JAkobshagen

Zum Heiraten aufs Land

Immer mehr Menschen wollen auf dem Bauernhof heiraten. Der Tourismus profitiert davon in vielen Regionen Brandenburgs

JAkobshagen.  Als Conchita Soares vor neun Jahren erstmals auf den alten Vierseithof ihres damaligen Lebensgefährten ins uckermärkische Jakobshagen kam, suchte die gebürtige Portugiesin in erster Linie Ruhe. Die zu finden, war in dem winzigen 100-Seelen-Örtchen zwischen Templin und Prenzlau nicht schwer. Die eigentlich in Berlin lebende Filmregisseurin konzentrierte sich in den Wintermonaten auf die Arbeit an einem neuen Drehbuch. Im Frühjahr begann sie den weitläufigen Garten auf dem etwa 5000 Quadratmeter großen Grundstück zu gestalten, mit blauen Blumen und Schmetterlingsflieder. Die Idylle lockt nun auch Brautpaare an.

„Mir gefällt die Landschaft. Ich bin begeistert von den vielen Tieren, denen du hier überall begegnest – Seeadler, Damwild, Kraniche“, sagt Soares, die in Süddeutschland aufgewachsen ist. Vor vier Jahren hat sie spontan die Hochzeit einer Freundin organisiert. „So entstand die Idee. Wer bei mir heiratet, braucht sich ein Wochenende lang um nichts zu kümmern, vorher nur die Einladungen verschicken“, erzählt die 45-Jährige.

Hochzeiten auf dem Land sind beliebt. Aufwendig dekorierte Gutshöfe, Schlösser und Villen an Brandenburgs Seen liegen für große Hochzeitsfeiern im Trend, sagt Birgit Kunkel von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMU). Genaue Zahlen gebe es zwar nicht, doch für Tourismusbetriebe in der Mark sei das Ausrichten der Hochzeiten zu einem einträglichen Geschäft geworden.

Wer sich die Warteschlangen vor den Berliner Standesämter ansieht, den dürfte der Trend zur Landhochzeit kaum wundern: Allein auf eine Beratung müssen etwa in Pankow manche Paare mehr als drei Monate warten. Die Gründe: Personalengpässe, hoher Krankenstand und das unerwartet hohe Bevölkerungswachstum. Vor dem Standesamt Mitte harren Verlobte nächtelang aus, um einen Termin zu ergattern. Eine Geduldsprobe, die viele nicht bestehen wollen – und aufs Land flüchten.

In der riesigen Scheune mit mehreren Kronleuchtern, Spiegeln und einem Tanzboden im uckermärkischen Jakobshagen findet eine komplette 100-köpfige Hochzeitsgesellschaft mühelos Platz. „Liebe macht Schmetterlinge im Bauch“ – so steht es mit Kreide gemalt wie ein Leitmotto am Scheunentor. Im Garten zwischen den zahlreichen Schmetterlingen gibt es Hängematten, bunte Picknickdecken, eine Bar und Lagerfeuer-Romantik.

Brautzimmer mit Himmelbett und hölzerner Babywiege

Soares baut einen Trau-Tempel nach den Wünschen des Brautpaares für die eigentliche Zeremonie im Garten, zu der sie auch eine eigene Traurede schreibt. Die offizielle Trauung findet im Standesamt Boitzenburg statt. Wer auch noch kirchlich heiraten möchte, kann dafür die Dorfkirche Jakobshagen nutzen. „Mittlerweile ist irgendwie die ganze Region involviert, da ich ja auch alles für den Festschmaus von Fischern, Jägern und Bäckern aus der Umgebung beziehe“, sagt Soares. Einmal im Jahr schmeißt sie eine Feier für ganz Jakobshagen. Im Haupthaus des Anwesens befindet sich das Brautzimmer mit Himmelbett und hölzerner Babywiege. Die Hochzeitsgäste übernachten in Quartieren der Umgebung – inklusive Shuttleservice.

Der ganze Aufwand hat natürlich seinen Preis: Er kostet so viel wie ein Kleinwagen. Doch diese Summen würden Hochzeitspaare durchaus gern ausgeben für das romantisch-rustikale Heiraten auf dem Lande, sagt Anet Hoppe, Chefin des Tourismusverbandes Uckermark. „In schöner Umgebung, mit der ganzen Familie, unkonventionell – das hat sich gut etabliert.“

Ihren Angaben nach gibt es im Landkreis 13 offizielle Standesämter sowie 25 besondere Trauräume, zum Beispiel den Freizeitpark „El Dorado“ Templin oder die Kapelle in Mellenau bei Boitzenburg. Der „Schmetterlingsgarten“ Jakobshagen werde sehr gut nachgefragt und bekomme auch im Online-Portal der Tourismus GmbH „nur gute Bewertungen“, versichert Hoppe.

„Die Leute geben viel Geld aus, um zu heiraten. Das ist ein großer Markt und inzwischen ein einträgliches Basis-Geschäft für Brandenburger Touristiker“, bestätigt Birgit Kunkel, Sprecherin der TMU.

„Wir hatten schon Brautpaare aus Kanada und Großbritannien, aber auch eins aus Jakobshagen selbst. In diesem Jahr richten wir erstmals eine griechische Hochzeit aus“, freut sich Soares, die zu den meisten ihrer bisher 35 Hochzeitspaare noch heute Kontakt hat.

„Hochzeit ist etwas ganz Persönliches“, sagt die 45-Jährige, die selbst allerdings nie heiraten möchte. „Dafür habe ich gar keine Zeit.“ Insgesamt werden es in den warmen Monaten dieses Jahres im „Schmetterlingsgarten“ 20 Feier-Marathon-Wochenenden sein. Von Bauern aus der Umgebung bekam sie bereits weitere potenzielle Hochzeitsorte angeboten. Sie lehnte aber ab. „Wir sind doch kein Massenbetrieb“, stellt die hauptberufliche Regisseurin klar, die ihren nächsten Kinofilm vorbereitet. Ihr eigentlicher Beruf helfe ihr bei den Hochzeitsvorbereitungen. „Das Set, der Ablauf, die Teameinteilung müssen vorbereitet werden, damit zum Drehstart alles perfekt ist.“