Alexanderplatz und Co.

Das sind laut Berliner Polizei "kriminalitätsbelastete Orte"

Die Polizei muss die Liste veröffentlichen. Darauf hatten sich die Koalitionspartner geeignet. Dafür gibt es auch Kritik.

Polizisten am Berliner Alexanderplatz (Archivbild)

Polizisten am Berliner Alexanderplatz (Archivbild)

Foto: Steffen Pletl / BM

Die Berliner Polizei muss eine Liste kriminalitätsbelasteter Orte (kbO) veröffentlichen. Das geht aus einer internen Mitarbeiterinformation hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Darauf hatten sich SPD, Grüne und Linke in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt.

Laut der bisher geheimen Liste verfügen drei Direktionen über kriminalitätsbelastete Orte. In der Direktion 3 sind es der Alexanderplatz, der Leopoldplatz und der Kleine Tiergarten. In der Direktion 4 Bereiche von Schöneberg-Nord, insbesondere rund um den Nollendorfplatz und Teile des „Regenbogenkiezes“. In der Direktion 5 sind es der Görlitzer Park, die Warschauer Brücke, das Kottbusser Tor, Teile der Hermannstraße, des Hermannplatzes und der Rigaer Straße.

"Sollten uns fragen, ob die Situation wirklich so rosig ausschaut"

Die Veröffentlichung wird auch kritisiert, da etwa befürchtet wird, dass die Polizei taktische Nachteile habe und Straftäter sich darauf einstellen könnten. Denn an den Orten darf die Polizei verdachtsunabhängig kontrollieren und die Identität von Personen feststellen. Sonst ist das nicht ohne Weiteres möglich. Noch vor wenigen Jahren gab es in Berlin noch mehr als 20 kbOs.

„Für unsere Kollegen spielt es keine Rolle, ob die kbOs öffentlich sind oder nicht. Dass wir heute weniger kbOs haben, ist politisch gesehen sicher schön anzuschauen. Wir sollten uns aber schon fragen, ob die Situation wirklich so rosig ausschaut“, sagte Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei.

In Berlin dienen die „kriminalitätsbelasteten Orte“ der Polizei laut ihrem Sprecher langfristig zur Zurückdrängung der Kriminalität und zur Prävention. Auskunft darüber, wo diese Orte sind, hatte die Polizei bisher nicht gegeben. Man wolle mögliche Täter nicht vorwarnen, hieß es bisher. Außerdem bestand die Sorge, die Bekanntgabe der Orte könne das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung negativ beeinflussen.

Schließlich bedeutet "kriminalitätsbelasteter Ort", dass dort "Straftaten von erheblicher Bedeutung begangen werden", heißt es von der Gewerkschaft der Polizei. Darunter fallen zum Beispiel Raubtaten, Brandstiftungen, gefährlicheKörperverletzungen und gewerblicher und bandenmäßiger Taschendiebstahl. "Häufig werden diese Straftaten in Gruppen und organisiert begangen", heißt es weiter. "Wir sprechen hier also von schweren Straftaten, teilweise Verbrechen, die ganz erhebliche Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben.

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