Kommentar

Endlich kommt das Einheitsdenkmal nach Berlin!

Der politische Streit um das Einheitsdenkmal ist beendet. Es ist gut, dass die Entscheidung gefallen ist, meint Jochim Stoltenberg.

Der Entwurf der Gestalter Milla & Partner für das in Berlin geplante  Einheitsdenkmal

Der Entwurf der Gestalter Milla & Partner für das in Berlin geplante Einheitsdenkmal

Foto: Milla & Partner / dpa

Kaum noch zu glauben. Aber die Entscheidung ist endlich und endgültig im Bundestag gefällt worden. Das Denkmal zur Erinnerung an die deutsche Einheit wird gebaut, Baubeginn noch in diesem Jahr. Dass nach so langem Streit das Votum so klar ausgefallen ist, überrascht. Weniger das Nein der Linken, die sich weiter schwertut mit fast allem, was die deutsche Einheit in Freiheit und den Untergang der DDR betrifft.

Ob das Denkmal in seiner Ausgestaltung als Wippe dem hohen Anspruch an einen der wenigen glücklichen Momente der deutschen Geschichte gerecht wird, bleibt abzuwarten. Mehrere Umfragen signalisieren, dass die Mehrheit der Deutschen, auch der Berliner, mit der Einheitswippe noch nicht viel anfangen kann. Alle Erfahrung lehrt aber auch, dass sich Demokratien mit ihren Bauten und Denkmalen generell schwertun. Auch jeder andere Entwurf wäre strittig gewesen. Es sei daran erinnert, wie sehr sich die Jury zwei Jahre lang über mehrere Wettbewerbsstufen mühte, einen Entwurf zu präsentieren.

Das Brandenburger Tor ist eigentlich das überzeugendere Einheitsdenkmal

Es wäre schon ziemlich blamabel, wäre Deutschland daran gescheitert, dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer und der Überwindung der Teilung ein Denkmal zu Ehren einer in der Welt einmaligen friedlichen Revolution zu schaffen. Und dass sich Meinungen und Urteile ändern können, das beweist in Berlin das Holocaust-Denkmal. Wie ist über Eisenmans Stelenfeld gestritten worden, bevor es gebaut wurde.

Und heute? Raus aus der Kritik. Warum soll sich Vergleichbares nicht auf dem Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals wiederholen? Ein modernes, dazu originelles künstlerisches Ensem­ble als Kontrast zum historisierenden Schloss. Erledigt hat sich damit die eigentlich überzeugendste Idee: Das Brandenburger Tor zum Denkmal dessen zu erklären, was sich die Deutschen in Ost und West so lange erträumt haben.

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