Berlin

Das Rezept für müllfreie Parks bewährt sich

Nach dem Feiertagswochenende zeigt sich: Wo die Berliner Stadtreinigung aufräumt, sind die Grünflächen sauberer.

Wo gefeiert wird, verstopfen die Körbe: Kleinere Mülleimer kapitulierten binnen weniger Stunden vor dem Karneval der Kulturen.

Wo gefeiert wird, verstopfen die Körbe: Kleinere Mülleimer kapitulierten binnen weniger Stunden vor dem Karneval der Kulturen.

Foto: Thomas Schubert / BM

Plötzlich heißt es Slalomfahren. Eine Mutter zirkelt ihren Kinderwagen um Bierflaschen und leergetrunkene Kokosnüsse herum. Auf der einzigen freien Bank im Park am Blücherplatz liegen die Überreste eines Döners ausgebreitet. Wer an einem warmen Wochenende in Berliner Parks Erholung sucht, muss seinen Platz finden zwischen Menschen im Partymodus und ihrem Müll. In vielen Grünflächen der Stadt waren zu Pfingsten die Abfallkörbe prall gefüllt.

Oliver Jentsch ist mit Freunden aus Dortmund nach Berlin gereist, um zu sehen, wie „Tänzerinnen beim Karneval ihre Hüften schwingen“. Und die Schweinerei mit den überfüllten Müllkörben? Darüber wollen sich Partytouristen wie er nicht den Kopf zerbrechen. „Ich denke, so etwas muss zu organisieren sein“, sagt er achselzuckend. „Kann ja nicht angehen, dass es hier so viel zu futtern gibt, und dann sollen wir die Reste mit nach Hause nehmen?“

Freiflächen verwandeln sich zu Clubs unter blauem Himmel

Es ist das alte Dilemma. In Berliner Parks wird an langen Wochenenden ausgepackt, konsumiert, entsorgt. Myfest, Himmelfahrt, Karneval – Berlin feiert draußen. Längst nicht nur bei Großveranstaltungen verwandeln sich Freiflächen in Clubs mit Rasen, Bäumen und blauem Himmel. Und wie am Ende einer Clubnacht muss jemand verlässlich sauber machen.

In der vergangenen Woche sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), wie das flächendeckend und auch langfristig funktionieren soll. Nicht mehr unter der Regie der personell ausgezehrten Grünflächenämter der Bezirke, sondern mit Hilfe der Berliner Stadtreinigung (BSR). Was die Profis in Orange leisten, konnten die Berliner und Touristen am Wochenende sehen. Dort, wo die BSR in der Pflicht steht, war der Müll der Feiernden schnell beseitigt – der Park am Blücherplatz zählt allerdings nicht dazu.

„Die Anwohner sind zufrieden, wir sind zufrieden.“ So warb Senatorin Pop für eine Ausweitung des seit Sommer 2016 laufenden Pilotprojekts. In dessen Rahmen packt die BSR in zwölf Parks an – und löst die Grünflächenämter ab. Bislang gilt dies zum Beispiel für den Grünzug am Fernsehturm oder die Greenwich Promenade in Tegel. Mit einem Budget von 7,3 Millionen Euro stellte die BSR 100 Mitarbeiter ein und erweiterte den Fuhrpark um 15 Fahrzeuge. Viel Aufwand, aber auch viel Wirkung. Die Zufriedenheit von Parkbesuchern in den Projektgebieten stieg laut einer Umfrage der BSR sprunghaft an: von 49 auf 92 Prozent.

Koalition sucht Geld für Ausweitung des BSR-Projekts

Mit dem Auslaufen dieses Experiments Ende 2017 stellt sich nun die Frage, wie man fortfahren will. Zunächst ist eine Verdoppelung der BSR-gepflegten Parks im Gespräch. Doch es gibt auch die Maximalforderung des Neuköllner SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck. Er wünscht sich eine Ausweitung des neuen Pflegesystems auf alle Parks. Die Kosten laut Senatsfinanzverwaltung: 130 Millionen Euro. So viel Geld wird die rot-rot-grüne Koalition bei der Haushaltsplanung mühsam zusammensuchen müssen. „Es geht nicht alles sofort“, schreibt Langenbrinck bei Twitter. „Aber wir sollten uns ehrlich machen.“

Sich ehrlich machen, dafür gibt das Geschehen zu Pfingsten anschauliche Gründe. Volle Tonnen im Volkspark Friedrichshain. Aufräumbedarf im Mauerpark. Oder Müllberge im Volkspark Wilmersdorf, wo an diesem Wochenende wieder Asia-Gastronomie stattfand, also Köche auf Picknickdecken Speisen ausgeben, ohne den Abfall zurückzunehmen. Bislang fand der Bezirk keinen Weg, das Treiben zu stoppen.

Nach Pfingsten werden die Spuren des Feierns eine Weile sichtbar sein. Denn wo Grünflächenämter aufräumen müssen, ist das Intervall der Müllkorb-Leerungen größer, die Dichte der Abfallbehälter geringer als in den Musterparks der BSR.

Ganz anders dagegen ausgerechnet im Görlitzer Park: Dank der Teilnahme am Pilotprojekt verdichten sich dort die Anzeichen einer geglückten Kur. Dutzende mintgrüne Mülltonnen ergänzen die orangefarbenen. „In der warmen Jahreszeit sind BSR-Reinigungskräfte jeden Tag im Görlitzer Park im Einsatz – auch an Wochenenden und Feiertagen“, erklärt BSR-Sprecher Sebastian Harnisch. „Ich war das letzte Mal vor zwei Jahren im Park. Da gab es hier kaum noch Rasen“, wundert sich eine Besucherin am Pfingstmontag. „Und jetzt laufen sogar wilde Kaninchen herum.“

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