Schriftliche Anfrage

Studenten in Berlin brauchen länger bis zum Abschluss

Nur noch ein Drittel der Studierenden schafft das Studium in der Regelstudienzeit. Besonders ausgeprägt ist dies in den Mint-Fächern.

Studenten im Audimax der Humboldt-Universität

Studenten im Audimax der Humboldt-Universität

Foto: A3498 Marcel Mettelsiefen / dpa

Berlins Studenten studieren immer länger. Nur noch ein Drittel von ihnen schafft das Studium in der Regelstudienzeit – dabei waren es 2012 noch 44 Prozent. Demnach brauchen heute zwei Drittel der Studierenden länger für ihren Abschluss, als die jeweilige Studienordnung es vorsieht. Dies geht aus einer schriftlichen Anfrage des CDU-Abgeordneten Adrian Grasse hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

„Viele Studierende müssen neben dem Studium arbeiten, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können“, sagt Grasse, der forschungspolitischer Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus ist. „Dies führt im Ergebnis dazu, dass das Studium nicht mehr in Vollzeit absolviert werden kann.“ Der 42-Jährige plädiert deswegen für ein flexibleres Kursangebot und realistischere Planungen der Regelstudienzeit durch die Hochschulen. Bislang dauern Bachelorstudiengänge an deutschen Universitäten in der Regel sechs Semester, also drei Jahre. Masterstudiengänge werden zwischen zwei und vier Semestern angeboten. An Fachhochschulen hingegen sind siebensemestrige Bachelorstudiengänge verbreitet.

Unterfinanzierung der Universitäten hinterlässt Spuren

Wie weit Studienplan und Realität allerdings auseinanderklaffen, zeigen in Berlin besonders die sogenannten Mint-Studiengänge Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik: In diesen Fächern haben im Schnitt nicht einmal zehn Prozent der Studierenden im vergangenen Jahr ihren Abschluss in der Regelstudienzeit geschafft. Grasse kritisiert: „Es ist keine gute Entwicklung, dass diese vom Arbeitsmarkt stark nachgefragten Studiengänge von vielen Studierenden nicht in Regelstudienzeit abgeschlossen werden.“

„Berlin ist aber keineswegs ein Hort für Bummel- oder Langzeitstudenten“, erklärt Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes. Einen erheblichen Anteil habe auch die jahrzehntelange Unterfinanzierung der Berliner Universitäten. „Sie hinterlässt Spuren und führt zur Verschlechterung der Studienbedingungen.“

Auch das könnte ein Grund dafür sein, dass der Berliner Wert der Studierenden, die in Regelstudienzeit abschließen unterdurchschnittlich ist. Bundesweit werden laut Jaroch vier von zehn Studierenden in der vorgesehenen Zeit fertig.

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