Umwelt

Berliner Senat sagt Einwegbechern den Kampf an

Die Umweltsenatorin will eine berlinweite Kampagne präsentieren. Kaffeeanbieter sollen Kunden Rabatte gewähren.

Sollen bald verschwinden: Einwegbecher

Sollen bald verschwinden: Einwegbecher

Foto: Stefan Sauer / dpa

Der von Rot-Rot-Grün angestrebte Mehrwegbecher für den Coffee to go kommt – allerdings zunächst nur in einer Light-Version: Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) will nach Informationen der Berliner Morgenpost voraussichtlich noch im Juli eine Kampagne gegen die Becherflut in Berlin präsentieren. Momentan landen in der Hauptstadt pro Jahr rund 170 Millionen Einwegbecher in Mülltonnen.

Möglichst viele Kaffeeanbieter in Berlin sollen ihren Kunden das Angebot unterbreiten, sich ihren Kaffee in mitgebrachte Mehrwegbecher füllen zu lassen. Den Betrieben wird empfohlen, dafür Rabatt zu gewähren. In welcher Höhe und Form, bleibt ihnen überlassen. Beworben werden soll auch ein Mehrwegbechersystem, wie es einige Unternehmen schon anbieten.

Das umweltfreundliche Angebot ist in Berlin zwar nicht neu. Nun könnte aber eine konzertierte Aktion daraus werden. Ziel ist es, dass viel mehr Kaffeeanbieter als bisher mitmachen – und einheitliche Aufkleber an der Tür auf die umweltschonende Variante des Kaffeetrinkens hinweisen. Geplant ist nach Morgenpost-Informationen, dass auch "Visit Berlin", Berlins landeseigene Tourismusagentur, dafür wirbt. Die Berliner Stadtreinigung BSR und Umweltverbände, aber auch der Hotel- und Gaststättenverband sollen bei der Vermarktung mitwirken.

FDP und AfD lehnen die Initiative als überflüssig ab

Auf Anfrage wollte sich die Umweltverwaltung "noch nicht zu den Plänen äußern". Die rot-rot-grüne Koalition hatte den Senat per Parlamentsbeschluss aufgefordert, ein Konzept für den Mehrwegbecher in Berlin zu entwickeln. Der Wechsel von Einweg- auf Mehrwegbecher soll für die Kunden durch Anreize unterstützt werden – indem die teilnehmende Verkaufsstelle mindestens 20 Cent Rabatt gewährt, wenn ein wiederverwendbarer Becher befüllt wird.

Zudem solle ein attraktiver Mehrwegbecher eingeführt werden, der bei den Verkaufsstellen auch wieder abgegeben werden kann. So die beiden Forderungen aus dem Abgeordnetenhaus. Neben den Regierungsfraktionen SPD, Linke und Grüne stimmte die oppositionelle CDU dafür, FDP und AfD hingegen lehnten die Initiative als überflüssig ab.

Zusammen mit der Berliner Stadtreinigung BSR sind auch die Wirtschaftsverbände in der Arbeitsgruppe vertreten, die derzeit mit der Senatsverwaltung das Konzept für den Coffee-to-go-Mehrwegbecher entwickelt. Allerdings sieht die Wirtschaft bislang die Bedenken hinsichtlich der Hygiene nicht ausgeräumt. Denn nicht jeder Becher, den der Kunde über die Theke reicht, ist vorher gereinigt worden.

"Berlin muss eine einheitliche Hygiene-Handlungsempfehlung bereitstellen"

Für Montag ist unter Federführung der Umweltverwaltung ein weiteres Treffen der Arbeitsgruppe geplant, in der unter anderem die Senatsverwaltung für Wirtschaft, die Indus­trie- und Handelskammer, die Handwerkskammer sowie die Naturschutz-organisation BUND und die Deutsche Umwelthilfe Ideen einbringen.

Der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Thomas Lengfelder, sagte der Berliner Morgenpost: "Es ist toll, dass die Initiative für den Mehrwegbecher von der Öffentlichkeit, den Verbrauchern, von Kammern, Umweltorganisationen und der Politik gleichermaßen positiv bewertet wird." Er betonte aber auch: "Absolut notwendig ist es aber, dass für Berlin eine einheitliche Hygiene-Handlungsempfehlung bereitgestellt wird."

"Es muss klar sein, worauf die Betriebe achten müssen"

Es wäre nicht dienlich, wenn es in den Bezirken unterschiedene Handlungsempfehlungen gebe, so Lengfelder. "Nur wenn dies geklärt ist, können wir es unseren Betrieben empfehlen, die mitgebrachten Becher anzunehmen."

Arne Lingott, bei der Handwerkskammer Berlin zuständig für Wirtschaftspolitik, sagte: "Es muss klar sein, worauf die Betriebe achten müssen." Die Kammer unterstütze die Initiative und wolle auch viele Betriebe dafür gewinnen.

Jochen Brückmann, Bereichsleiter Stadtentwicklung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, sieht die Gespräche auf gutem Weg. "Wir hoffen, in diesem Sommer gemeinsam mit den Umweltverbänden und Fachverbänden der Wirtschaft das Projekt starten zu können", so Brückmann.

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