Betrug

Senat rüstet beim Kampf gegen Pflege-Mafia auf

24 Kontrolleure sollen künftig unbefristet angestellt werden und in den Bezirken nach Pflegebetrügern suchen.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass derzeit 230 osteuropäische Pflegedienste im Verdacht stehen, systematischen Abrechnungsbetrug zu begehen

Am Dienstag war bekannt geworden, dass derzeit 230 osteuropäische Pflegedienste im Verdacht stehen, systematischen Abrechnungsbetrug zu begehen

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Beim Kampf gegen die Pflege-Mafia rüstet die Berliner Verwaltung auf. 24 Kontrolleure, zwei pro Bezirk, sollen künftig dauerhaft nach Pflegebetrügern suchen. Bislang waren die Stellen befristet. Nun sollen für die unbefristete Anstellung der Experten monatlich 400.000 Euro im kommenden Doppelhaushalt bereitgestellt werden. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Aus der Finanzverwaltung habe es für die Pläne bereits positive Signale gegeben, hieß es.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass derzeit 230 osteuropäische Pflegedienste im Verdacht stehen, systematischen Abrechnungsbetrug zu begehen. Die Unternehmen, die laut Ermittlern auch Verbindungen zur organisierten Kriminalität haben, agieren zu einem Großteil von Berlin aus. 100 Firmenchefs und Führungspersonen aus den verdächtigen Unternehmen haben ihren Wohnsitz in Berlin. Allein 90 Verfahren sind in der Hauptstadt derzeit anhängig. Unter den Verdächtigen sind nicht nur Pflegefirmen, sondern auch Ärzte, Apotheker und Patienten. Der geschätzte Schaden liegt bei einer Milliarde Euro.

Verfehlungen werden konsequent angezeigt

Dass besonders viele Verfahren in Berlin geführt werden, hängt auch mit dem hohen Kontrolldruck in der Hauptstadt zusammen. Das Geld, mit dem die 24 Stellen nun dauerhaft ausgestattet werden sollen, erwirtschaften die Kontrolleure quasi allein – indem sie den Betrug aufdeckten und somit Schaden verhinderten, heißt es aus der Verwaltung. Verfehlungen würden konsequent zur Anzeige gebracht und unberechtigt ausgezahlte Leistungen zurückgefordert – auch von Sozialhilfeempfängern. Nach Angaben der Berliner Pflegeverwaltung gibt es in Berlin rund 116.000 Pflegebedürftige und 600 Pflegedienste. Drei Viertel von ihnen werden zu Hause betreut.

In Berlin können sich ältere Menschen, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen aber auch in sogenannten Pflegestützpunkten informieren. Die Anlaufstellen beraten und unterstützen unabhängig und kostenfrei bei allen Fragen zur Pflege sowie rund ums Alter und im Vorfeld von Pflege. Träger der Pflegestützpunkte sind die Pflege- und Krankenkassen gemeinsam mit dem Land Berlin. Die Pflegestützpunkte übernehmen eine Lotsenfunktion, auf Wunsch koordinieren sie auch die notwendigen Hilfen. Inzwischen gibt es 35 Pflegestützpunkte, in allen Bezirken bis auf Pankow sind es drei.

Weitere Informationen gibt es unter www.pflegestuetzpunkteberlin.de

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