Tegeler See

Blaualgen: Politiker kritisieren Zusammenarbeit der Behörden

CDU-Politiker fordern eine Task-Force und permanente Kontrollen, um das Hundesterben und die Blaualgen-Gefahren aufzuklären.

Ein Teppich von Blaualgen im Wasser (Archivbild)

Ein Teppich von Blaualgen im Wasser (Archivbild)

Foto: picture alliance / ZB / dpa

Nach dem Tod von elf Hunden am Tegeler See und der Warnung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) aufgrund der neuartigen Blaualgen-Plage nicht im See zu baden, besuchten am Donnerstagnachmittag der Reinickendorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel und der CDU-Wahlkreisabgeordnete und Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus Stephan Schmidt (CDU) den Tegeler See. Der Dienstgruppenleiter des Polizeiabschnitts 11 Frank Stöckl informierte die Politiker über die Fälle vor Ort. "Ich bin fassungslos über die schlechte Zusammenarbeit der Behörden. Es zeigt sich erneut ein unfassbares Versagen des Lageso", resümierte Steffel anschließend. Das Landesamt warne zu "unkonkret", obwohl die Gefahr für Mensch und Tier nicht ausgeschlossen ist. "Ich erwarte von der zuständigen Gesundheitssenatorin Dilek Kolat, dass sie das Thema umgehend zur Chefsache macht."

Nicht auszudenken wäre es, wenn ein Kind zu Tode käme. Schließlich sei die Greenwichpromenade und weitere Uferbereiche des Sees durch Kreuzfahrtschiffe und Spaziergänger stark frequentiert. Man könne nicht vorübergehend Entwarnung geben und einige Stellen des Sees als unbedenklich einstufen, wenn diese Blaualgenart sich plötzlich wieder explosionsartig vermehren könnten. "Frau Kolat muss schnell klären, welche Gefahren am Tegeler See für Mensch und Tier bestehen – bevor noch Schlimmeres passiert", sagte Steffel. Er fordert eine permanente Probenentnahme und verstärkte Kontrollen am gesamten See. Eine Probenentnahme alle zwei Wochen an fünf Badestellen würden nicht ausreichen.

Dank für Tierarztpraxis und Polizei

Auch CDU-Wahlkreisabgeordneter Stephan Schmidt kritisierte das zuständige Lageso für die zurückhaltende Aufklärung über die Gefahren der neuartigen Blaualge: "Das schreckliche Hundesterben hat in Tegel für viel Entsetzen und zu Verunsicherung geführt. Ich danke der ansässigen Tierarztpraxis Rödiger bei der Unterstützung und der Suche nach den Ursachen." In den vergangenen fünf Wochen wurden am Tegeler See insgesamt 15 Hunde vergiftet, elf starben. Tierarzt Kai Rödiger hatte mit seinem Team in seiner Praxis in Tegel zwölf Hunde behandelt.

Frank Stöckl, Dienstgruppenleiter des Polizeiabschnitts 11, sprach beim Rundgang über den Einsatz seiner Kollegen und kritisierte ebenfalls die mangelnde Zusammenarbeit der Behörden in diesem Fall. "Eine Behörde muss das Heft in die Hand nehmen und sich verantwortlich zeigen oder es muss eine Sonderkomission mit Vertretern aller Beteiligten gegründet werden." Thorsten Schatz, stellvertrender Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion Spandau und Mitbegründer von "Giftköderalarm Berlin", hatte dies bereits vor einigen Tagen gefordert. "Seit Jahren fordern wir beim Thema Giftköder eine konzentrierte Zusammenarbeizt der Behörden und einen echten Informationsaustausch", sagte er der Berliner Morgenpost. Bezirksamt, Landesbehörden, Arztpraxen und Polizei würden an einen Tisch gehören.

Steffel dankte den Polizisten dafür, dass die Kollegen des Abschnittes in den vergangenen Wochen am Tegeler See vermehrt Streife liefen. Die Beamten bearbeiten derzeit zwölf Strafanzeigen zu elf Hunden - sieben davon seien gestorben. "Wir ermitteln weiterhin gegen Unbekannt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz", sagt Stöckl. Ihm mache die tödliche Schnelligkeit dieses Giftes Angst. Dem Abschnitt liegen keine Hinweise vor, dass Wildtiere, Vögel oder großen Mengen an Fischen nahe des Sees verendet wären.

Lageso sucht nach Ursachen

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sucht derweil nach der Herkunft der neuartigen Blaualge "Tychonema", die das Gift "Anatoxin A" bildet. Diese Gift hatte nachweislich zwei der drei untersuchten Hunde getötet. Das Landesamt hatte aufgrund der Blaualgen am vergangenen Freitag die Wasserqualitätsstufe für die Badestellen des Tegeler Sees – Strandbad Tegel, Reiswerder, Scharfenberg, Reiherwerder und Saatwinkel – auf gelb gesetzt. Das bedeutet, dass das Lageso abrät, dort zu baden, Wasser zu schlucken, angespülte Algen zu berühren, mit den Hunden dort spazieren zu gehen oder mit Kindern im Wasser zu spielen.

Eine Forscherin des Umweltbundesamtes hatte gegenüber der Berliner Morgenpost die Gefährlichkeit der neuen Algen-Gattung bestätigt. "Wenn ein Mensch große Mengen vergiftetes Wasser oder Pflanzen schluckt, kann es gesundheitsgefährdend sein", sagte Jutta Fastner, Cyanobakterien-Forscherin beim Umweltbundesamts (UBA). Im äußersten Fall können dann ähnliche Symptome wie bei Hunden nicht ausgeschlossen werden. Hauptsächlich hafte die toxinbildende Blaualge an Unterwasserpflanzen und im Quellmoos. Normalerweise sei diese Blaualgen-Gattung bisher nur aus kälteren Weltregionen wie Alaska, Kanada oder Nordeuropa bekannt. Unter welchen Bedingungen sie sich schlagartig vermehre, sei bisher wenig erforscht.

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