Riesige Lücken

Viele Stellen in Berliner Gesundheitsämtern nicht besetzt

Knapp zehn Prozent aller Posten sind vakant. Weil Mitarbeiter fehlen, will der Senat nun Ärzte in den Behörden besser bezahlen.

Im Bezirkevergleich klaffen die größten Lücken in Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg

Im Bezirkevergleich klaffen die größten Lücken in Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg

Foto: Patrick Seeger / dpa

Im öffentlichen Gesundheitsdienst Berlins waren Ende vergangenen Jahres mehr als 170 Stellen nicht besetzt. Das geht aus der Antwort der Senatsgesundheitsverwaltung auf eine Parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Gottfried Ludewig hervor. Allein im Fachbereich Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitshilfe für Kinder und Jugendliche fehlten fast 60 Mitarbeiter. Im entsprechenden Fachbereich für Erwachsene waren knapp 40 Stellen nicht besetzt, im umweltbezogenen Gesundheits- und Infektionsschutz 30 Stellen. Im Bezirkevergleich klaffen die größten Lücken in Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg. Reinickendorf, Pankow, Spandau und Treptow-Köpenick haben hingegen nur geringe Vakanzen gemeldet.

Die Lage hat sich seitdem offenbar leicht entschärft, denn vor einem Monat gab die Verwaltung die Zahl der unbesetzten Stellen in den Gesundheitsämtern der Bezirke aktuell mit 150 an. Das entspricht knapp zehn Prozent aller Posten. Allerdings fehlten fast 50 und damit überdurchschnittlich viele Fachärzte. Aus der Antwort auf die CDU-Anfrage geht nun hervor, dass im Zeitraum 1. April 2016 bis 31. März dieses Jahres 84 Stellenbesetzungsverfahren durchgeführt wurden. 36 Verfahren (43 Prozent) wurden beendet, ohne dass diese Stellen besetzt werden konnten. In 20 Fällen sei keine qualifizierte, also der Ausschreibung entsprechende, Bewerbung eingegangen. Weitere Gründe für eine erfolglose Beendigung des Verfahrens seien Absagen der ausgewählten Kandidaten oder mangelnde Eignung der Bewerber gewesen, so Staatssekretär Boris Velter.

Der Senat will nun den öffentlichen Gesundheitsdienst für Mediziner durch eine bessere Bezahlung attraktiver machen. Derzeit verdienen dort angestellte Ärzte 1000 bis 1500 Euro pro Monat weniger als ihre Kollegen in landeseigenen Krankenhäusern. Die Tarifverhandlungen müsse aber die Tarifgemeinschaft deutscher Länder führen, so Velter. Die Vergütung beamteter Ärzte müsse dann an das höhere Gehalt angepasst werden. Gottfried Ludewig mahnte, die Tarifverhandlungen schnell zu führen. Der Senat plane, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu vergrößern. Weitere Stellen könnten aber ohne eine bessere Bezahlung auch nicht besetzt werden.

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