Tipps und Rat

Acht Dinge, die Kunden von Air Berlin jetzt wissen müssen

Kunden sind verunsichert, ob sie noch bei der angeschlagenen Fluggesellschaft buchen können. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 Ein Flugzeug von Air Berlin

Ein Flugzeug von Air Berlin

Foto: imago stock / imago/Arnulf Hettrich

Die Zukunft von Air Berlin ist weiter ungewiss. Die angeschlagene Fluggesellschaft sucht jetzt um Staatshilfe in Form einer Bürgschaft nach. Die Rede ist von 120 Millionen Euro, die Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann weiteren finanziellen Spielraum verschaffen sollen, bis eine Gesamtlösung für Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft gefunden ist.

Ein bei den Regierungen von Nordrhein-Westfalen und Berlin gestellter Bürgschaftsantrag werde gemeinsam mit den Ländern geprüft, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag.

Die Prüfung bedeute keine Vorwegnahme, ob eine Bürgschaft gewährt werde. Unabdingbare Grundvoraussetzung der Entscheidung sei ein „tragfähiges Zukunftskonzept“. Der Bund kann bei Beteiligung eines ostdeutschen Landes und Bürgschaften von mehr als zehn Millionen Euro eine zusätzliche Absicherung übernehmen.

Der Interims-Vorstandschef vom Air-Berlin-Großaktionär Etihad, Ray Gammell, sicherte der deutschen Fluggesellschaft seine Unterstützung zu: „Wir werden weiterhin das Air-Berlin-Management in seinen Bestrebungen während der Umstrukturierung des Unternehmens unterstützen. Gleichzeitig steht unsere Investition in Niki, und wir sind bestrebt, die Transaktion in Kürze abzuschließen.“

Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zu den jüngsten Entwicklungen bei Air Berlin.

Kann ich noch Air-Berlin- oder Niki-Flüge buchen?

Die Airlines versichern, dass sie aktiv bleiben, und werben aktuell für ihre Angebote in den Sommerferien. Niki offeriert getreu der neuen Arbeitsteilung „die Lieblingsinsel Mallorca“ oder die „wunderschöne Algarve“. Air Berlin wirbt mit „Sommer in den USA“. Die Airlines und auch der Großaktionär Etihad versichern, dass alle Buchungen berücksichtigt würden und der Flugplan eingehalten werde.

Viele Fluggäste sind verunsichert. Was sagen die Verbraucherschützer?

Die Air Berlin müsse eine „verbindliche Garantieerklärung darüber abgeben, dass der Flugplan eingehalten wird“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale. Kunden dürften nicht im Unklaren über ihre zum Teil lange im Voraus gebuchten und bezahlten Flüge gelassen werden. Die Einhaltung des Flugplanes soll Voraussetzung für eine staatliche Bürgschaft sein.

Bekomme ich im Falle einer Insolvenz von Air Berlin mein Geld zurück?

Nein. Darum verlangen Verbraucherschützer schon lange eine europaweite Lösung dafür, dass im Voraus bezahlte Flüge bislang nicht vor Insolvenz geschützt sind. Airlines sollten gesetzlich verpflichtet werden, eine Insolvenzversicherung zugunsten der im Voraus bezahlten Leistungen abzuschließen, wie es bei Pauschalreiseanbietern seit über 20 Jahren der Fall sei, sagte Verbraucherschützer Müller.

Sind Urlaubsflüge mit Niki von Streichungen bedroht?

Eher nicht. Niki war lange Zeit der einzige Teil der Air-Berlin-Gruppe, der Gewinne machte. Zudem gehört die von Formel-1-Legende Niki Lauda gegründete Wiener Airline mit 840 Mitarbeitern bald vollständig der finanzkräftigen Etihad aus Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). Sie kaufte Niki von Air Berlin für 300 Millionen Euro. Dieser Deal bleibe bestehen, betonten beide Seiten.

Was bedeutet die neue Entwicklung für die Air-Berlin-Mitarbeiter?

Die je 2800 Beschäftigten in Düsseldorf und Berlin plus die mehr als 2000 weiteren an anderen Standorten sind Kummer gewöhnt. Bei Air Berlin kriselt es schon lange. Auch die Gewerkschaften fordern Aufklärung über die Zukunft der Airline. Schon würden fähige Mitarbeiter aus Sorge um die Zukunft Air Berlin verlassen.

Verdi macht sich für ein Überleben der Airline stark. Die Gewerkschaft will verhindern, dass der irische Konkurrent Ryanair viele Strecken aus der Konkursmasse übernimmt. Die Arbeitsbedingungen sind dort deutlich schlechter als bei deutschen Airlines. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit wirft Ryanair „fragwürdige“ Leiharbeitsmodelle vor, in denen Piloten letztlich scheinselbständig für die Iren fliegen.

Hat denn Air Berlin seine aktuellen Probleme inzwischen im Griff?

Der Flugplan wird stabiler, sagte Air-Berlin-Sprecher Christian Liepack am Freitag. Es seien vielfältige Maßnahmen ergriffen worden, die jetzt Wirkung zeigen würden. Zu diesen Maßnahmen gehört, dass mehrere, offenbar weniger gut ausgelastete Verbindungen dauerhaft aus dem Flugplan genommen wurden. Dazu gehören Flüge nach Graz, Wien oder Karlsruhe – und, wie berichtet, seit 1. Juni auch der mit dem Sommerflugplan gerade erst eingeführte zweite tägliche Flug einer Air-Berlin-Maschine nach New York.

In der Übersicht der Berliner Flughäfen sind die Verbindungen allerdings weiter aufgeführt. Am Sonnabend sind demnach elf der geplanten 112 Air-Berlin-Abflüge ab Tegel abgesagt, am Sonntag wurden bislang neun von 121 Starts gestrichen. Wie die Erfahrung der letzten Wochen zeigt, kommen allerdings immer noch kurzfristige Flugstreichungen hinzu. Am Freitag habe es jedoch keine Ad-hoc-Absage gegeben, betonte Airline-Sprecher Christian Liepack.

Und wie läuft es aktuell mit der Gepäckabfertigung in Tegel?

„Besser, aber noch immer nicht zufriedenstellend“, sagte Daniel Tolksdorf, Sprecher der Berliner Flughäfen. Air Berlin kämpft seit Monaten mit massiven Problemen bei der Gepäckabfertigung. Fluggäste mussten nach der Ankunft in Berlin teilweise mehr als eine Stunde auf ihre Koffer warten oder bekamen diese erst nach Tagen nachgeliefert. Wohl auch um Geld zu sparen, hatte die Airline Ende März den Bodendienstleister in Tegel gewechselt. Das Geschäft übernahm die AeroGround, eine Tochtergesellschaft des Flughafens München. AeroGround fehlt aber nicht nur die Erfahrung mit den nicht einfachen Bedingungen am Flughafen Tegel, das Unternehmen konnte auch nicht genügend Mitarbeiter aufbieten.

Wegen der Verzögerungen beim Gepäck konnten viele Maschinen nicht pünktlich abheben. Am Freitag sind fast alle Air-Berlin-Flieger pünktlich gestartet. Größte Ausnahme war der Flug AB7396, der eine Stunde später als geplant nach San Francisco abhob. Ursache für die Verspätung seien aber keine Probleme in Tegel, sondern ein heftiges Gewitter am Vortag in Miami gewesen, das eine pünktliche Rückkehr des Flugzeuges nach Deutschland verhindert habe, so der Airline-Sprecher.

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