Schulen in Berlin

Volle Klassen an Berliner Grundschulen: Eltern protestieren

In vielen Bezirken werden kommendes Schuljahr mehr Kinder eingeschult, als die Kapazität zulässt. Ein Stadtrat rechnet mit einem „Tsunami“.

Grundschüler in ihrer Klasse

Grundschüler in ihrer Klasse

Foto: imago/Westend61

Berlin. Wegen der wachsenden Schülerzahl müssen viele Grundschulen im kommenden Schuljahr deutlich mehr Kinder aufnehmen als bisher. Dagegen formiert sich unter den Eltern und Lehrern immer stärker der Protest. Durch Mitte zogen am Mittwoch etwa 200 Schüler und Eltern der Erika-Mann-Grundschule – Motto: „Wir können nicht mehr“.

Die vierzügige Schule an der Utrechter Straße soll zum kommenden Schuljahr eine weitere erste Klasse aufnehmen. Erst vor zwei Jahren mussten dort zwei zusätzliche Klassen eingerichtet werden. Die Eltern befürchten, dass die Leuchtturmschule in dem sozialen Brennpunkt ihre pädagogischen Konzepte nicht mehr aufrechterhalten kann.

„Die Lehrer sind am Limit, weil die Klassen zu groß sind und Rückzugsräume fehlen“, sagte der Gesamtelternvertreter Jan Krebs. Einen Computerraum und einen Freizeitraum musste die Schule aufgeben, nun muss auch die Lernwerkstatt verschwinden. Der Antrag auf eine Absenkung der Klassengröße wurde vom Schulamt abgelehnt, obwohl die Schule darauf eigentlich ein Anrecht hätte.

Alle Anträge auf kleinere Klassen abgelehnt

Die Erika-Mann-Grundschule ist kein Einzelfall. Drei weitere Schulen hatten in Wedding wie bisher die kleineren Klassen beantragt, doch alle Anträge wurden erstmals abgelehnt – wegen der fehlenden Schulplätze. Carsten Spallek (CDU), zuständiger Schulstadtrat in Mitte, verwies darauf, dass an den Grundschulen des Bezirkes zum neuen Schuljahr 115 Schüler mehr aufgenommen werden müssten als im Vorjahr.

Die Folge seien Verdichtung und größere Klassen, auch wenn das pädagogisch nicht sinnvoll sei. „Das Problem wird sich 2018 noch verstärken“, sagte Spallek. Möglich seien dann auch Klassen mit 27 oder 28 Kindern, denn die jetzt in die Wege geleiteten Erweiterungen könnten mit den steigenden Schülerzahlen nicht Schritt halten. „Wir erwarten einen regelrechten Schulplatzbedarfs-Tsunami“, sagte der Stadtrat der Berliner Morgenpost.

Pankow: 400 Erstklässler mehr als im Jahr zu vor

Auch im Nachbarbezirk Pankow wird es in den Grundschulen noch enger. Hier müssen im kommenden Schuljahr 3734 Erstklässler eingeschult werden, knapp 400 mehr als im Jahr zuvor. Vor allem in Alt-Pankow gab es offenbar viele Zuzüge, sodass nach Angaben des Bezirksamtes vor allem dort 14 zusätzliche Klassen an den Schulen eingerichtet werden müssen.

Erst Ende Mai hatten wie berichtet Eltern der Kiekemal-Grundschule in Mahlsdorf unter dem Motto „Wir platzen“ protestiert. An der Schule gibt es inzwischen Klassen mit bis zu 30 Kindern. In Spandau müssen laut Prognosen 100 Erstklässler mehr als im Vorjahr eingeschult werden.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mahnt die Bezirke zum schnellen Handeln: „Wir können nicht Jahre auf Neubauten warten, notfalls müssen jetzt schnell mobile Ergänzungsbauten aufgestellt werden“, sagte Tom Erdmann.