Sonderermittler

Fall Anis Amri: Verdacht der Aktenmanipulation verfestigt

Im Fall Anis Amri ist offenbar ein neues Dokument aufgetaucht. Laut Sonderermittler erhärtet es den Verdacht auf Aktenmanipulation.

Polizisten vor dem Lkw, mit dem im Dezember das Attentat am Breitscheidplatz verübt wurde

Polizisten vor dem Lkw, mit dem im Dezember das Attentat am Breitscheidplatz verübt wurde

Foto: Michael Kappeler / dpa

Bei den Untersuchungen zum Terroranschlag in Berlin und den Ermittlungen der Kriminalpolizei ist ein weiteres unklares Dokument aufgetaucht. Der Sonderermittler des Senats, Bruno Jost, berichtete am Montag von einer Strafanzeige in den Unterlagen des Landeskriminalamtes (LKA), die am 2. Januar 2017 erstellt worden sei.

Das Dokument, das möglicherweise nur ein Entwurf sei, enthalte konkrete Vorwürfe gegen den Attentäter Anis Amri und dessen Drogenhandel sowie gegen mindestens einen Komplizen. Nach Auswertung eines Teils der Protokolle könne er sagen, dass die Bewertung eines gewerbsmäßigen Rauschgifthandels vertretbar sei, erklärte Jost.

Zu welchem Zweck das Dokument erstellt worden sei, könne er noch nicht sagen, meinte Jost am Montag im Innenausschuss. Er betonte aber: "Der Eindruck, dass es zu Aktenmanipulationen gekommen ist, verfestigt sich."

So wurde die Akte von Anis Amri gefälscht

So wurde die Akte von Anis Amri gefälscht

Vom Kleinkriminellen zum gewerbsmäßigen Dealer

Mitte Mai war bekannt geworden, dass Ermittler des Staatsschutzes beim LKA den späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter offenbar eigenmächtig im Nachhinein zu einem Kleinkriminellen erklärt hatten. Dabei war er tatsächlich auch schon vor dem Massenmord an zwölf Menschen ein Straftäter, gegen den ein Haftbefehl hätte erwirkt werden können.

So hatte eine Kriminaloberkommissar Amri in einer Akte als jemanden bezeichnet, der "möglicherweise Kleinsthandel mit Betäubungsmitteln" begangen habe. In dem eigentlichen Bericht war von "gewerbsmäßigem Handel" die Rede - ein Tatvorwurf, der für einen Haftbefehl ausgereicht hätte.

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