Wissenschaft

Spitzenforscher Böttinger verlässt Berlin schon Ende Juli

Der Vorstandsvorsitzende des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung, Erwin Böttinger, wechselt an die Universität Potsdam.

Erwin Böttinger

Erwin Böttinger

Foto: Erwin Böttinger / BIH / BM

Der Wechsel an der Spitze des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) erfolgt kurzfristig. Der Aufsichtsrat des Instituts hat am Donnerstagabend mitgeteilt, dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Erwin Böttinger bereits zum Ende dieses Monats abberufen wird. Wie berichtet, hatte Böttinger am 29. Juni gekündigt. Er nimmt einen Ruf an die Universität Potsdam an und wird dort eine Professur an der neuen Digital Engineering Fakultät der Universität und des Hasso-Plattner-Instituts übernehmen. Sein Vertrag am BIG wäre noch bis Ende des Jahres gelaufen, so lange wollte der Aufsichtsrat ihn aber offenbar nicht halten.

Zum kommissarischen Leiter des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung – offiziell "Sprecher des BIG-Vorstands auf Zeit" – ernannte der Aufsichtsrat Martin Lohse vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen soll Lohse das Amt zu einem noch nicht definierten Zeitpunkt an Charité-Chef Karl Max Einhäupl abgeben. Beide gehören dem BIG-Vorstand bereits als nebenamtliche Mitglieder an. Eine Findungskommission soll derweil den eigentlichen Böttinger-Nachfolger suchen. Das kann allerdings ein Jahr und länger dauern.

Nobelpreisträger unterstützt den Vorstand

Der Aufsichtsrat hält an der unter Böttinger beschlossenen "BIG-Strategie 2026" fest. Der Vorstand wurde beauftragt, sie umzusetzen und weiterzuentwickeln. Außerdem soll er die Berufungsverfahren für alle ausgeschriebenen Schlüsselprofessuren am Institut vorantreiben. Dabei unterstützt ihn Nobelpreisträger Thomas Südhof als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates. Der Aufsichtsrat setzte zudem eine Kommission ein, die kurzfristig Vorschläge für eine Strukturreform des BIG vorlegen soll.

Der BIG-Vorstand ist vollständig arbeitsfähig. Er kann jetzt weiter Tempo machen und soll nicht auf die Böttinger-Nachfolge warten", erklärte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach, der neue stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats.

Leuchtturm-Einrichtung der Wissenschaft

Das Berliner Instituts für Gesundheitsforschung bündelt die Forschungskapazitäten des wesentlich vom Bund finanzierten Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch und der vom Land Berlin getragenen Charité. Es hat zum Ziel, Forschungsergebnisse und neue Therapien schneller als bisher in den medizinischen Alltag zu übertragen. Für den Aufbau des Instituts, das eine weltweit führende biomedizinische Forschungseinrichtung werden soll, stehen bis 2018 rund 310 Millionen Euro zur Verfügung. 90 Prozent davon zahlt der Bund, zehn Prozent Berlin. Weitere 40 Millionen Euro steuerte BMW-Erbin Johanna Quandt über die private Charité-Stiftung bei.

"Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen, das dieses Gremium in mich und den ganzen BIG-Vorstand setzt. Es ist uns allen ein besonderes Anliegen, die Verbindung zwischen Charité und Max-Delbrück-Centrum weiter zu stärken. Das BIG ist als Brücke gedacht, die eine noch engere Zusammenarbeit ermöglicht", erklärte Martin Lohse am Freitag.

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