Kirchentag und Pokalfinale

Christen bevorzugen Klassenzimmer, Fußballfans das Hotel

| Lesedauer: 5 Minuten
Isabell Jürgens
Und tschüss: Diese Gruppe junger Kirchentagsbesucher verabschiedet sich aus Berlin – und fährt weiter nach Wittenberg zum Abschlussgottesdienst am Sonntag

Und tschüss: Diese Gruppe junger Kirchentagsbesucher verabschiedet sich aus Berlin – und fährt weiter nach Wittenberg zum Abschlussgottesdienst am Sonntag

Foto: Reto Klar

Die meisten Teilnehmer des Kirchentags schlafen in Berliner Schulen. Fans von Dortmund und Frankfurt sind weniger genügsam.

Kirchentagsbesucher sind genügsame Menschen – besonders, wenn es um den Schlafkomfort geht. Die meisten der rund 100.000 Dauerteilnehmer, die den seit Mittwoch stattfindenden Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin besuchen, schlafen ganz puritanisch in den Gemeinschaftsunterkünften, die in rund 200 Schulen der Hauptstadt eingerichtet wurden. Etwa 60.000 Gäste, so die Schätzung der Veranstalter, sind auf diese Weise in Klassenzimmern und Turnhallen untergekommen. Weitere 12.000 Kirchentagsteilnehmer haben in Privatunterkünften, die ihnen Berliner in ihren Wohnungen und Häusern zur Verfügung gestellt haben, ein meist komfortableres Bett bezogen.

Da an diesem Sonnabend auch noch das DFB-Pokal-Endspiel stattfindet, sind alle Hotels, Pensionen, Gästehäuser und Jugendherbergen in der Stadt ohnehin längst ausgebucht. Denn zusätzlich zu den Besuchern müssen über 5500 ehrenamtliche Helfer, die zum Gelingen der Großveranstaltung beitragen, untergebracht werden. Und natürlich auch viele der rund 6000 Polizisten, die an diesem Superwochenende sowohl für die Sicherheit der Kirchentagsbesucher als auch der Fußballfans im Einsatz sind.

„Wir haben einige Hundertschaften, die auf beiden Großveranstaltungen im Einsatz sind, unter unseren Gästen“, berichtet etwa Miranda Meier vom Neuköllner Hotel „Estrel“ am Freitag der Berliner Morgenpost. Zudem beherberge Deutschlands größtes Hotel mit seinen 1125 Zimmern aktuell auch rund 800 Fußballfans. Die meisten von ihnen seien in großen Gruppen angereist. Wie viele davon Eintracht- oder Dortmund-Anhänger sind, könne sie nicht sagen, so die „Estrel“-Sprecherin weiter: „Das werden wir wohl erst sehen, wenn sich die Fans morgen für den Stadionbesuch in ihren jeweiligen Mannschaftstrikots präsentieren.“

Zwei Millionen Besucher an diesem Wochenende

Kirchentagsbesucher, zu erkennen an den allgegenwärtigen orangefarbenen Schals, gebe es unter ihren 2000 Gästen jedoch kaum, bestätigt Miranda Meier die Angaben der Kirchentagsveranstalter, wonach das Gros der Christen auf kostenfreie Unterkünfte setzt.

Kein Wunder: Denn die Bettenknappheit in der Hauptstadt hat dafür gesorgt, dass die Hotels Höchstpreise verlangen. Im „Estrel“ etwa kostet ein Doppelzimmer normalerweise 120 Euro – die letzten Zimmer an diesem Superwochenende sind jedoch für 190 Euro weggegangen.

Ähnlich sieht es auch im neu eröffneten Hotel der Low-Budget-Kette „Motel One“ aus. Die 582 Zimmer im Hochhausturm „Upper West“ am Breitscheidplatz in der City West sind ebenfalls an diesem Wochenende komplett belegt. In den anderen Häusern der Kette sieht es nicht viel anders aus. „Zu den Anteilen der Besucher in den Hotels kann ich keine Angaben machen, da der Reiseanlass der Gäste nicht abgefragt wird“, sagt eine Sprecherin.

Wie jedoch über die „Motel One“-Website ersichtlich ist, sind acht der neun Berliner Häuser der Kette am Freitag und Sonnabend ausgebucht. Und die sonst üblichen Preise sind, auch das ist der Homepage zu entnehmen, außer Kraft gesetzt: „DFB Pokalfinale: Es gilt ein Aufschlag von 30 Euro im Zeitraum vom 27.05.17 bis 28.05.17“, ist dort zu lesen.

„Wir rechnen an diesem verlängerten Wochenende mit insgesamt zwei Millionen Besuchern“, nennt Anja Mikulla vom Berliner Tourismuswerber Visit Berlin erste Schätzzahlen. Dies entspreche etwa 500.000 Besuchern täglich. „Sicherlich gibt es irgendwo noch Zimmer, die kurzfristig frei geworden sind, weil eine Buchung storniert wurde“, schätzt Mikulla. Dies sei aber die Ausnahme. Insgesamt sei Berlin sehr gut gebucht. „Wie immer, wenn Großereignisse in der Stadt sind, waren die zentralen Unterkünfte am schnellsten ausgebucht“, ergänzt Kerstin Jäger vom Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Dies sei etwa zu Zeiten der Reisemesse ITB oder der Grünen Woche auch nicht anders. Erst Dienstag oder Mittwoch, wenn die Hotels ihre tatsächliche Auslastung übermitteln, könne man Genaueres sagen.

Auslastung der Hotels und Pensionen auf Rekord-Niveau

Wie wichtig das aktuelle Superwochenende für die Hoteliers und Pensionswirte der Stadt ist, lässt sich auch an den Zahlen ablesen, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg bereithält. Demnach waren die 140.000 Gästebetten in den 789 Hotels, Hostels und Pensionen im vergangenen Jahr zu durchschnittlich 61 Prozent ausgelastet.

Sonderzüge, Papphocker, S-Bahn-Beten

Shuttle-Service: Sonderzüge nach Wittenberg setzt die Deutsche Bahn ein. Sie fahren von Südkreuz nach Wittenberg am Sonnabend zwischen 14.05 und 19.20 Uhr sowie am Sonntag zwischen 05.41 Uhr und 11.01 Uhr. Die einfache Fahrt kostet 9,50 Euro.

Papphocker kaufen: Rund 35.000 Hocker aus Pappe wurden zum Kirchentag aufgestellt. Wer will, kann einzelne Exemplare nach Ende der Veranstaltungen gegen einen Euro Spende mitnehmen. Bestellung größerer Mengen: papphocker@kirchentag.de.

S-Bahn-Halleluja: Noch bis Sonntag gibt es einen witzigen wie nachdenklichen Podcast für die S-Bahn zwischen Messegelände und Alexanderplatz. Runterladen, mitfahren und mitbeten per Handy und Kopfhörer: www.oerbb.de/s-bahn-hallelujah.

Mehr zum Thema:

Live-Fotoblog: Die besten Bilder vom Kirchentag in Berlin

Mit diesen Fakten sind Sie für das Pokalfinale gerüstet