Bildung

Schule an der Haveldüne als "starke Schule" ausgezeichnet

Die Schule an der Haveldüne im bundesweiten Wettbewerb als „Starke Schule“ ausgezeichnet. Aus guten Gründen.

Die Schule an der Haveldüne erhält den Preis „Starke Schule“. Zu Recht, wie die Schüler dieser 9. Klasse finden

Die Schule an der Haveldüne erhält den Preis „Starke Schule“. Zu Recht, wie die Schüler dieser 9. Klasse finden

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Allen Reformen zum Trotz werden Berlins Schüler nicht maximal gefördert. Mehr als zehn Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss. Zudem wird jeder dritte Lehrvertrag wieder gelöst. Und doch: Es gibt Erfolgsgeschichten, die der Statistik entgegenwirken und auch den bundesweiten Vergleich nicht scheuen müssen.

Im Wettbewerb "Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen" wurde die Schule an der Haveldüne am Donnerstag mit einem siebten Platz geehrt. Deutschlandweit beteiligten sich 500 Schulen am Ausscheid, den die Hertie-Stiftung mit der Deutsche Bank Stiftung, der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände und der Arbeitsagentur alle zwei Jahre ausrichtet. Bereits 2013 hatte die Integrierte Sekundarschule in Spandau landesweit den zweiten Platz belegt.

In diesem Jahr qualifizierte sie sich als Landessieger für die Bundesebene. Schulleiter Markus Prill freut die Auszeichnung, wirklich überrascht aber ist er nicht: "Auch bei uns gibt es Baustellen. Aber wir haben ein Bewusstsein für unsere Stärken", sagt der 62-Jährige. Stärken erkennen und Potenziale nutzen – das praktiziert die Schule auch bei ihren Schülern so intensiv, dass sie die Jury aus Wissenschaftlern, Lehrern und Vertretern von Wirtschaft, Bildungs- und Arbeitsverwaltung überzeugte.

Begleitung bis in den nächsten Ausbildungsabschnitt

Benjamin besucht die Klasse 9.3 und hatte sich vor dem Wechsel von der Grundschule mehrere Bildungsorte angeschaut. "Die Haveldüne", wie die Spandauer die Schule nennen, überzeugte ihn mit ihrem breit gefächerten Angebot. "An den anderen Schulen hat immer etwas gefehlt", sagt der 15-Jährige. Benjamins Liebe fürs Schlagzeug lebt er in der Musikklasse aus. Im Wahlpflichtfach forscht er mit der Historikerwerkstatt im Geheimen Staatsarchiv in Dahlem. Auch Asli (14) lobt die Angebote an der Schule. Die beiden Jugendlichen wollen Abitur machen, "obwohl ich dafür nach der Zehnten wechseln muss", bedauert Asli. Die Schule an der Haveldüne hat die Erweiterung um eine gymnasiale Oberstufe beantragt, unklar ist, wie schnell dies umgesetzt wird.

Benjamin weiß bereits, was er mal werden möchte: "Lehrer. Oder Psychologe", sagt er. Mit der Freien Universität unterhalten die Spandauer eine Kooperation. Interessierte Schüler können über Wochen hinweg an jeweils einem Tag sozialwissenschaftliche oder Geschichtsseminare besuchen. So sollen künftige Abiturienten den Unialltag kennenlernen. Die Initiative war aus der Schule gekommen. "Wir haben viele engagierte Kollegen, die so etwas anstoßen", sagt Prill.

52 Prozent der Haveldüne-Schüler wählen später einen schulischen Anschluss: Fachhochschulreife, Abitur, Berufsfachschule oder das Nachholen verschiedener Abschlüsse. Gut ein Drittel geht in die Berufsausbildung, sieben Prozent in eine schulische Ausbildung. Der Rest macht ein Freiwilliges Soziales Jahr. Ziel der Wilhelmstädter Schule ist es, jeden bis in den nächsten Ausbildungsabschnitt zu begleiten. Früher als andere Berliner Schulen formulierte das Kollegium dafür eine Systematik der Berufs- und Studienorientierung. Am Anfang steht dabei eine Potenzialanalyse.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Dualen Lernen. Neben Betriebspraktika gibt es Werkstatttage. In Schülerfirmen oder Projekten wird gegärtnert, Brot gebacken oder das Heizungssystem der Schule digital gesteuert. Berufebörsen präsentieren Arbeitgeber und Oberstufenzentren (OSZ). Abgängern mit Mittlerem Schulabschluss (MSA) hilft ein Jobcoach. Er schaut Bewerbungen an, knüpft Kontakte zu Personalchefs. Vereinbarungen mit vier OSZ garantieren, dass Schüler der Haveldüne dort aufgenommen werden.

Viele externe Kontakte und Kooperationen

Auch um Abschlussgefährdete wird gekämpft. "Unser Motto", sagt Prill, "ist: wir geben niemanden auf. Jeder an unserer Schule wird vermittelt." Teams aus Lehrern, Sozialpädagogen, Erziehern und, wenn nötig, Externen aus Jugendamt und Jugendpsychologischem Dienst begleiten gefährdete Schüler, erstellen Förderpläne, treffen Zielvereinbarungen mit den Eltern und Jugendlichen. Kommt jemand mit klassischen Lernkonzepten gar nicht klar, wechseln sich beim Produktiven Lernen Schultage mit Tagen in beruflichem Umfeld ab. Auch dort wird Mathe oder Englisch gelernt, "mit Bezug zur Arbeit", so Prill.

Auszeitmodelle öffnen Schulverweigerern wieder die Schultore. Pädagogische Inseln ermöglichen es, außerhalb des Klassenverbands zu lernen. Externe Berufseinstiegsbegleiter helfen in die Arbeitswelt – bis zu einem halben Jahr lang. Wer trotz allem durch den Rost rutscht, "für den haben wir die Jugendberufsagentur", sagt der Schulleiter.

Möglich machen das engmaschige Netz neben den 80 Lehrern viele außerschulische Kontakte. "Insgesamt haben wir ungefähr 100 Mitarbeiter", sagt Prill. Ausgefeilte Teamstrukturen benennen Spezialisten für pädagogische oder andere Themen. Vor allem aber, so Prill, lebe die Schule vom Engagement aller einzelnen: "Da bleiben schon viele auch mal länger als vorgesehen."

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