Neu gestaltet

Das AlliiertenMuseum baut Ausstellung an der Clayallee um

Noch bis Januar 2018 ist die Ausstellung „100 Objekte“ an der Clayallee zu sehen - trotz des Umzugs des Museums nach Tempelhof.

Der Mann im Jeep: Bernd von Kostka ist der kommissarische Direktor des AlliiertenMuseum

Der Mann im Jeep: Bernd von Kostka ist der kommissarische Direktor des AlliiertenMuseum

Foto: Anikka Bauer

Wenn Besucher das Foyer des ehemaligen Kinos „Outpost“ betreten, in dem sich bis 1994 US-Soldaten Filme in englischer Sprache ansahen, stehen sie heute lebensgroßen Figuren von Berlinern gegenüber. Die Aufnahmen zeigen Szenen vom Einmarsch der Alliierten, die im Juli 1945 gemacht wurden. „An dieser Eingangssituation wollen wir demnächst etwas ändern“, erklärt Bernd von Kostka, seit April vergangenen Jahres Kommissarischer Direktor des AlliiertenMuseums. „Multiperspektivität“ lautet sein Konzept, nach dem die ständige Ausstellung im Kinosaal des „Outpost“ attraktiver gestaltet werden soll.

In diesem Fall sollen Gedanken beider Seiten, der Soldaten und der Berlinerinnen und Berliner, dargestellt werden. „Wir denken an Sprechblasen und Audio-Einspielungen, in denen es um Ängste, zum Beispiel vor Werwolf-Partisanen, einerseits geht oder andererseits um Befürchtungen der Frauen, was die fremden Soldaten ihnen antun könnten“, führt von Kostka aus.

Er will mit diesen musealen Verbesserungen zeigen: „Wir arbeiten hier in Dahlem konstruktiv weiter.“ Als Nächstes erhalten Schulklassen neue Sitzmöglichkeiten, damit Kinder und Jugendliche dann im Museum mitgebrachtes Essen und Trinken zu sich nehmen können. Bereits jetzt gibt es neue Sitzbänke im Außenbereich.

Trotz rund 70.000 Besuchern im vergangenen Jahr hat von Kostka die Befürchtung, insbesondere Berlinerinnen und Berliner dächten, das Museum an der Clayallee sei bereits geschlossen. „Dabei“, so schätzt er, „werden wir sicher noch circa vier Jahre hier am Standort Dahlem bleiben.“ Deshalb arbeitet er weiter eng mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf und anderen Museen im Südwesten Berlins zusammen. So wurde gerade ein gemeinsamer Flyer herausgegeben, in dem alle Museen des Bezirks vorgestellt werden.

Erst voraussichtlich im Sommer werden die Mietverträge für den Hangar 7 in Tempelhof unterzeichnet, in den das AlliiertenMuseum später ziehen soll. Noch sind darin Geflüchtete untergebracht, dann müsse die Halle renoviert und umgebaut werden. „Wir wissen, wie lange so etwas in Berlin dauern kann“, erklärt der gebürtige Rheinland-Pfälzer. Gleichwohl arbeitet er mit seinem fünfköpfigen Team bereits an den Plänen für den neuen Standort. „Wir rechnen damit, die Attraktivität durch die neuen Räumlichkeiten und die zen­tralere Lage noch einmal deutlich zu erhöhen.“ Ziel des Museumsdirektors ist in Tempelhof eine Verdopplung der Besucherzahlen. Ob Besucher wie bislang kostenfrei Zugang haben, bezweifelt er.

Eine herausfordernde und sehr spannende Aufgabe

Von Kostka arbeitet seit Anfang 1994 als Kurator für das AlliiertenMuseum, das im September 1994 durch Kanzler Helmut Kohl eröffnet wurde. „Es war eine sehr spannende und herausfordernde Aufgabe“, berichtet der 54-jährige studierte Geschichts- und Politikwissenschaftler. „Die Westmächte haben bei ihrem Abzug 1994 Tausende Objekte an das Museum übergeben. Daraus mussten wir eine Ausstellung konzipieren. Zusätzlich gelangten über Veteranenverbände der Alliierten und durch Schenkungen der Berliner Bevölkerung zahlreiche weitere Alltagsgegenstände, Fotos, Briefe, Dokumente in unseren Besitz und die ständige Ausstellung.“

Mittlerweile liegt die Zahl der Sammlungsstücke bei rund 150.000. Erst kürzlich gelang es, einen Bestand an rund 220.000 Fotos aus Privatbesitz für „einen wirklich günstigen Betrag“, so von Kostka, zu erwerben. Das Beste daran: der Großteil der Schwarz-Weiß-Fotografien wurde vom Besitzer bereits digitalisiert.

Im denkmalgeschützten ehemaligen Soldatenkino zeigt die Dauerausstellung, „Wie aus Feinden Freunde wurden“. Draußen auf dem Hof steht der Blickfang des Museums: eine viermotorige britische Hastings-Propellermaschine. Mit Maschinen dieses Typs und der legendären Douglas C-54 der Amerikaner versorgten die Westmächte während der sowjetischen Berlin-Blockade Ende der 40er-Jahre Berlin über ein Jahr lang aus der Luft. Deshalb nannte der Volksmund die Flugzeuge „Rosinenbomber“.

Alles, was die Besucher hier sehen können, sind Originale

„Die Hastings ist eines von weltweit noch vier Originalen dieses Flugzeugtyps“, stellt Bernd von Kostka stolz fest. Das sei übrigens ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal des AlliiertenMuseums: „Alles, was die Besucher hier sehen, sind Originale.“ Auch der blau-graue Waggon des französischen Militärzuges und die Fassade des ersten Wachhäuschens am Checkpoint Charlie, kurz nach dem Mauerbau an der Friedrichstraße errichtet. Ebenso ist der letzte, erheblich moderner und funktionaler gebaute Kontrollposten am Checkpoint Charlie, der am 22. Juni 1990 in Anwesenheit der Zwei-plus-vier-Außenminister von einem Kran emporgehoben wurde, im Original zu sehen.

Auf der Freifläche stehen weitere Relikte des Kalten Kriegs in Berlin: ein Grenz-Wachturm und drei Mauersegmente. „Die stammen vom Potsdamer Platz“, erzählt Bernd von Kostka. Die typischen, knallbunten Gesichter hat Mauerkünstler Thierry Noir allerdings erst in Dahlem aufgemalt.

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