Berlin

Drei mögliche Szenarien für die Zukunft der Fluglinie

1.ÜBERNAHME Unter Luftverkehrs-Experten gilt diese Variante als der wahrscheinlichste Ausgang des Dramas um die Fluglinie. Die Lufthansa hat bereits Jets von Air Berlin geleast, Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann kommt von der Lufthansa. Die Frankfurter könnten die Strecken der Berliner in ihr System integrieren, so wie sie es mit Brussels oder Austrian Airways auch schon getan haben. Jedoch müsste Air-Berlin-Großaktionär Etihad die Schulden übernehmen. Im Gegenzug hoffen die Araber auf eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der Lufthansa. Außerdem müssten die Kartellbehörden mitspielen. Denn Lufthansa bekäme vor allem in Berlin und Düsseldorf eine erhebliche Marktmacht. Die Konstruktion einer Zusammenarbeit dürfte deshalb kompliziert werden. Ob Air Berlin als Marke und als eigenständige Organisation überlebt, steht dahin. Für Berlin und den neuen Großflughafen BER wäre eine solche Lösung sicher die beste, weil die Operationen der Air Berlin dort eine gewisse Masse an Umsteigeverkehr garantieren.

2.INSOLVENZ Sollte das Geld schneller ausgehen als eine Übernahmelösung gefunden wird, ist ein Konkurs unausweichlich. In Deutschland ist es nicht möglich, sich der Altschulden zu entledigen und weiterzufliegen. Ab dem Tag der Insolvenz müssten die Flieger am Boden bleiben. Die Landerechte würden dann neu unter den Interessenten aufgeteilt. Auch Berlins Flughafengesellschaft erwartet, dass die Crews und auch die Flugzeuge binnen weniger Tage von Konkurrenten übernommen werden. Niemand hat ein Interesse, die täglich 70.000 Fluggäste der Air Berlin allzu lange am Boden stehen zu lassen. Für die Pläne eines Drehkreuzes in Berlin wäre eine Pleite dennoch ein harter Schlag.

3.NEUER PARNER Air Berlin Chef Thomas Winkelmann ist trotz seiner Lufthansa-Vorgeschichte wohl nicht auf seinen früheren Arbeitgeber als Partner festgelegt. Immer wieder werden chinesische Airlines oder auch der Billigflieger Easyjet als Käufer gehandelt. Aber das europäische Recht lässt außereuropäische Firmen nur als Minderheitseigentümer europäischer Airlines zu. Ein Einstieg ist also wenig attraktiv, wie schon Etihad erleben musste. Außerdem müsste ein Erwerber die Altlasten schultern. Und sich im Markt behaupten gegen eine Lufthansa samt Billig-Tochter Eurowings und gegen die aggressive Ryanair, die in Europa weiter expandiert und sinkende Preise ankündigt. Für einen Neueinsteiger wäre es also schwierig.

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