Gewalt in Berlin

Übergriffe im Berliner Tiergarten häufen sich

Antanzen, schlagen, Bein stellen: Im Umfeld des Bremer Wegs im Berliner Tiergarten ereignen sich zunehmend schwere Übergriffe.

Der Ehemann von Stefan Schmidt hat sich an die Morgenpost gewandt

Der Ehemann von Stefan Schmidt hat sich an die Morgenpost gewandt

Foto: Alexander Dinger / BM

An den 2. Juni kann sich Stefan Schmidt (Name geändert) noch gut erinnern. Er war auf dem Weg zu einer Verabredung mit seinem Mann und nahm den Bremer Weg durch den Tiergarten. Dort sei er von mehreren jungen Männern, die alle gebrochenes Deutsch gesprochen hätten, angegriffen und festgehalten worden. Nachdem er sich losgerissen habe und weggerannt sei, hätten sie ihn verfolgt und ein Bein gestellt. Stefan Schmidt stürzte so schwer, dass er sich dabei einen Oberschenkelhals brach und nun für mehrere Wochen krankgeschrieben ist.

Das ist aber kein Einzelfall: Wenige Tage nach dem Fall von Stefan Schmidt war ein 75-Jähriger ganz in der Nähe angetanzt und angegriffen worden. Der Mann war von drei Männern umringt und verfolgt worden. Der Senior wehrte sich und wurde zu Boden geboxt. Er erlitt bei der Attacke eine Schlüsselbeinfraktur sowie Gesichtsverletzungen. Die Täter flüchteten.

Bei der Polizei zunächst abgewiesen

„Seine Verfolger standen nach der Attacke da und lachten“, sagt der Mann von Stefan Schmidt, der ebenfalls unerkannt bleiben möchte. „Der Schock sitzt noch immer sehr tief. Die Reha-Maßnahmen werden drei Monate dauern“, berichtet er.

Für Stefan Schmidt, dessen Fall mittlerweile bei der Berliner Staatsanwaltschaft liegt, hat die Attacke Folgen. Denn er und sein Partner sind beide selbstständig, arbeiten in der Reisebranche und sind viel unterwegs. Nun kann Schmidt mehrere Wochen nicht arbeiten und muss eine langwierige Rehamaßnahme absolvieren.

Unterdessen habe sich die Anzeigenaufgabe schwieriger gestaltet: „Als ich einen Tag später bei der Polizeidirektion 3 in der Brunnenstraße Anzeige gegen die unbekannten Täter erstatten wollte, sagte man mir durch die Fernsprechanlage, dass man unterbesetzt sei und keine Zeit hätte“, berichtet der Partner von Schmidt. „Ich solle doch bitte meine Anzeige online in der Internetwache aufgeben. Die Tür wurde nicht geöffnet, es wurde nicht gefragt, was passiert sei“, berichtet er weiter. „Ich habe später auf einer anderen Polizeiwache für meinen Partner eine Anzeige gegen unbekannt wegen schwerer Körperverletzung erstattet“, sagt er.

Straftaten haben sich in diesem Bereich verdoppelt

Der Polizei ist der Vorgang bekannt. „Wenn der Anzeigeerstatter tatsächlich weggeschickt wurde, ist das natürlich nicht in Ordnung“, sagte ein Sprecher der Berliner Morgenpost auf Nachfrage.

Laut Statistik haben sich die Straftaten am Bremer Weg im Tiergarten in diesem Jahr bereits verdoppelt. Laut Statistik wurden im Umfeld Bremer Weg von Januar bis Mitte Juni dieses Jahres 45 Straftaten registriert. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 26 Straftaten – darunter Diebstahl, Körperverletzung und Raub.

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