Berliner Polizeiskandal

Während der Exzesse schlief die Polizeiführung im Hotel

Nach den skandalösen Ausfällen in Hamburg gibt es massive Kritik an der Personalpolitik in Berlin - und Fragen nach der Führung.

Berliner Polizisten feierten in ihrem Quartier, die Party eskalierte - die Führung schlief unterdessen fernab im Hotel

Berliner Polizisten feierten in ihrem Quartier, die Party eskalierte - die Führung schlief unterdessen fernab im Hotel

Foto: privat

Wegen skandalösen Benehmens sind zahlreiche Berliner Polizisten, die zum bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg abkommandiert worden waren, nach bereits einer Nacht zurückgeschickt worden. Die Vorwürfe gegen die jungen Polizisten: Sex in der Öffentlichkeit, Sachbeschädigung, Alkoholexzesse und Auseinandersetzungen mit Polizeieinheiten aus einem anderen Bundesland.

Doch es werden auch Vorwürfe gegen die Polizeiführung laut. Denn während die jungen Polizistinnen und Polizisten in einem ehemaligen Containerdorf für Flüchtlinge schliefen, übernachtete die Führung im Hotel. Die Frage ist nun: Hätte der Exzess verhindert werden können, wenn die Hundertschaftführer eingeschritten wären?

„Ja“, sagt Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Berlin. „Ich frage mich, wo die Führung war“, sagte Pfalzgraf der Berliner Morgenpost. Der Gewerkschafter fordert eine detaillierte Aufarbeitung des Vorfalls. „Klar ist auch, dass nicht alle für die Verfehlung einiger weniger verantwortlich gemacht werden können“, so Pfalzgraf weiter.

Polizist ist nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Berufung

Aus der Politik kommen Forderungen nach einer neuen Personalpolitik. Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sagte: „In Hamburg hat sich die falsche Personalpolitik bei der Berliner Polizei gezeigt: fehlende Führungsstärke gegenüber jungen Polizisten in Kombination mit den sinkenden Anforderungen an Bewerber.“

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Burkard Dregger, fordert von den Berliner Polizisten hingegen Haltung. „Da besteht bei Einzelnen offenbar Nachholbedarf“, sagte er auf Nachfrage. Polizist sei nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Berufung. Auch Dregger kritisierte die Polizeiführung. „Von der Bundeswehr weiß ich, dass ein Offizier bei seiner Mannschaft zu sein hat – auch wenn es unbequem ist“, sagt er.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt unterdessen davor, alle Kollegen unter Generalverdacht zu stellen, falls Einzelne sich fehlerhaft verhalten hätten. Außerdem verweist die Gewerkschaft auf ein Problem mit den Dienstzeiten. Denn als die Polizisten exzessiv feierten, waren sie theoretisch nicht im Dienst, weil Berlin so Geld spart. „Wenn man bei auswärtigen Einsätzen endlich durchschreiben würde, wären die Kollegen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch im Dienst. So aber reden wir über Aktivitäten in ihrer Freizeit, die sie gezwungenermaßen an einem Ort fernab jeglicher Unterhaltung verbringen müssen“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro.

Nicht der erste Exzess von Polizisten in Hamburg

Hamburg wiederum hat bereits mit Exzessen auswärtiger Polizisten Erfahrungen gemacht. 2010 hatte eine Hundertschaft aus Sachsen-Anhalt im „Steigenberger“-Luxushotel Treudelberg ein Saufgelage veranstaltet. Die Beamten waren grölend und Bier trinkend durch die Flure getorkelt, hätten eine Hochzeitsgesellschaft gestört und Hotelangestellte verbal attackiert. Einer hatte sich im Flur übergeben.

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