Berlin

"Treue und Beständigkeit sind zutiefst konservative Werte"

Jan-Marco Luczak (CDU) aus Berlin ist für das Gesetz

Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak (Tempelhof-Schöneberg) wird heute für die Unionsfraktion die Position einer Öffnung der "Ehe für alle" vertreten. Für die Berliner Morgenpost hat der stellvertretende rechtspolitische Fraktionssprecher seine Meinung aufgeschrieben.

"Die Öffnung der Ehe kommt. Das ist richtig und gut. Denn Liebe kennt keine Grenzen. (...) Aus dem Blick geraten ist manchmal, worum es im Kern geht: Die Ehe ist der Liebesbeweis zweier Menschen, die füreinander einstehen wollen. (...) Zwei Menschen sind bereit, gegenseitig Verantwortung zu übernehmen, es geht um Treue, Zuverlässigkeit, Beständigkeit. All dies sind zutiefst konservative Werte, die Anerkennung und Respekt verdienen. Ich sehe nicht, wieso das Geschlecht der Partner dies schmälern soll. Ich bin daher nicht für die Öffnung der Ehe, obwohl, sondern gerade, weil ich Christdemokrat bin.

Wenn demgegenüber argumentiert wird, gleichgeschlechtliche Ehen seien ein Angriff auf Familien, so möchte ich entgegnen: Kein Kind wird weniger geboren und keine heterosexuelle Ehe wird nicht eingegangen, nur weil es Schwulen und Lesben zukünftig auch erlaubt ist zu heiraten. (...) Das Argument, dass nur aus der Ehe zwischen Mann und Frau Kinder hervorgehen können und ihre Privilegierung daher gerechtfertigt sei, mag schlüssig klingen, führt aber in die Irre. Was ist mit denjenigen Ehen, wo dies aus medizinischen oder Altersgründen ausgeschlossen ist oder wo die Partner schlicht keine Kinder wollen? Warum sollten diese dann heiraten dürfen, schwule Paare aber nicht? (...)

Auch unser Grundgesetz gebietet nicht, die Ehe Mann und Frau vorzubehalten. Der verfassungsrechtliche Ehebegriff in Artikel 6 Abs. 1 GG ist offen, er muss in den zeitgeschichtlichen Kontext eingebettet und mit Blick auf einfachgesetzliche Regelungen und gesellschaftliche Anschauungen interpretiert werden. (...) Die Verschiedengeschlechtlichkeit ist für den verfassungsrechtlichen Ehebegriff nicht mehr prägend und konstitutiv. Ich bin sicher, auch das Bundesverfassungsgericht wird diesen Wandel in seiner Rechtsprechung nachvollziehen. (...)"

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