Tegel-Schließung

Opposition sieht Argumente für Flughafen Tegel bestätigt

Das Ziel eines Drehkreuzes am BER war Grund für Schließungsplan zu Tegel. Doch das Ziel fällt nun weg.

Blick auf den Flughafen Tegel bei Nacht (Archivbild)

Blick auf den Flughafen Tegel bei Nacht (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Volkmar Heinz / picture alliance / zb

Im Roten Rathaus zog man es am Dienstag vor, zu schweigen. "Keinen Kommentar" wollte Senatssprecherin Claudia Sünder zu den Äußerungen des BER-Aufsichtsratschefs Rainer Bretschneider abgeben. Dieser hatte im Morgenpost-Interview das lange verfolgte Ziel aufgegeben, den neuen Flughafen BER zu einem Drehkreuz auszubauen.

Die Zahl der Umsteigepassagiere sei gering und das werde sich auch nach einer Eröffnung "nicht so schnell" ändern, sagte Bretschneider. Stattdessen konzentriere man sich am BER auf "Punkt-zu-Punkt-Verkehre", also Flüge, deren Passagiere direkt in Berlin ein- und aussteigen. Dafür benötige man jedoch mehr Platz für Check-ins und Gepäckabfertigung.

Die Opposition im Abgeordnetenhaus, die sich wegen Kapazitätsproblemen am BER für die Offenhaltung des Flughafens Tegel stark macht, sieht sich durch die Aussagen Bretschneiders bestätigt. "Die neue BER-Strategie vollendet das gescheiterte Großprojekt endgültig", sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. Den Abschied von ihren Drehkreuzplänen habe die Flughafengesellschaft selbst zu verantworten. "Diese strategische Neuausrichtung erklärt das gesamte Terminalkonstrukt zum funktionellen Totalschaden", so Czaja. Dass Berlin Tegel dringender denn je brauche, werde Bretschneider angesichts der kommenden Kosten noch merken.

Umsteigeverkehr lässt sich nur schrittweise entwickeln

Auch die AfD-Fraktion empfindet Bretschneiders Worte als Rückenwind für ihren Kurs. Wenn es kein Drehkreuz geben solle, entfalle "erfreulicherweise ein weiteres Argument gegen die Offenhaltung des Flughafens Tegel", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Frank-Christian Hansel. Bislang habe es stets geheißen, ein Drehkreuzkonzept lasse sich nur an einem Single-Airport realisieren. "Mit der Aufgabe dieses Ziels ist dieses Argument obsolet geworden", so der AfD-Politiker.

Flughafen-Experte Dieter Faulenbach da Costa verwies auf ein Gutachten aus dem Jahr 2015, das zu einer ähnlichen Erkenntnis gelangt war wie nun Bretschneider. Umsteigeverkehr am BER lasse sich wenn überhaupt nur schrittweise entwickeln. Bei der Genehmigung des BER durch das Bundesverwaltungsgericht 2006 sei immer von einem mittelgroßen Airport die Rede gewesen. Die Pläne eines internationalen Drehkreuzes seien erst danach entwickelt worden.

Er sagte aber auch, dass es ab 2035 wegen mangelnder Kapazitäten in Frankfurt und München ein drittes deutsches Drehkreuz geben müsse. Berlin könnte sich dafür eine gute Ausgangsposition verschaffen, egal ob mit einem Single-Airport oder einem Flughafensystem. Er fürchte, dass diese Chance wegen fehlender langfristiger Planung vertan werde, sagte Faulenbach da Costa.

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