlegung, dass der Tag für ganz Spandau einen Tag der Freude bedeute. Die Qualität, die in der Klinik jeden Tag geleistet werde, sei ohnehin sehr gut, und der Neubau eröffne für ganz Berlin neue Möglichkeiten. Chefarzt Ernst Späth-Schwalbe, der seit 16 Jahren am Spandau Vivantes Klinikum tätig ist, bestätigte: „Vor 16 Jahren waren wir noch das hässliche Entlein von Vivantes, aber das Haus hat eine sehr gute Entwicklung genommen, was hauptsächlich den Mitarbeitern zu verdanken ist.“ In den Grundstein versenkten die Festteilnehmer schließlich die Kartusche, in der sich neben Plänen und Kleingeld auch eine Berliner Morgenpost befindet – das Patientenexemplar aus dem Foyer.

Nachbargelände hat Platz für Erweiterungen

Für den Spandauer Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (SPD) ist es städtebaulich erstrebenswert, dass das Gewerbegelände, das sich nördlich des Krankenhauses anschließt, weiterentwickelt wird: „Es könnte genutzt werden für künftige Klinikerweiterungen, auch für bezahlbaren Wohnraum und für die Weiterentwicklung des dortigen Gewerbes“, sagte Schulz am Rand der Grundsteinlegung. Der Zustand dort sei ein Jammer, weshalb er sich dafür einsetzen werde, dass das Land Berlin das Areal vom Bund für den Bezirk erwerbe. „Sicherlich ein längerer Prozess, aber das sollte uns nicht schrecken“, so Schulz.