Berlin

Union fordert E-Gesundheitskarte

Gesundheitsexperten der CDU/CSU-Landtagsfraktionen tagen in Berlin. Sie machen sich für mehr Digitalisierung in der ambulanten und stationären Versorgung stark

Gottfried Ludewi, Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus

Gottfried Ludewi, Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus

Foto: CDU Berlin/Tobias Koch

Die Gesundheitsexperten der CDU wollen das deutsche Versorgungssystem fit für die Zukunft machen. Sie sprechen sich unter anderem dafür aus, zur Sicherstellung einer schnellen Erstversorgung verstärkt Pilotprojekte mit zertifizierten Notfall-Apps in den Bundesländern durchzuführen. Vorbild dafür könnten Modelle aus Israel oder Dänemark sein. Auch die in Deutschland in einigen Regionen getestete App "Mobile Retter" müsse auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft werden. Mit den digitalen Angeboten könnten die stark frequentierten Rettungsstellen der Krankenhäuser entlastet und mittelfristig die Notfallversorgung ergänzt werden, sagen die gesundheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Landtagsfraktionen. Sie treffen sich am Dienstag in der Hauptstadt zu einer Konferenz und werden eine "Berliner Erklärung" verabschieden.

Die Gesundheitspolitiker fordern darin ferner die Einführung der elek­tronischen Patientenakte, die auch die Notfalldaten der Patienten enthält. "Wir möchten, dass der Austausch unter den Ärzten zukünftig noch schneller und unkomplizierter funktioniert", heißt es. Ob Zugriff auf die Krankenhausakte, eine Zweitdiagnose, den Medikationsplan oder Notfalldaten – notwendig seien ein sicherer Datentransfer und entsprechende Schnittstellen, damit die Kommunikation zwischen Ärzten mehr digital und standardisiert erfolgen könne. Das sei insbesondere beim Austausch zwischen stationärem und ambulantem Sektor notwendig. Die Unionspolitiker fordern die künftige Bundesregierung auf, die Infrastruktur für die Digitalisierung, also für die elektronische Patientenakte und die elektronische Gesundheitskarte, spätestens 2018 umzusetzen. "Die E-Gesundheitskarte wird ein Erfolg, wenn sie schnell kommt und Patienten ihre Daten nicht länger per App an Google und Co. weitergeben", sagte Gottfried Ludewig, Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Er koordiniert die Sprecherrunde.

Ein zweiter Schwerpunkt der Konferenz ist die bessere Versorgung mit Haus- und Fachärzten. Der Bedarf an Hausärzten steige stetig, sagen die Unionspolitiker. In Deutschland würden bis 2030 mehr als 4800 niedergelassene Ärzte benötigt, um das heutige Niveau aufrechtzuerhalten. Um die Versorgung in ländlichen Regionen zu sichern, sollten Haus- und Fachärzte dort besser entlohnt werden, fordern die Konferenzteilnehmer. Das Prinzip müsse sein, gleiche Leistungen von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern auch gleich zu vergüten.

Die Selbstverwaltung der Ärzte müsse zudem Anreize entwickeln, den Beruf des Allgemeinmediziners attraktiver zu machen. Schließlich unterstützen die CDU-Gesundheitsexperten den Vorschlag, zehn Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber zu vergeben, die sich zu zehn Jahren Tätigkeit als Hausarzt verpflichten.

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