Greenpeace-Protest

Greenpeace protestiert vor Starbucks gegen Kaffeebecher-Müll

Coffee-to-go ist an fast jeder Ecke erhältlich - der Müll durch die Pappbecher auch. Dagegen protestierte am Sonnabend Greenpeace.

320.000 Pappbecher landen pro Stunde in Deutschland im Müll. Am Sonnabend protestierte Greenpeace am Brandenburger Tor dagegen

320.000 Pappbecher landen pro Stunde in Deutschland im Müll. Am Sonnabend protestierte Greenpeace am Brandenburger Tor dagegen

Foto: Paul Zinken / dpa

Es ist ja so praktisch: Der Kaffee zum Mitnehmen. Frisch gebrüht erhält man ihn in Einweg-Pappbechern mit Plastikdeckel von den großen Ketten bis hin zum kleinen Kiosk.

Einwegbecher-Müll reicht siebenmal um die Erde

Das Problem: Wenn das Koffein schon längst durch die Blutbahn rauscht, ist der Kaffeebecher einfach nur noch Müll – in Berlin landen täglich 460.000 Becher in Abfalleimern. Jährlich werden laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) in Deutschland 2,8 Milliarden Becher weggeworfen. Das entspricht 40.000 Tonnen Müll pro Jahr und einer Strecke, die aneinandergereiht siebenmal um die Erde reicht.

Gegen die tägliche Vermüllung protestierten am Sonnabend Greenpeace im Rahmen ihrer aktuellen Kampagne "Zeit für eine Becherwende" vor der Starbucks-Filiale auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Passanten und Kunden wurden unter anderem mit Flyern, Bannern und Plakaten über Umweltverschmutzung durch Einweg-Pappbecher informiert. Aktivisten stellten die immense Vermüllung mit einer großen Erdkugel dar, um die sich die Pappbecher-Ketten siebenmal wanden.

Keine konkreten Pläne für die Müllreduzierung

Die Umweltorganisation bemängelt, dass die von Touristen wie Einheimischen frequentierte Filiale vor dem Brandenburger Tor sogar im Sitzbereich Einwegbecher ausgebe. Sie fordern, dort zukünftig nur noch Kaffee in Porzellantassen auszuschenken. Mehrwegbecher kann man zwar auch bei Starbucks kaufen, aber sie sind teuer. Bringt man sein eigenes Trinkgefäß mit, erhält man einen Rabatt von 30 Cent auf sein Getränk. Doch viele Kunden wissen gar nichts davon, weil diese Angebote nicht ausreichend deutlich zu sehen sind, so Greenpeace.

Der Marktführer Starbucks weist sich hingegen auf seiner Webseite als nachhaltiges und umweltfreundliches Unternehmen aus, auch wenn dies etwas schwammig formuliert ist: "Jeder nicht benötigte Einwegbecher trägt dazu bei, dass weniger Bäume gefällt werden." Einen handfesten Plan für die Reduzierung der Pappbecher oder gar den kompletten Verzicht darauf hat das Unternehmen bisher nicht angekündigt.

Becher werden verbrannt, weil das Recycling zu aufwändig ist

Die Pappbecher aller Coffee-to-Go-Anbieter lassen sich nur schwer oder gar nicht recyceln. Der Grund ist die dünne Innenbeschichtung sowie der Deckel aus Kunststoff. Zudem benötigen die Becher Frischfasern, für die laut DUH in Deutschland jährlich 43.000 Bäume gefällt werden. Für die Kunststoffbeschichtung und Deckel werden ca. 22 000 Tonnen Rohöl benötigt. Dabei verbrauchen die Hersteller so viel Strom wie 100.000 deutsche Durchschnittshaushalte und 1,5 Milliarden Liter Wasser.

Zudem werden 126.000 Tonnen CO2 bei der Herstellung ausgestoßen. Noch mehr Emissionen entstehen bei der Verbrennung der Becher in Müllentsorgungsanlagen. Das Recycling sei laut Greenpeace technisch zu aufwändig, da der dünne Isolationsfilm vom Pappbecher getrennt werden müsste.

Dabei könnte Starbucks in Berlin ein echter Pionier sein: Hier gibt es bereits einen von der Berliner Politik bewilligten Beschluss, einen Mehrwegbecher einzuführen. Dieser beschert Kunden einen festen Rabatt von 20 Cent pro Kauf und erlaubt so weiterhin den umweltfreundlichen Kaffeegenuss für unterwegs.

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