Wirtschaft

Berlin bleibt die Hauptstadt der Gründer

Berlin, Berlin, wir gründen in Berlin: Nirgendwo entstehen bundesweit so viele neue Betriebe. Und doch hinkt die Hauptstadt hinterher.

Auf 10.000 Erwerbstätige kamen in Berlin 2016 rund 200 Neugründungen

Auf 10.000 Erwerbstätige kamen in Berlin 2016 rund 200 Neugründungen

Foto: alvarez/Istock / Getty Images

Berlin hat seine Position als Gründerhauptstadt gefestigt. Mit rund 200 Gewerbegründungen pro 10.000 Erwerbspersonen wurde im vergangenen Jahr ein identischer Wert wie in 2015 erreicht. Damit liegt Berlin um mehr als 60 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 123 Gründungen – im Rest der Republik ging die Zahl sogar zurück. Das geht aus dem aktuellen Gründer­index der Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg (BBB) hervor.

Besonders erfreulich ist laut BBB der Anstieg bei den sogenannten echten Betriebsgründungen, die um sieben Prozent auf fast 7000 zulegten. Dazu zählen Gründungen, bei denen gleich zu Beginn mindestens ein Mitarbeiter eingestellt wird. Anders als Kleinerwerbsgründungen, die oft aus der Not heraus geboren werden, gelten echte Betriebsgründungen als erfolgsversprechender. Spitzenreiter ist Berlin auch bei dem Anteil der Ausländer unter den Gründern, sie machen fast die Hälfte aus. Deutlich am stärksten tun sich dabei polnische Mitbürger hervor, gefolgt von Rumänen, Türken und Bulgaren.

Trotz eines Rückgangs von sechs Prozent bleibt das Baugewerbe treibende Kraft, gefolgt von den diversen Dienstleistungssektoren. Doch gerade im Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen sei noch "Luft nach oben", sagt BBB-Geschäftsführerin Waltraud Wolf. Hier liegt Berlin hinter München und Köln, es müssten nun die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, so Wolf. Am schlechtesten schneiden Gastgewerbe und Einzelhandel ab, hier wurden mehr Betriebe stillgelegt als gegründet.

Berlin erhält Zuschlag für Gründung von digitalen Hubs

Trotz eines überdurchschnittlichen Bruttoinlandsprodukts von 2,7 Prozent in 2016 (Bund: 1,9 Prozent) und einem Absinken der Arbeitslosigkeit von unter zehn Prozent, braucht es laut BBB noch "etliche Jahre" Geduld, bis Berlin an die Bundesländer jenseits des Mains aufschließen kann. Gerade die mittelständischen Unternehmen böten noch durchschnittlich weniger Arbeitsplätze, erwirtschafteten weniger Gewinne und zahlten entsprechend weniger Steuern.

Indes hat Berlin vom Bundeswirtschaftsministerium den Zuschlag für zwei digitale Hubs bekommen. Dort sollen Unternehmer und Gründer an digitalen Innovationen arbeiten. Ein Konsortium um die Factory Berlin, der Next Big Think AG und dem Fraunhofer-In­stitut wird künftig Ideen zum "Internet of Things" entwickeln – der Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet. Der Unternehmensentwickler FinLeap soll Berlin als Finanztechnologie-Standort weiterentwickeln.

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