Fragen und Antworten

Prozess - In Leipzig geht es um die Dresdner Bahn

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Fülling und Brigitte Schmiemann
Der Bahnhof „Berlin Südkreuz“. Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt am Mittwoch zwei Klagen gegen einen Abschnitt der „Dresdner Bahn“ zwischen Berlin-Südkreuz und Blankenfelde.

Der Bahnhof „Berlin Südkreuz“. Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt am Mittwoch zwei Klagen gegen einen Abschnitt der „Dresdner Bahn“ zwischen Berlin-Südkreuz und Blankenfelde.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Die Trasse im Süden Berlins ist hoch umstritten. Jetzt verhandelt das Gericht zwei Klagen gegen das Projekt Dresdner Bahn.

Berlin.  Nicht nur in Lichtenrade werden ab dem heutigen Mittwoch viele Blicke nach Leipzig gerichtet sein. Dort verhandelt das Bundesverwaltungsgericht die Klagen gegen die sogenannte Dresdner Bahn. Hinter diesem Namen verbirgt sich das Projekt der Deutschen Bahn, die einst demontierte Fernbahntrasse von Südkreuz bis Blankenfelde-Mahlow wiederaufzubauen. Über die neuen Gleise soll sich nicht nur die Fahrzeit der Fernzüge nach Dresden, Prag oder Wien um etwa zehn Minuten verkürzen, sie dienen vor allem einer schnellen Anbindung des Hauptstadtflughafens BER an die Berliner Innenstadt. Trotz des anerkannten verkehrlichen Nutzens ist die Trasse bei den Anwohnern im Berliner Südwesten hoch umstritten. Sie fürchten dauerhafte Nachteile für die Lebensqualität im Ortsteil Lichtenrade. Es klagen drei Anwohner und die „Bundesvereinigung gegen Schienenlärm e. V.“, die damit die „Bürgerinitiative Lichtenrade – Dresdner Bahn e. V.“ unterstützt. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Rechtsstreit.

Warum wird in Leipzig verhandelt?

Die Genehmigungsverfahren für die Trasse (gestartet 1997) gelten als die längsten in der deutschen Eisenbahngeschichte. Für alle drei Abschnitte auf Berliner Gebiet liegen inzwischen Baubescheide vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vor. Baubeginn soll eigentlich noch 2017 sein. Weil das EBA eine Bundesbehörde ist, werden Klagen gegen die Bescheide sofort in der höchsten Instanz, dem Bundesverwaltungsgericht, verhandelt.

Worum geht es in dem Streit?

Umstritten ist vor allem der nur 2,5 Kilometer lange Abschnitt vom Schichauweg über Lichtenrade bis zur Landesgrenze nach Brandenburg. Die Bahn plant demnach den weitgehend ebenerdigen Bau einer zweigleisigen Strecke parallel zu den Gleisen für die S-Bahn, wobei vorhandene beschrankte Bahnübergänge verschwinden und durch Unterführungen unter den Bahngleisen abgelöst werden sollen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Züge mit Tempo 160 durch die Stadt fahren können. Damit die Anwohner vor Schienenlärm und Erschütterungen geschützt sind, plant die Bahn einen besonders schallabsorbierenden Gleisaufbau sowie bis zu vier Meter hohe Lärmschutzwände. Genau dagegen richtet sich der Protest vieler Anwohner und der von ihnen gegründeten Bürgerinitiative Lichtenrade – Dresdner-Bahn.

Was will die Bürgerinitiative?

Die Bürgerinitiative befürchtet von einer ebenerdigen Bauweise der Bahnstrecke „verheerende negative Auswirkungen“ für die Anwohner und für den gesamten Ortsteil (rund 50.000 Einwohner). Der Protest richtet sich vor allem gegen die hohen Lärmschutzwände entlang der Trasse, die Lichtenrade dadurch in zwei Teile zerschneiden würde, ohne dass diese den Schienenlärm von bis zu 600 Zügen am Tag wirklich verhindern könnten. Auf Widerstand stößt die Abschaffung des Bahnüberganges am S-Bahnhof Lichtenrade, der durch eine Unterführung ersetzt werden soll. Zu steil, zu regenanfällig sei die neue Führung der Bahnhofstraße, über die zudem mehr Autos als vorher fahren werden, weil auch andere Übergänge dichtgemacht werden wie der an der Wolziger Zeile.

Was fordert die Bürgerinitiative?

Die Bürgerinitiative fordert daher eine Tunnellösung, der Tunnel soll dabei nicht in offener Bauweise, sondern im bergmännischen Schildvortrieb errichtet werden, damit die Baubelastungen für die Anwohner geringer sind. Die Bahn und der Finanzier des Projektes haben diesen Vorschlag vor allem aus Kosten- und Zeitgründen abgelehnt.

Wie will Rechtsanwalt Armin Frühauf den Prozess gewinnen?

Ziel, so Frühauf, werde nicht sein, einen Tunnel herbeizuklagen. Es könne nur versucht werden, die vorhandene Planung zu verhindern oder zu verzögern. Eines seiner Hauptargumente werden die von der Behörde berechneten Lärm- und Erschütterungswerte sein. Sie seien interessengesteuert und unrealistisch, sagte der Anwalt.